Synopsis
Can ist Kleindealer. Er hat eine Frau und eine kleine Tochter. Seine Frau verlangt, dass er sich einen normalen Job sucht, aber er hört nicht auf sie. Sie trennt sich von ihm und Can landet mehr oder weniger unausweichlich im Gefängnis.
- Der Kommentar zum Film
Beim Casting zu seinem vorhergehenden Film Geschwister - Kardesler traf der türkischstämmige Regisseur Thomas Arslan auf einige Menschen, die sich im halbkriminellen Milieu bewegten. Diese faszinierten ihn: „Diese Mischung aus Vitalität und Fatalismus die sie hatten, ergab eine ganz eigentümliche Konfusion. Das hat mich interessiert. (...) Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, den Alltag einer solchen Person zu erzählen.“ Daraus entstand sein neues Werk. Dealer ist keineswegs der Film, den man bei solch einem Titel vermuten könnte.
Dealer ist kein Actionfilm. Er widersetzt sich erfolgreich den Klischees, die man in Dutzenden von Filmen über Drogenkriminalität gesehen hat.
Die Hauptfigur Can ist Mitte Zwanzig. Sein Leben verläuft völlig unspektakulär. Er ist ein Kleindealer, der zu Fuß die bestellten Drogen zu seinen Kunden bringt. Eigentlich würde er lieber in der Bar jobben, die sein Boss bald eröffnen will. Doch Can ist nicht Dealer, weil ihm keine andere Wahl blieb – er ist es aus Lethargie, und weil er keine Lust auf noch miesere Jobs hat.
Arslan versucht Klischees zu umschiffen, vor allem das des „kriminellen Ausländers.“ Er will etwas anderes zeigen. „Ich habe mir gedacht, wenn es schon nicht möglich ist, völlig an den Klischees vorbeizugehen, dann kann man vielleicht versuchen, durch sie hindurchzugehen, sie zu benutzen, um sie dann nach und nach aufzulösen, so dass etwas anderes sichtbar werden kann.“ Dies ist dem engagierten Filmemacher gelungen.
Seine ruhigen Bilder sind sorgsam kadriert. Die langen Einstellungen zeigen Totalen, in denen das Bild oft durch Wände blockiert ist – das könnte für die Unfreiheit des Milieus stehen, vielleicht. Die Dialoge wirken ausgesprochen steif. Wahrscheinlich soll dies ein Kunstgriff sein, um die Realität zu verfremden, doch leider erinnern die Schauspieler dadurch eher an schlechtes Vorabendprogramm. Bisweilen platzen jedoch Schauspieler - wie Birol Ünel als Zivildrogenfahnder - ins Geschehen, die durch ihr natürliches Auftreten das theatralisch-hölzerne Spiel der anderen erst recht kontrastieren – seltsame Momente.
Arslans großes Vorbild ist der minimalistische Filmkünstler Robert Bresson, seine Produktionsfirma hat er nach einem seiner Filme „Pickpocket“ genannt. Bresson legte ebenfalls seinen Schwerpunkt auf extrem schöne Bilder, und er erzählte Geschichten aus dem Kleinkriminellenmilieu – doch bei ihm gibt es keine nervigen Dialoge.
Nana A.T. Rebhan
- Dealer
Kamera: Michael Wiesweg
Buch: Thomas Arslan
Regie: Thomas Arslan
Produktion: Käte Ehrmann / Trans Film - D 1998
Darsteller: Tamer Yigit, Idil Üner, Birol Ünel, Hussi Kutluca, Lea Stefanel, Baki Davrak, Ramazan Coskun, Bilge Bingül
DVD, 80 Minuten, Farbe






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Der Alltag eines Dealers
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