Schriftgröße: + -
Home > Der Erste Weltkrieg > TV-Programm > Der Krieg der Medien

Themenabend: Der Erste Weltkrieg - 28/07/04

Der Krieg der Medien

Freitag, 30. Juli 2004 um 23.45 Uhr


Dokumentation von Anne Roerkohl
Deutschland, 2004, Erstausstrahlung, 45 Min.

Die Propagandaschlacht im Ersten Weltkrieg

Die Züge, die im August 1914 deutsche Soldaten an die Front bringen, tragen eindeutige Aufschriften: "Jeder Stoß ein Franzos", "Jeder Tritt ein Brit" und "Serbien muss sterbien". Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Die kühnen Sprüche spiegeln die allgemeine Kriegsbegeisterung, die 1914 beinahe die gesamte deutsche Gesellschaft ergriffen hatte. Diese spontane nationalistische Feindseligkeit ist kein ausschließlich deutsches Phänomen, sondern findet sich auf allen Krieg führenden Seiten mit einer geradezu ungewöhnlichen Heftigkeit. Daraus speist sich schon bald eine allgegenwärtige Propaganda, die sich im Laufe des Weltkrieges zu einem seiner stärksten Motoren entwickelt. In Frankreich werden die Deutschen zu "les Boches", ausgestattet mit Schweinskopf und Pickelhaube. In der englischen und amerikanischen Propaganda mutiert der deutsche Kaiser Wilhelm II. zum Feind schlechthin. Er wird als Attila, der Hunnenkönig, personifiziert, der mit seinen "mordenden Barbaren" neutrale Länder überfällt, Frauen vergewaltigt und kleinen Kindern die Hände abhackt. Extreme Gräuelbilder, um die amerikanische Bevölkerung für den Krieg zu mobilisieren. Holzfiguren des Kaisers werden geteert und gefedert und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Berühmte Schauspieler, wie Charlie Chaplin, sind völlig in die Propagandafeldzüge eingespannt. Mit Slogans wie "The War to End All Wars" oder "Making the World Safe for Democracy" wird die amerikanische Bevölkerung auf den Krieg im fernen Europa eingestimmt.

Der Film von Anne Roerkohl zeigt anhand unbekannter Archivaufnahmen, welche Register gezogen werden, um die Heimat für den Krieg zu mobilisieren und zum "Durchhalten" zu bewegen. Gerade in der zweiten Kriegshälfte, als in allen kriegsbeteiligten Parteien die Kriegsmüdigkeit zunimmt, kommt eine ungeheure Propagandalawine ins Rollen. Zum ersten Mal wird erfolgreich das neue Massenmedium Film eingesetzt. Viele Menschen gehen zum ersten Mal ins Kino. Die bewegten Bilder haben eine gewaltige Wirkung, der sich niemand entziehen kann. Die im Film auftretenden Zeitzeugen aus Deutschland berichten unter anderem von den ständigen Spendenaufrufen, wie "Gold gab ich für Eisen", oder von ihrer Schulzeit, die durch die allgegenwärtige Propaganda bald ganz im Zeichen des Krieges steht. Englische Zeitzeugen erzählen von Angriffen deutscher Zeppeline auf London und wie der Hass auf die Deutschen sich in Überfällen auf deutsche Geschäfte entlädt. Französische Zeitzeugen berichten vom brutalen Einmarsch deutscher Truppen in Nordfrankreich und wie die Propaganda ihre Angst vor den "boches" immer neu anstachelt.

Bildnachweis:
Die Ruinen von Verdun im Jahr 1916. Bei der Schlacht um die französische Stadt (Februar bis Dezember 1916) sind rund 700.000 Menschen umgekommen.
Bildrechte: WDR / (c) dpa

Erstellt: Fri Jul 16 16:55:01 CEST 2004
Letzte Änderung: Wed Jul 28 11:30:19 CEST 2004