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DVD-News - 21/10/08

Der große Ausverkauf

Bonus-DVD und Filmkritik


Bonus-DVD


Der große Ausverkauf - Bonus
Extras:
- Trailer
- Deleted Scenes
- Interview mit Florian Opitz
- Fotogalerie
- Spendenaktion
Sprache: Diverse Originalsprachen mit deutschen Untertiteln

Kritik: Leider gibt es kein Making Of des Films, das die Arbeitsbedingungen des kleinen Teams zeigt, das den Dokumentarfilm DER GROSSE AUSVERKAUF auf mehreren Kontinenten gedreht hat. Aber das halbe Dutzend ausführlich gehaltener entfallener Szenen entschädigt ein wenig dafür. Hier sehen wir etwa, wie Marietta aus Manila bei einem Besuch beim Arzt mit ihren kranken Kindern entdeckt, dass sie selbst schon wieder (ungewollt) schwanger ist. Für ein viertes Kind gibt es einfach kein Geld, schon jetzt weiß die Familie eigentlich nicht mehr, wovon sie leben soll.

In seiner Limousine erzählt Professor Joseph E. Stieglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, warum er seine Arbeit bei der Weltbank niedergelegt hat, und auch die anderen Szenen verdichten und ergänzen die bereits im Film vorkommenden Sequenzen.

Im Interview erklärt Regisseur Florian Opitz, dass es ihm wichtig war, die Leute nicht nur als Opfer zu zeigen, sondern als Menschen, die Widerstand leisten gegen die menschenunwürdigen Konsequenzen der Privatisierung. So soll der Film einen Transfer zur eigenen Situation des Zuschauers ermöglichen und Mut machen, selbst aktiv zu werden. Sein Film soll auch dazu dienen, dass es den Menschen besser geht.

Die Fotogalerie zeigt eine Reihe beim Dreh entstandener Bilder, auf dem Letzten ist zu lesen: "Our dream is the world free of poverty."

Außerdem gibt es eine Spendenaktion, die das Geld direkt den Protagonisten der Manila-Episode zukommen lassen wird, Mutter Minda und ihrem Sohn Jinky, der nur überleben kann, wenn er alle paar Tage eine teure Dialyse bekommt, die sich die arme Familie nicht leisten kann.

Zwar sind die Extras dieser DVD ein wenig spärlich ausgefallen, aber dennoch liefern sie eine gute Ergänzung zu diesem wichtigen Film - einer ARTE-Koproduktion, die mit ihrem Erscheinen auf DVD hoffentlich noch vielen weiteren Zuschauern zugänglich werden wird.

Nana A.T. Rebhan


Filmkritik



Synopsis: Der Film veranschaulicht das abstrakte Phänomen „Privatisierung“  anhand von vier Lebensgeschichten aus verschiedenen Kontinenten. 


Kritik: Regisseur Florian Opitz hatte es nicht leicht, Fernsehredakteure für sein Projekt zu begeistern: „Wir haben doch schon einmal einen Film über Globalisierung gemacht, da brauchen wir nicht noch einen“, bekam er des öfteren zu hören. Doch Opitz gab nicht auf, investierte vier Jahre seines Lebens und macht einen Film, der wichtig und sehenswert ist. Er konzentrierte sich auf vier verschiedene thematische  Aspekte, die er jeweils einer Lebensgeschichte und einem Kontinent zuordnet: In Südafrika erzählt er von der Privatisierung des Stroms, in England von der der Bahn, auf den Philippinen von der der Gesundheit und in Bolivien von der des Wassers.


So reduziert Opitz das abstrakte Thema Privatisierung auf gut recherchierte, anschauliche Einzelfälle, an denen deutlich wird, wie die Privatisierung das Leben einzelner Menschen verschlechtert. So meint man doch, dass Menschen ein Grundrecht auf Wasser hätten. Doch wenn man die Bolivien-Episode des Films sieht, wird man eines Besseren belehrt: Vor sieben Jahren, im April 2000 drehte das amerikanische Unternehmen Bechtel der Stadt Cochamba das Wasser ab und verlangte von nun an Wasserpreise, die sich kaum einer leisten konnte. Gleichzeitig wurde das Sammeln von Regenwasser unter Strafe gestellt. Rasch gab es jedoch aktiven Widerstand. Die Menschen gingen auf die Strasse und kämpften um ihr Recht auf Wasser. Einer unter ihnen war Oscar Olivera, den der Film vorstellt. Gut ist, dass DER GROSSE AUSVERKAUF nicht einfach Opfer der Privatisierung zeigt, sondern Menschen, die sich wehren, die aktiv werden gegen die mehr oder weniger anonym verhängten Verschlechterungen der Lebensbedingungen. Das macht Mut, auch den Zuschauern des Films, die vielleicht selbst aktiv werden können. Denn die Nachteile der Privatisierung sind nicht nur in Entwicklungsländern oder Schwellenländern spürbar.
 
Simon Weller etwa ist Lokführer im englischen Brighton. Als die British Rail vor nunmehr zehn Jahren privatisiert wurde, konnte er zwar seine Arbeit behalten, aber zu wesentlich schlechteren Bedingungen als vorher. 150 private Firmen sind sich nun gegenseitig Konkurrenz. Aus der gut funktionierenden englischen Bahn ist ein logistischer Albtraum geworden. Besonders erwähnenswert bei DER GROSSE AUSVERKAUF ist die exzellente Kameraarbeit von Andreas Lehmann, der hervorragende Bilder findet, die nicht nur den Inhalt des Films unterstreichen, sondern ihm eine hochwertige Ästhetik verleihen, die das visuelle Niveau vieler anderer Dokumentarfilme übersteigt. Auch Joseph E. Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Chefökonom der Weltbank kommt zu Wort. Seine Worte stimmen nachdenklich: „Ich habe einmal bestimmte Aspekte der Wirtschaftspolitik mit moderner Kriegsführung verglichen. In der modernen Kriegsführung versucht man zu entmenschlichen, das Mitgefühl zu beseitigen. Man wirft Bomben aus 15 000 Metern, aber man sieht nicht, wo sie landen, man sieht keine Schäden. Es ist fast wie in einem Computerspiel. Man spricht von „body counts“. Das entmenschlicht den Prozess. Genauso ist es in der Wirtschaft: Man redet über Statistiken und nicht über die Menschen hinter diesen Statistiken.“
 
DER GROSSE AUSVERKAUF versucht diesem Trend etwas entgegenzusetzen, denn er widmet sich ganz den Menschen hinter diesen Statistiken. Ein sehr sehenswerter und kritischer Film, der auf Belehrungen und Off-Kommentare verzichtet und ein aktueller Film, auch im Hinblick auf den Anfang Juni (6.-8.6.) bevorstehenden G8 Gipfel in Heiligendamm.
 

Nana A.T. Rebhan


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Der große Ausverkauf

(Deutschland 2006)
Mit Minda Lorando, Bongani Lubisi, Simon Weller, Delfin Seriano Jr., Oscar Olivera

Erstellt: 17-09-08
Letzte Änderung: 21-10-08