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Kino auf ARTE - 10/04/12

Das geheime Leben der Worte

(The Secret Life of Words)
Spielfilm, Spanien, Irland, 2005, ARD, 110 Min.
Regie: Isabel Coixet, Drehbuch: Isabel Coixet, Kamera: Jean-Claude Larrieu, Produktion: El Deseo D.A.S.L.U., Media Pro, Produzent: Esther Garcia, Pedro Almodóvar, Agustin Almodóvar
Mit: Sarah Polley (Hanna), Tim Robbins (Josef), Julie Christie (Inge), Javier Cámara (Simon), Sverre Anker Ousdal (Dimitri), Danny Cunningham (Scott), Steven Mackintosh (Dr. Sulitzer)


Hanna, eine nach einem Trauma in sich gekehrte, schweigsame junge Frau, heuert auf einer Ölbohrinsel an, um einen verletzten Arbeiter zu pflegen. Josef hat bei einer Explosion schwerste Verbrennungen erlitten und ist vorübergehend erblindet. Während er das Gespräch mit Hanna sucht, bringt sie kaum ein Wort über die Lippen. Und doch entwickelt sich eine große Nähe zwischen den Beiden, die es ihnen möglich macht, von ihren inneren Verletzungen zu erzählen und wieder an die heilende Kraft der Liebe zu glauben.



Ein Hörgerät kann hilfreich sein: Will man seine Ruhe haben, schaltet man es einfach ab. So hält es die schwerhörige Fabrikarbeiterin Hanna, die in selbst gewählter Isolation dahinlebt. Ihr Chef verordnet Hanna, die seit vier Jahren keinen freien Tag genommen hat, schließlich Zwangsurlaub.
Hanna ist verunsichert, sie weiß nicht, was sie mit der freien Zeit anfangen soll. Durch Zufall bekommt sie in einem Restaurant mit, wie jemand händeringend nach einer Krankenschwester für eine Bohrinsel im Atlantik sucht. Hanna hat als Pflegerin gearbeitet und nimmt den Job dankbar an.
Auf der Bohrplattform, die nach dem verheerenden Unfall bald aufgegeben werden soll, leben noch eine Handvoll einsamer Männer und eine Gans. Hannas Patient Josef, der bei einem Unfall schwere Brandwunden erlitten hat, ist vorübergehend blind; der Einzelgängerin Hanna ist das nur Recht. Doch je mehr sie schweigt, umso beharrlicher versucht Josef mit ihr, der Stimme mit dem fremden Akzent, zu plaudern und zu flirten. Doch Hanna wahrt ihr Geheimnis so lange, bis er selbst seine seelischen Verletzungen entblößt. Zögernd berichtet sie von jenem traumatischen Erlebnis, das ihr Leben zerstört hat ...

Regisseurin Isabel Coixet, die mit "Mein Leben ohne mich" ein packendes Melodram über eine Todgeweihte drehte, hat auch dieses mehrfach preisgekrönte, sensible Drama auf die Kanadierin Sarah Polley, einen stillen Star des Arthouse-Kinos, zugeschnitten: Hinter Hannas Augen lauern so viel Trauer, Angst und Wut, dass ihre Hoffnung auf einen Lichtblick im Keim erstickt. Coixet nähert sich der Enthüllung und dem eigentlichen Thema des Films auf Umwegen - anhand einer feinfühligen Liebesgeschichte und kleinen Ereignissen, die Hanna dazu bringen, ihren Schutzpanzer abzulegen und sich Josef zu offenbaren. Mit ihrer Beichte ändert sich der humorvoll-lakonische Tonfall des Films und lässt Hannas verbissenen Rückzug in sich selbst als starken Überlebenswillen erscheinen. Zugleich weitet sich das intime Drama zu einem Diskurs über die unfassbaren Gräueltaten des jüngsten Balkan-Krieges aus. "Das geheime Leben der Worte" gewann bei den Goya Awards 2006 in Madrid vier Preise in den Kategorien: "Beste Regie", "Bester Film", "Bestes Original-Drehbuch" und "Beste Produktion".

Das geheime Leben der Worte
Donnerstag 19. April 2012 um 02.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Spanien, Irland, 2005, 110mn)
ARD

Erstellt: 10-04-12
Letzte Änderung: 10-04-12