20/03/02
Das Werk
William Turner – Maler zwischen Tradition und Moderne
Einführung von Manfred Fath, Direktor der städtischen Kunsthalle in Mannheim
Das Werk J.M.W. Turners nimmt in der Geschichte der Malerei eine Sonderstellung ein. Ein Vergleich früher Werke mit den späten Arbeiten zeigt eine grundlegende Veränderung seiner künstlerischen Auffassung. Ordneten sie sich zu Beginn ganz in die malerische Tradition und Konvention der Zeit ein, sind sie später von einer innovativen Kraft, deren Tragweite und Bedeutung lange Zeit nicht erkannt worden sind. In Turners Person und in seinem Werk manifestiert sich beispielhaft der Bruch zwischen Tradition und Moderne, der eine Reihe von Künstlern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts charakterisiert. William Turner gilt wegen des außergewöhnlichen Kolorits und der visionären Kraft seiner späteren Arbeiten heute allgemein als der bedeutendste englische Maler und als einer der genialsten Künstler der Romantik. Seine Gemälde, die von der zeitgenössischen Kritik häufig abgelehnt wurden, haben bis heute nichts von ihrer Faszination und ihrer großen Anziehungskraft auf das Publikum verloren.
„Kein Maler hat je mit der gleichen Subtilität oder größerer Genauigkeit die unendlich feinen Abstufungen der Naturerscheinungen dargestellt, Felsen, Wolken, „Nebel und Dunstgebilde“, den Glanz der Morgenröte und des Sonnenuntergangs und die Glut des Mittags, die Schneegipfel der Alpen oder den Dunst über den Kanälen Venedigs, Frost und Nebel oder die Schrecken der Meereswogen. Kein Maler besaß je ein offeneres Auge oder ein getreueres Gedächtnis, niemand konnte schneller seine flüchtige Schau der körperlichen Welt in die „wolkengekrönten Türme und prächtigen Paläste“ der Phantasie bannen.“(Isaacs, J., Einleitung, in Kat.: Turner, 1775-1851, Aquarelle, Wanderausstellung des Britisch Council, 0.O. 1950, S. 101)
Zitiert aus: Manfred Faths Vorwort zu dem Katalog "Turner in Deutschland", Prestel Verlag, München 1995
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Erstellt: 10-06-05
Letzte Änderung: 20-03-02