Die Latex Beiden
Für die künstlerische Freiheit verzichten die Tänzer und Choreografen Cecilia Bengolea und François Chaignaud auf körperlichen Spielraum.
Die beiden vakuumverpackten Figuren erinnern unweigerlich an Steaks im Kühlregal.
Aber wir benutzen dieselben Hüllen, wie die Berliner Fetisch-Szene. Das ist keine Spezialanfertigung für Tanz oder Choreografie, sondern sie sind einen auf zwei Meter groß. Das ist die Standardgröße, wenn man jemanden vakuumieren will. François Chaignaud
Die schwarze Gummihülle macht sie blind und atmen können sie nur durch ein schmales Röhrchen. Unter diesen erschwerten Bedingungen tasten sich die Künstler an eine neue Körpersprache heran.
Die beiden Choreografen arbeiten seit etwa sieben Jahren zusammen. François hat am Pariser Konservatorium klassischen Tanz gelernt und Cecilia studiert in Argentinien Philosophie und Kunstgeschichte, bevor sie es in Paris mit Boxen und Gogo-Tanzen versucht.
Ihr Ballett inszeniert moderne Sylphiden. Die ätherischen, immateriellen Wesen sind in der keltischen Mythologie ein Symbol für Schönheit und werden hier mit Body Art-Elementen verbunden.
Bei seiner ersten Kreation 2006 sucht das Duo die passende Choreografie für den Akt der Penetration.
Tabulos und ohne falsche Scham führen die beiden mit “Pâquerette“ – Gänseblümchen - den Geschlechtsakt in den Tanz ein und sorgen damit für einen Skandal.
"Hermself", von die Truppe Clair Obscur
Sie stecken in einem Tunnel fest oder sitzen in der Falle wie Insekten ... Die Tänzer des Stücks “Hermself“ verbinden digitale Kunst mit plastischer Begrenzung.
Videoprojektionen an den Wänden eines Raums, dem der Tänzer entflieht, zeichnen in drei Bildern die Stadien des “Tibetischen Totenbuchs“ nach.
Für ihre “Hermself“-Choreografie erhält die Truppe Clair Obscur beim letzten Bains Numériques-Festival den Preis für “Tanz und Neue Medien“.
Das seit 2007 bestehende Kollektiv setzt sich aus Schauspielern, Tänzern, Videokünstlern und Musikern zusammen. Sébastien Laurent träumt früher allerdings von einer Turner-Karriere.
Um die Tanz-Szene aufzumischen, macht der deutsche Wahlfranzose Jörg Müller Versuche in einem überdimensionalen Reagenzglas. Ergebnis: Choreografien mit einem Aktionsradius von achtundachtzig Zentimetern.
Jörg Muller aquarium
Seit neunzehn Jahren schickt Jörg Müller andere Künstler in seinem 1.800 Liter fassenden Aquarium auf Tauchstation.
Bei dem Projekt “Noustube“ bleibt es jedem Beteiligten selbst überlassen, wie er sich mit den Tücken der Unterwasserwelt auseinandersetzen möchte.
Auf die Idee, Tänzer in einem Wasserglas schweben zu lassen kommt Jörg durch die Zusammenarbeit mit der Choreografin Kitsou Dubois. Sie testet mit verschiedenen Teams der NASA das Tanzen in der Schwerelosigkeit.
Aber Jörgs Röhren-Affinität geht noch weiter. Letztes Jahr, bei den Pariser Bouffes du Nord, jongliert der zweiundvierzigjährige mit diesen Metallzylindern. Begleitet wird er bei dem “Konzert für Röhren und Saxophon“ von dem ungarischen Free-Jazzer Akosh.
"Ich habe die Schule für Zirkus-Kunst in Chalons-en-Champagne absolviert. Da arbeiten Leute mit Wippen oder Russischen Barren, und die bestehen aus hohlen Fiberglas-Stangen. Wir fingen an, mit Reststücken davon zu jonglieren und merkten, dass dabei Töne entstehen. Dann habe ich Alu-Rohre aufgehängt, die auch klingen - außer beim letzten Rohr, da hört man nichts mehr." Jörg Müller
Kameramann: Marjory Dejardin
Tonmeister: Sébastien Lamy






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