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ARTE Journal - 15/03/12

Der Kampf homosexueller Eltern

Für die vierte Folge unserer Serie über in Frankreich lebende Ausländer haben wir die Spanierin Maria befragt. Wie sieht sie die rechtliche Situation Homosexueller in Frankreich und hier insbesondere homosexueller Eltern?

Spanien hat bei den rechten gleichgeschlechtlicher Paare einen klaren Vorsprung vor Frankreich. 2005 hat Madrid die Homo-Ehe mit allen dazugehörenden Rechten und Ansprüchen (Adoption, Erbschaft, Rente) eingeführt. In Frankreich ist die Homo-Ehe nach wie vor umstritten. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Holland will sich im Falle eines Siegs für ein Ehe- und Adoptionsrecht für homosexuelle Paare einsetzen. Sein Widersacher Nicolas Sarkozy ist - wie die Mehrheit der französischen Konservativen - dagegen, obwohl laut jüngsten Umfragen 51% der Franzosen für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare eintreten. 2005 waren es nur 46%.

Kinderwunsch-Tourismus

Doch die Unterschiede beschränken sich nicht auf das Stammbuch: Allein lebende Frauen können in Frankreich keine künstliche Befruchtung vornehmen lassen. Anders in Spanien. Dort haben alle Frauen Zugang zu künstlicher Befruchtung, unabhängig davon ob sie alleine leben oder in einer Zweierbeziehung. Viele homosexuelle Französinnen fahren deshalb nach Spanien oder Belgien, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Sieben EU-Staaten haben bisher die Homo-Ehe auf ihrem gesamten Staatsgebiet eingeführt (Niederlande, Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal und Island). Einige europäische Länder verwehren homosexuellen Paaren nach wie vor das Recht auf eine Eheschließung, erlauben ihnen aber eine Adoption. Das sind England, Wales, Schottland und Dänemark. In Deutschland können Kinder des Partners adoptiert werden.

Vor Gericht gezogen

Maria Vazquez Perez ist Krankenschwester. Wie viele spanische Krankenschwestern kam sie vor etwa zehn Jahren nach Frankreich. In den französischen Krankenhäusern herrschte damals ein dramatischer Arbeitskräftemangel. Im Krankenhaus in Cannes lernte sie ihre Partnerin, die Ärztin Stéfanie Serre, kennen. Die beiden heirateten in Spanien und haben drei gemeinsame Kinder. Zwei brachte Maria zur Welt, eines Stéfanie. In Spanien gelten sie als ganz normale Familie. Sie haben ein gemeinsames Familienstammbuch, in dem auch die drei Kinder - mit beiden Namen - eingetragen sind. In Frankreich gelten sie als ledige Mütter. Trotzdem fühlen sich Maria und Stéfanie mit ihren Kindern in der Schule, der Kinderkrippe, in ihrem beruflichen Umfeld als Familie akzeptiert. Rechtlich dagegen liegt noch vieles im Argen. Deshalb sind sie vor Gericht gezogen, um wenigstens ein sogenanntes kleines Sorgerecht für ihre nicht leiblichen Kinder zu erstreiten. Für ihre älteste Tochter Lia haben sie dieses inzwischen erhalten, im Falle der beiden jüngeren Geschwister ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Entziehung des Sorgerechts

"Das Problem ist, dass dieses kleine Sorgerecht jeden Moment wieder entzogen werden kann. Es ist kein verbrieftes Recht", bedauert Maria. "Vor allem, wenn eine von uns sterben sollte, dann hätte die andere in Frankreich keinerlei Rechte mehr in Bezug auf die nicht leiblichen Kinder". Eine Gesetzeslücke, die nach Stéfanies Ansicht vor allem den Kindern schadet. "Der Schutz der Rechte von Kindern ist in aller Munde, aber solange nicht auch die Rechte der Eltern anerkannt werden, sind die Kinder die Leidtragenden. "

ARTE Journal, Herade Feist




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Erstellt: 14-03-12
Letzte Änderung: 15-03-12