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Hommage an Philippe Noiret - 02/08/07

"Das große Fressen"

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125 Min.
(La grande bouffe)
Spielfilm, Frankreich / Italien 1973, ARTE F,
Synchronfassung
Regie: Marco Ferreri; Buch: Azcona Raphael, Francis Blanche; Kamera: Mario Vulpiani; Schnitt: Claudine Merlin, Gina Pignier; Musik: Philippe Sarde; Produzent: Vincent Malle;
Produktion: Mara Films, Films 66, CPC
Mit: Marcello Mastroianni - (Marcello), Michel Piccoli - (Michel), Philippe Noiret - (Philippe), Ugo Tognazzi - (Ugo), Andréa Ferréol - (Andrea), Florence Giorgetti - (Anne), Monique Chaumette - (Madeleine), Solange Blondeau - (Danielle), Michèle Alexandre - (Nicole)


Vier Männer mittleren Alters verabschieden sich aus ihrem bürgerlichen Leben: der Pilot Marcello, der Koch Ugo, der Fernsehredakteur Michel und der Richter Philippe. Sie treffen sich an einem Wochenende in einer alten Villa, die Philippes Vater vor etlichen Jahren gekauft hat. Die Villa - mit ansprechendem Interieur - ist geräumig, gemütlich und liegt relativ abgelegen in einem Außenbezirk von Paris. Dort wollen die lebensmüden Männer ihre eigene Selbstzerstörung durch eine Überdosis Sex und Essen zelebrieren.
Das Personal wird fortgeschickt, drei Freudenmädchen dienen dem Lustgewinn. Die Lehrerin Andréa stößt hinzu und wird zum einzigen Dauergast. Bald schon steigert sich die endlose Zubereitung kulinarischer Köstlichkeiten zum widerwärtigen großen Fressen. Andréa gibt sich sowohl den vier Herren als auch der gnadenlosen Völlerei willig hin. Ab sofort heißt es: Wer stirbt zuerst?

Zusatzinfo

Eine Mixtur des Ekels: Tierkadaver, Fressorgien, derbe Sprüche, überquellende Fäkalien und junge, nackte, dralle Frauen, die lüsterne, alternde Männer sexuell bedienen. Regisseur Marco Ferreri will - wie so oft - schockieren und schreckt in "Das große Fressen" vor keiner Geschmacklosigkeit zurück. Widerliche Details werden gnadenlos präsentiert. Und doch ist der Film vor allem als allegorische Provokation zu verstehen. Zentrale Themen sind der Zerfall der Zivilisation, der Abgesang auf die Bourgeoisie und die zerstörerische Beziehung von Mann und Frau in der modernen Gesellschaft. Der lustvolle Suizid erscheint als einzige Alternative, um dem drohenden Verderben zu entkommen. So gesehen ist "Das große Fressen" trotz seiner unappetitlichen Geschichte eine groteske schwarze Komödie.
Ferreri wählt für seinen Film ein hochkarätiges Darsteller-Quartett, das um die damals neu entdeckte Andréa Ferréol kongenial bereichert wird. 1973 erhält der Film auf dem Festival von Cannes den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik.
Marco Ferreri (1928 - 1997) realisiert in Spanien seine ersten Filme, die bereits einen Hang zum Satirisch-Grotesken erkennen lassen: Aus realistischen Ausgangssituationen wird das Surreale oder Absurde hergeleitet. Schonungslos inszenierte Tabubrüche um Themen wie alkoholische und sexuelle Exzesse, Kastration, Kannibalismus, Päderastie und Suizid bringen dem Filmemacher den Ruf eines Provokateurs ein. Ferreri kreist in nahezu all seinen Filmen um die Abgründe der modernen Gesellschaft und das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Die Topoi Sex und Essen durchziehen sein gesamtes Werk. Sein Film "Affentraum" (1978) wird mit dem Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. Außerdem erhält Marco Ferreri insgesamt drei Goldene Bären im Rahmen der Internationalen Filmfestival von Berlin: 1980 für "Mein Asyl" (1979), 1991 für "Das Haus der Freuden" (1988) und 1993 für "Diario di un vizio".

"Das große Fressen" ist der erste Teil einer Hommage an den Schauspieler Philippe Noiret, der in diesem Film in einer seiner prägnantesten Rollen, als lebensmüder Richter Philippe zu sehen ist. Der 1930 in Lille geborene Noiret gehört zu den beliebtesten Schauspielern Frankreichs. Nach einer Karriere am Theater wirkt er unter der Regie renommierter internationaler Regisseure in weit über hundert Kino- und Fernsehfilmen an der Seite nahezu aller französischen Schauspieler von Rang und Namen mit. Bekannt wird Noiret 1968 mit der Hauptrolle in Yves Roberts Film "Alexandre der Lebenskünstler", in dem die Leistungsfixierung der Gesellschaft in Frage gestellt wird. Bewundert für seine große schauspielerische Wandlungsfähigkeit, spielt er Charakterrollen - nicht selten mit ironischem Bruch. Hervorgerufen unter anderem durch die Spannung zwischen einem gutmütigen, weichen Habitus und brüskierenden, teils zynischen Äußerungen. Ein Paradebeispiel hierfür ist seine Darstellung des populären Showmasters und vermeintlichen Wohltäters Christian Legagneur im Kriminalfilm "Masken" aus dem Jahre 1987 von Claude Chabrol. In der Öffentlichkeit pflegt Noiret gern das Image des eleganten Dandys und humorvollen Bonvivants mit Hut, weißem Anzug und Zigarre. Der französische Leinwandstar stirbt im November 2006 nach einer langen Krebserkrankung in Paris.


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Hommage an Philippe Noiret:

"Das große Fressen"
Donnerstag, 12/07/2007 à 20:45
Montag, 23/07/2007 00:30:18
"Der Uhrmacher von St. Paul"
Donnerstag, 19/07/2007 à 20:45
Freitag, 20/07/2007 à 03:00
Montag, 30/07/2007 à 00:30
"Wenn das Fest beginnt..."
Donnerstag, 26/07/2007 à 20:45:00
Freitag, 27/07/2007 à 03:00:00
Montag, 30/07/2007 à 14:56:00
Montag, 06/08/2007 à 00:19
"Der Saustall"
Donnerstag, 02/08/2007 à 20:45
Montag, 13/08/2007 à 23:55
Mardi 21/08/2007 à 14:45

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Erstellt: 09-07-07
Letzte Änderung: 02-08-07