Synopsis
Der Untergang erzählt die 12 letzten Tage Hitlers im Führerbunker, bis zu seinem Selbstmord. Seine Sekretärin Traudl Junge führt – quasi als roter Faden – durch den Film, der den Wahnsinn dieser letzten Tage schildert, und sich dabei vor allem auf die Figur des Hitler konzentriert.
- Der Kommentar zum Film
Kein deutscher Film der letzten Jahre hat solch einen gewaltigen Medienrummel ausgelöst. Britische Zeitungen sprechen von ‚Tabubruch’. Vom „Spiegel“ und „Die Zeit“ bis zu „Bild“ berichteten alle ausführlich mehrere Wochen vor dem Kinostart über die mit 13, 5 Millionen Euro teuerste Produktion seit Wolfgang Petersens Das Boot.
Doch der Film wird getrost seine Kosten wieder einspielen. Kein deutscher Film hat es je gewagt, sich den Dämonen des Dritten Reichs so zu nähern. Das ist ein absolutes Novum. Der 63-jährige Schweizer Schauspieler Bruno Ganz – momentaner Träger des Ifflandrings, der bedeutendsten Auszeichnung für einen deutschsprachigen Theaterschauspieler – verkörpert Hitler. „Wenn ich Hitler nur hasse, komme ich nicht an ihn heran“, sagt er, „also bin ich gezwungen, eine Art Verständnis für ihn zu entwickeln“. Ganz zeigt Hitler in allen Facetten - mal tobend, mal eiskalt, mal charmant zu den Frauen – immer aber bereit für Extreme: den totalen Sieg oder den totalen Untergang. Würden hierzulande Oscars verliehen, Bruno Ganz hätte ihn sofort verdient. Begleitet wird Ganz von einem großartigen Ensemble von Schauspielern, bei denen vor allem Juliane Köhler als Eva Braun und Corinna Harfouch als Magda Goebbels hervorzuheben sind.
Die Regie hält sich dezent zurück und versucht sich ohne eigene Wertung auf die Fakten zu konzentrieren, die sich vor allem auf die Schriften des Hitlerbiografen Joachim Fest und die Aufzeichnungen der Sekretärin Hitlers, Traudl Junge stützen. Die handgehaltene Kamera unterstreicht den dokumentarischen Touch des Films, die Filmmusik ist sehr reduziert, denn der Soundteppich besteht vor allem aus dem zischenden und knallenden Lärm der einschlagenden Bomben und Geschosse. Die klaustrophobische Enge des Bunkers – der im Film sehr selten verlassen wird – ist ein weiterer Protagonist des Films. Eine Umgebung, mit der Regisseur Oliver Hirschbiegel schon seine Erfahrungen hat. Sein letzter Kinofilm Das Experiment war ebenfalls ein Kammerspiel in nur wenigen Räumen. Hirschbiegel über seine zentrale Figur: „Jahrzehntelang wurde Hitler als Dämon oder Comicfigur gezeichnet. Es wird Zeit, dass wir uns unserer Geschichte stellen.“
Bernd Eichinger – Deutschlands erfolgreichster Produzent – hat den Film nicht nur produziert, sondern auch das Drehbuch selbst geschrieben. Er sagt: „Ich möchte den Zuschauer ergreifen, ohne zu moralisieren.“ Klar, wichtig ist, dass es in der Kasse klingelt, und das wird es. Tanja Kokoska kommentiert in der „taz“, „dass Hitler immer noch ‚Deutschlands stärkste Marke ist’, und ‚Mc Donalds deshalb pünktlich zum Filmstart in sämtlichen Filialen das Spezial Menue ‚Hitlerburger Royal SS’ sowie ‚Eva Brownies mit Hasselnussgeschmack’ anbieten wird. ‚für exakt 12 Tage, genauso lange, wie der Führer im Bunker noch lebte.’ “
Nana A.T. Rebhan
- Das Bonusmaterial
Darf man sich als deutscher Regisseur „drücken“, wenn es darum geht, die letzten Tage des unmenschlichen Diktators Adolf Hitlers in Szene zu setzen? Man darf nicht, sagte sich Oliver Hirschbiegel und nahm Bernd Eichingers Angebot zur 15 Millionen Euro teuren Verfilmung des deutschen „Untergangs“ an. Resultat ist ein olivweltuntergangsgrün-bleich-düsteres Monumental-Kammerspiel, in dem die deutsche Starschauspieler-Riege ziemlich vollständig versammelt ist und sich in der Altstadt von St. Petersburg und den Münchener Bavaria-Studios redlich müht, die Agonie des Hitler-Regimes unter der Berliner Reichskanzlei so realistisch wie möglich zu rekonstruieren.
