Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > ARTE Journal

ARTE Journal

ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

> > Der Krieg um das Internet – Hacker als Revolutionshelfer

ARTE Journal - 30/12/11

Der Krieg um das Internet – Hacker als Revolutionshelfer

Previous imageNext image
Wie die Zensur umgehen, wie an einen freien schnellen Internetzugang zu kommen? Darüber zerbrechen sich Regimekritiker in Syrien fast täglich den Kopf. Es ist ein Kampf um Bilder und Informationen, die nach außen dringen. Das Regime von Baschar Al-Assad versucht mit allen Mitteln das Internet zu kontrollieren. Zu Hilfe eilen den Revolutionären Computerfreaks aus aller Welt. Sie helfen ihnen dabei, Fotos und Videos sicher außer Landes zu schicken und sich beim Surfen nicht erwischen zu lassen. Eines dieser losen Netzwerke ist Telecomix. Gegründet in Schweden setzt es sich für ein freies, unszensiertes Internet ein.

Westliche Spionage-Technologie für die Diktatoren

Die Hacker kämpfen damit nicht nur gegen autoritäre Regime, sie hacken sich auch in die Programme westlicher Technologie-Firmen. Denn sie liefern die modernen Filtertechnologien, mit denen Baschar al-Assad das syrische Internet überwacht. Laut Medienberichten wird dabei ein amerikanisches Überwachungssystem genutzt. Diese Verlogenheit und Doppelzüngigkeit des Westens mag vielen bitter aufstoßen. Diktatoren und westliche Technologieunternehmen hätten eine "heimliche Liebesaffäre", hieß es dazu auf dem gerade tagenden Kongresses des Chaos Computer Clubs in Berlin. Denn während die US-Firmen mit ihrer Spionage-Technik für das autoritäre Regime reichlich Geld verdienen, fordert die US-Regierung den Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und fordert ihn auf, die brutale Gewalt gegen die Opposition endlich zu beenden.


Die Reportage von Géraldine Schwarz und Alexandre Ifi




Géraldine Schwarz und Alexandre Ifi haben einen Hacker von Telecomix in Berlin während des Jahreskongresses des Chaos Computer Club getroffen. Bevor sich Stephan Urbach der internationalen Hackergruppe angeschlossen hat, war der 31-jährige Berliner Angstellter einer Telekommunikationsfirma.


ARTE Journal, Géraldine Schwarz: Bevor Sie den Syrern geholfen haben, hatten sie schon den ägyptischen Revolutionären geholfen. Gibt es Unterschiede?

Stephan Urbach, Telecomix: "In Syrien ist es anders als in Ägypten. In Syrien war das Netz nicht ausgeschaltet, aber sehr stark überwacht, da waren technische Maßnahmen notwendig gewesen, und auch die Geschichten die wir von den Syrern hören sind viel sensibler und krasser als die der Ägypter. In Ägypten sind nicht so viele in den Kellern der Geheimdienste verschwunden wie es jetzt in Syrien der Fall ist."


Géraldine Schwarz: Wie haben Sie zu den syrischen Dissidenten Kontakt hergestellt?

Stephan Urbach: "Es ist nicht so leicht den Kontakt zu den Leuten zu bekommen, denn die Internetpenetration beschränkt sich auf die Grossstädte und dringt nicht in die Dörfer vor. In Syrien herrscht grosse Angst vor dem Assad Regime und vor den Überwachungsmethoden, die dort benutzt werden. Wir haben es recht schwer Vertrauen aufzubauen und zu erklären, dass wir bei Telecomix nicht die Bösen sind und dass unsere Methoden, die wir anbieten ziemlich sicher sind. Natürlich gibt es keine einhundertprozentige Sicherheit, die gibt es nie. Aber wir versuchen, es den Behörden so schwierig wie möglich zu machen."


 

Géraldine Schwarz: Kennen Sie die Aktivisten?

Stephan Urbach: "Ich kenne von einigen Aktivisten das Profil. Ich kenne von keinem einzigen den richtigen Namen. Es ist auch gut so, weil ich es auch gar nicht wissen will. Aber wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns besuchen, wenn das ganze vorbei ist."


Géraldine Schwarz: Werden Sie bedroht, fürchten Sie sich vor dem syrischen Geheimdienst?

Stephan Urbach: "Wir sind schon bedroht worden. Nein, ich habe keine Angst, ich lasse mir keine Angst machen, ich lebe in einem sehr freien Staat, der auf seine Bürger aufpasst, damit von ausländischen Mächten oder Kräften keine Gefahr ausgeht. Ich bin gut vernetzt, wenn ich verschwinden würde, würde das auffallen. Das wäre zwar nicht gut aber ich habe keine Angst."


Sehen Sie auch



Erstellt: 28-12-11
Letzte Änderung: 30-12-11