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Venedig 2004 - 08/09/04

Delivery

Was macht den Obdachlosen zum Obdachlosen?


Ein Film von Nikos Panayotopoulos
Offizieller Wettbewerb

Im Gespräch mit Nikos Panayotopoulos (Real Video)
Der Tailer zum Film (Real Video)

Synopsis: Ein junger Mann landet auf dem Busbahnhof in Athen. Er sucht Arbeit. Er spricht sehr wenig. Das macht es nicht gerade einfacher für ihn. Nach und nach findet er sich zurecht in seiner neuen Umgebung. Er lernt Menschen kennen und findet einen Job als Pizzakurier. Aber über ihn erfahren die anderen nichts, er bleibt schweigsam bis zuletzt.

Kritik: Filme, deren Hauptfiguren schweigen haben es eigentlich nie leicht. Wie auch? Normalerweise identifiziert sich der Zuschauer mit der Hauptfigur des Films, aber wenn dieser fast die ganze Zeit über nichts sagt, ist es schwierig, sich ihm zu nähern. So begleiten wir den jungen Namenlosen auf der Suche nach Arbeit. All die Menschen, die ihm begegnen, geben ihm Namen, und versuchen etwas über ihn herauszufinden, etwa wo er herkommt, was er vorhat, etc. Sie nennen ihn Gagarin, Suleiman, Pizza Boy, Sohn des Priesters, Albaner, etc. und verraten damit mehr über sich selbst als über ihn.

Der griechische Regisseur Nikos Panayotopoulos hat all diese Figuren – die manchmal nur ganz kurze Auftritte haben – liebevoll gecastet. Sie – in ihrer eigenen Namenlosigkeit – sind das eigentliche High Light des Films. Da gibt es einen, der in einer kleinen Imbissbude arbeitet. Er singt ständig griechische Liebessongs lautstark mit, und wenn er an seinem Strohhalm im Frappé saugt, dann verzieht er die eine Gesichtshälfte zu einer merkwürdigen Grimasse. Ein anderer mit schmutzigem Baseballcup weiß scheinbar alles über Frauen, nur er selbst bekommt keine ab. Sobald sich ihm jemand nähert, ruft er ihm zu „Unterbrich mich nicht“. Sein Spitzname steht fest.

Neben all diesen kleinen, interessanten Begegnungen – die wegen des dokumentarischen Effekts mit der Handkamera gedreht wurden – gibt es eine Liebesgeschichte. Im Pizzaladen arbeitet eine stets in sexy Lack und Leder gekleidete junge Frau, die den jungen schweigsamen Mann verführt und ihn zärtlich „Gagarin“ nennt. Er verliebt sich in sie, doch sie hat es nicht so ernst gemeint, denn sie hat noch einen chinesischen Liebhaber. Doch der Namenlose kann es nicht fassen, er folgt ihr, und macht damit alles nur noch viel schlimmer. Das alles wollen wir eigentlich gar nicht wissen, dass Sie drogensüchtig ist, nur seinen großen Schwanz gut findet, aber nicht den Rest, usw. Da beginnt der Film zu nerven. Das sehr seltsame, märchenhafte Ende bricht dann wieder komplett mit dem vorher bewusst erzeugten, realistischen Touch. Doch das kann den merkwürdigen Film – der durchaus über gute einzelne Szenen verfügt – auch nicht mehr retten, nur noch seine Hauptfigur, den gefallenen, namenlosen Engel.

Nana A.T. Rebhan

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Delivery
Griechenland 2004, 100 Min.
Regie: Nikos Panayotopoulos
Mit: Thanos Samaras, Alexia Kaltsiki, Dimitris Imelos, Erikos Litsis
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Erstellt: 03-09-04
Letzte Änderung: 08-09-04