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Kino auf ARTE - 06/03/12

Der Boxer

Spielfilm, Irland, USA, 1997, ZDF, 108 Min., Regie: Jim Sheridan, Drehbuch: Jim Sheridan, Terry George, Kamera: Chris Menges, Musik: Gavin Friday, Maurice Seezer, Schnitt: Gerry Hambling, Produktion: Hell's Kitchen Films, Universal Pictures, Produzent: Jim Sheridan, Arthur Lappin
Mit: Daniel Day-Lewis (Danny Flynn), Emily Watson (Maggie), Ken Stott (Ike Weir), Brian Cox (Joe Hamill), Gerard McSorley (Harry), Eleanor Methven (Patsy), David McBlain (Sean)

Nach seiner Haftentlassung will sich ein ehemaliger IRA-Aktivist aus allen politischen Konflikten heraushalten und sich ausschließlich um den Aufbau und Betrieb einer Boxschule kümmern. Doch mit dieser Einrichtung, offen für alle Konfessionen, und einer wieder entflammten Liebe gerät er zwischen die Fronten im Nordirlandkonflikt und macht sich Feinde im radikalen IRA-Lager.



Als Jugendlicher hat der Ire Danny Flynn die Verantwortung für einen Bombenanschlag übernommen, den in Wahrheit der radikale IRA-Aktivist Harry verübt hatte. Als er nach 14 Jahren wieder aus der Haft entlassen wird, will der ehemalige Profiboxer nichts mehr mit den Terroristen der IRA zu tun haben. Danny versucht, die politischen Konflikte zu ignorieren und plant gemeinsam mit seinem früheren Trainer Ike in Belfast eine überkonfessionelle Boxschule zu eröffnen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das von einigen militanten IRA-Mitgliedern wie Harry sofort misstrauisch beäugt wird.
Als Danny seine frühere Liebe Maggie wieder trifft, verschärfen sich die Probleme. Denn Maggie, Tochter eines führenden wenn auch gemäßigten IRA-Aktivisten, hat nach Dannys Verhaftung einen von dessen ehemaligen Kameraden geheiratet - der selbst seit mehreren Jahren inhaftiert ist. Die Frauen von inhaftierten IRA-Mitgliedern gelten als unantastbar. Und so führen die wieder entflammten Gefühle zwischen Danny und Maggie zur Eskalation.

"Der Boxer" ist ein Film des irischen Regisseurs Jim Sheridan - und ein Glanzstück des europäischen Autorenkinos. Er erzählt die Geschichte einer schwierigen Liebe inmitten des Nordirlandkonfliktes. Soziale und politische Themen aus Irland, sind Sheridan ein besonderes Anliegen. Zusammen mit dem nordirischen Drehbuchautor und späteren Regisseur Terry George hat Sheridan ein Thema bevorzugt behandelt: den Bürgerkrieg in Nordirland. Auf ihre erste Zusammenarbeit "Im Namen des Vaters" folgte "Der Boxer".
Der Brite Daniel Day-Lewis, der für seine Leistung als Hauptdarsteller in Sheridans Regiedebüt "Mein linker Fuß" 1990 einen Oscar erhielt, spielt in beiden Filmen, hier wie dort einen Unschuldigen unter IRA-Verdacht im Gefängnis, wobei diese Haft bei "Im Namen des Vaters" den größten Teil des Filmes einnimmt.
Gemein ist beiden Werken das humane Anliegen abseits jeder politischen Stellungnahme. Sheridan beschreibt die verzweifelte Situation von Menschen, die unter rigiden politischen Ideologien in einem Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt gefangen sind. Dabei zeigt der Film anschaulich eine mehrfach zerrissene Gesellschaft, in der sich der Hass verselbstständigt hat und der Kampf bisweilen nur um des Kampfes willen fortgeführt wird. In "Der Boxer" legt Sheridan ein besonderes Augenmerk auf die Rolle der Frauen in dem Dauerkonflikt. Sie sind nicht nur die großen Dulderinnen, die Leid und Elend stoisch ertragen, sondern werden zudem von der IRA-Führung instrumentalisiert: Als treu sorgende Häftlingsehefrauen sollen sie die Moral der kämpfenden Truppe stärken.
Mit eindrucksvollen Bildern des renommierten Kameramanns Chris Menges, einer präzisen Inszenierung und dem hervorragenden Spiel von Größen wie Daniel Day-Lewis, Emily Watson und Brian Cox ist Sheridan ein in allen Belangen überzeugender Film gelungen, der ausschließlich Partei ergreift für die Menschen und ihr Land und die friedliche Koexistenz von Katholiken und Protestanten als einzige Lösung propagiert.
Zur Inspiration diente den Drehbuchautoren der irische Boxweltmeister Barry McGuigan. Dieser war auch in die Produktion involviert und bereitete Daniel Day-Lewis auf die Box-Szenen des Filmes vor. "Der Boxer" lief im Jahr 1998 als Eröffnungsfilm auf der Berlinale. Zudem war er für zwei Golden Globes nominiert. "Ein ebenso ernsthafter wie aufrichtiger Film, der das Leid und Elend eines durch Bürgerkrieg zerrütteten Landes zeigt und sich vorbehaltlos dem Pazifismus verschrieben hat. Effektvoll inszeniert und überzeugend gespielt." (film-dienst)

Der Boxer
Dienstag 20. März 2012 um 01.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Irland, USA, 1997, 109mn)
ZDF

Erstellt: 06-03-12
Letzte Änderung: 06-03-12