Ein zwiespältiges Unterfangen von fraglichem künstlerischem wie inhaltlichem Wert, wie viele Kritiker und Zuschauer trotz des beachtlichen kommerziellen Erfolges im In- und Ausland befanden. Waren die einfachen Deutschen wirklich nur das vom Führer geopferte Volk, wie es die Verkürzung der Hitler-Diktatur auf ihre letzten Tage suggeriert? Darf man die 50 Millionen Kriegstoten und die unzähligen Opfer des Vernichtungswahns der Nazis ausblenden, denen im Film nur auf einer Texttafel gedacht wird? Reicht es aus, Hitler als Verrückten und menschlichen Nihilisten zu zeigen, auch wenn Bruno Ganz dazu sein ganzes schauspielerisches Können aufbietet? Führt eine erzählerische Strategie, die Anspruch auf dokumentarische Genauigkeit erhebt, sich dabei vorwiegend pseudo-realistischer, ästhetischer, wie dramaturgischer Mittel bedient, ohne einen wirklichen Standpunkt zu beziehen, nicht gerade dazu, dass der „Untergang“ sich einem tieferen Verständnis entzieht?
Bei aller Kritik lässt sich eines nicht verleugnen – „Der Untergang“ stillt ein lange verdrängtes wie tabuisiertes Bedürfnis der Deutschen, auch als Opfer des 2. Weltkrieges wahrgenommen zu werden und sich selbst zu trösten – in einer Zeit des Zweifels, 15 Jahre nach der Wiedervereinigung, in der man sich von der Vergangenheit Aufschlüsse über die eigene Zukunft erhofft.
Die Bonus-DVD der sogenannten „Premium Edition“ des „Untergangs“ ist 180 Minuten lang, verschafft aber nur bedingt zusätzliche Erkenntnisse über die historischen Hintergründe des Films. Feiert sie in dem Making-Of (58 Minuten), in „Der Bunker – ein virtueller Rundgang“ oder in den „Dreharbeiten“ zu Der Untergang vor allem die eigene logistische Leistung angesichts des komplexen Sujets. Auch nicht besonders spannend ist, wie die Journalisten Melissa Müller über ihre Begegnung mit der wahren Traudl Junge, Hitlers Sekretärin, kurz vor ihrem Tod spricht. Da war André Hellers Dokumentarfilm wesentlich spannender. Die „Interviews“ sollen zeigen, wie sich die Schauspieler an ihre historischen Rollen herangetastet haben. Bei einigen Mimen zeigt sich in den wie nachgeplappert wirkenden Statements aber auch, wie historisch unbeleckt und unbedarft sie ihrem Sujet gegenüberstanden.
Martin Rosefeldt
- Der Untergang
Darsteller: Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Juliane Köhler, Heino Ferch
Regie: Oliver Hirschbiegel
Produzent: Bernd Eichinger
Herstellungsland: Deutschland
Herstellungsjahr: 2004
- Technische Angaben
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte möglich
- Extras
-Hitler’s Letzte Tage – Making-of von Eckhart Schmidt (ca. 58’)
-Melissa Müller spricht über Traudl Junge (ca. 8’)
-Der Bunker – ein virtueller Rundgang (ca. 13’)
-Interviews (ca. 47’): Bruno Ganz (Adolf Hitler), Alexandra Maria Lara (Traudl Junge), Corinna Harfouch (Magda Goebbels), Ulrich Matthes (Josef Goebbels), Juliane Köhler (Eva Braun), Heino Ferch (Albert Speer), Ulrich Noethen (Heinrich Himmler), Thomas Kretschmann (Hermann Fegelein), Thomas Thieme (Martin Bormann), Bernd Eichinger (Produzent/Drehbuch), Joachim Fest (Autor/Historische Skizze), Oliver Hirschbiegel (Regie)
-Die historischen Figuren und ihre Darsteller (Biographien/Rolle der historischen Figuren werden mit denen ihrer Darsteller gegenübergestellt)
-Biographien
-Dreharbeiten zu Der Untergang (ca. 50’):
* in Russland: mit Audiokommentar von Christine Rothe (Herstellungsleiterin) und Bernd Lepel (Szenenbildner)
* in München: mit Kommentar von Regisseur Oliver Hirschbiegel






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Die letzten 10 Tage des Hitler-Regimes aus
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