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Interview Margaret Nakato Lubyayi

„Ich würde mir wünschen, dass der Film die Menschen dazu bewegt sich zu engagieren.“

Margaret Nakato Lubyayi ist als Koordinatorin für einen Frauenverein in Katosi, am ugandischen Ufer des Victoria-Sees, tätig. Im September 2005 organisierte sie eine Vorführung des Films „Darwins Alptraum“. Sie schildert die Reaktionen der Zuschauer aus Katosi und vergleicht die Situation in Katosi mit der in Mwanza.

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  • Wie haben die Menschen aus Katosi (1) auf den Film „Darwins Alptraum“ reagiert?
Unterschiedlich. Als sie ihre Lage mit der der Bewohner von Mwanza verglichen, stellten sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten fest. Manche fanden, dass Mwanza schmutziger ist als Katosi; andere bedauerten, dass der Dreck anscheinend das Los aller Orte ist, an denen es Fischerei gibt. Sie waren der Meinung, dass Prostitution, Aids und Armut nicht nur Katosi betreffen, sondern weltweite Probleme sind. Die Ursachen für Prostitution und Aids sahen sie in der Armut, in der Arbeit der Fischer, die weit entfernt von ihren Familien leben, und im Fehlen medizinischer Versorgung. Katosi ist keine große Stadt wie Mwanza, und es gibt weniger Straßenkinder. Aber die Lebensbedingungen der Kinder insgesamt sind sehr schlecht. Ein Problem für beide Ortschaften ist die Abnahme der Fischgründe. Die Einwohner von Katosi befürchten, dass die Bestände noch weiter zurückgehen werden, denn weil viele Fische vor der Geschlechtsreife gefangen werden. Entsetzt waren die Menschen über die Verbindung zwischen Waffenhandel und Fischfang.
 
  • Ist die Lage in Katosi mit der in Mwanza vergleichbar?
Katosi und Mwanza sind sehr weit voneinander entfernt und haben keine direkten Kontakte. Aber sie weisen Ähnlichkeiten auf, denn der industrielle Fischfang zieht die gleichen Folgen nach sich. In Uganda sind die meisten Menschen, die von der Fischerei leben, arm, während es einer geringen Minderheit sehr gut geht. Die Bevölkerung hat immer größere Schwierigkeiten, sich den Fisch zu besorgen, den sie zum eigenen Verzehr braucht, denn alles geht in den Export. Außerdem ist sein Preis in die Höhe geschnellt, seit er auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Weitere Gründe für die Verschlechterung der Lage sind der Rückgang der Fischbestände (die täglichen Fangmengen werden immer geringer) und die schrumpfenden Gewinnspannen der Fischer. Denn der Preis wird von den Verarbeitungsfabriken festgelegt. Und denen ist es egal, ob die Fischer davon einigermaßen leben können oder nicht. Der See kann heute nicht mehr alle ernähren, die bisher vom Fischfang lebten. Darüber hinaus geht aus einer kürzlich in Uganda durchgeführten Untersuchung hervor, dass die Anzahl der HIV-Infizierten zwar landesweit auf 6,5 % zurückgegangen ist, dass jedoch ihr Anteil unter den vom Fischfang lebenden Ugandern doppelt so hoch ist.
 
  • Worin besteht die Arbeit der Katosi Womens’ Fishing and Development Association (KWFDA)?
Im Jahr 2004 zählte der Verein KWFDA 200 Frauen. Diese wurden dabei unterstützt, in Gruppen zusammen zu arbeiten, damit sie eine bessere Kontrolle über ihre Existenzmittel haben. Der Verein half Frauen, eine andere Tätigkeit zu finden, als sie die traditionelle, für den lokalen und regionalen Verbrauch bestimmte Fischräucherei aufgeben mussten, die durch den Fang von Frischfischen für den Export abgelöst wurde. Mit den Einkünften aus dem Fischfang konnten sie sich Boote kaufen. Doch der Lichtblick war nur von kurzer Dauer. 1999 wurde der Fischfang im Victoria-See mit einem Embargo belegt, und die Menschen in Katosi waren die Hände gebunden. Seither versucht KWFDA die Arbeit der Frauen zu diversifizieren. Wir unterstützen sie dabei, sich der Tierzucht zuzuwenden, andere Produktionsformen zu erlernen und Kredite zu beantragen. Und wir versuchen, die Probleme der Dorfgemeinschaft insgesamt in Angriff zu nehmen: Zugang zu Trinkwasser, Umweltschutz usw. Wir unterstützen das Anpflanzen von Bäumen – insbesondere von Obstbäumen -, die Nutzung lokaler Ressourcen und generell nachhaltige Landwirtschaft.
 
  • Denken Sie, dass „Darwins Alptraum“ zu einer Veränderung der Lage beitragen kann?
Der Film beleuchtet ganz wesentliche Gesichtspunkte, und ich hoffe, dass er die Diskussion in Gang bringt. Armut und Aids, die Verteilung der Gewinne aus dem Fischhandel, der Rückgang der Fischbestände - diesen Fragen müssen sich alle Beteiligten stellen. Ich würde mir wünschen, dass der Film die Menschen dazu bewegt sich zu engagieren, und dass sie ihn sich nicht nur als Momentaufnahme der schlimmen Zustände in Afrika ansehen – wie so oft bei Dokumentationen, die die Probleme dieses Kontinents thematisieren.
 

(1) Katosi liegt am Nordufer des Victoria-Sees, 50 km östlich von Ugandas Hauptstadt Kampala. Vom Fischfang leben in Katosi und anderen Fischereiorten des Unterdistrikts Ntenjeru ca. zwanzigtausend Menschen.


Margaret Nakato Lubyayi für ARTE Magazine.

  • Margaret Nakato Lubyayi
Margaret Nakato Lubyayi lebte als junges Mädchen in Katosi und wurde schon in dieser Zeit auf die schwierigen Lebensbedingungen der Frauen aufmerksam: niedriges Bildungsniveau, geringes Einkommen, untergeordnete gesellschaftliche Stellung. Sie arbeitet seit 10 Jahren für den Verein KWFDA und ist heute dessen Vorsitzende. Außerdem ist sie Ko-Präsidentin des Internationalen Forums der Fischer und Fischereiarbeiter.
 
  • FPH und Katosi
Die schweizerische Stiftung Charles Léopold Mayer pour le progrès de l’homme (FPH) wurde 1982 gegründet und unterstützt langfristige Projekte auf allen Kontinenten. Sie arbeitet auch mit KWFDA zusammen und verbreitet einen von ihr geförderten 25-minütigen Film, der bei der Vorführung von „Darwins Alptraum“ in Katosi gedreht wurde.

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DARWINS ALPTRAUM
105 Min.
20:40
Dokumentarfilm,
Deutschland/Frankreich/Österreich 2004,
Originalfassung mit Untertiteln, WDR,
Erstausstrahlung
Regie: Hubert Sauper

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Erstellt: 21-04-06
Letzte Änderung: 24-04-06