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19/03/09

Daniel Johnston

Eine Reportage von David Pais


Er ist mindestens so verrückt, wie er Kult ist. Aber welcher Teufel reitet bloß Daniel Johnston?

  • Daniel Johnston im Interview

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Bonus Video - Daniel Johnston im Interview

Er ist ein amerikanischer Underground-Mythos. Daniel Johnston ist vielleicht manisch-depressiv, wie es ihm die Ärzte bescheinigen, aber mit seiner holprigen Musik, den Super 8-Kinderfilmen und seinen stieläugigen Comicfröschen hat er ein einzigartiges künstlerisches Universum geschaffen. Als Kurt Cobain 1992 den Hype anschiebt, weil er sein T-Shirt bei den MTV-Awards trägt, sitzt Johnston gerade in der Geschlossenen.

Der 1961 geborene Daniel ist das zapplige fünfte Kind einer christlich-fundamentalistischen Familie aus Virginia. Er ist 15, als er diesen Super-8-Film dreht: Persiflage seiner tyrannischen Mutter und Hommage an seine Comic-Helden, die ihn schon damals inspirieren. Daniel komponiert seine Lieder auf dem heimischen Klavier. Sein einziges Vorbild: Die Beatles. Je mehr er komponiert, desto mehr kapselt er sich ab. Sein Kunststudium in Austin, Texas, bricht er ab, um sich ganz seinen Tapes zu widmen, die er überall verteilt. Ziel seiner Mühen ist es, seine Kommilitonin Laurie zu beeindrucken, in die er hoffnungslos verknallt ist. Doch sie heiratet einen Bestattungsunternehmer. Sie kommt in fast der Hälfte seiner Lieder vor. 1985 passiert das Unglaubliche.

1985 dreht MTV eine Reportage über die Musikszene von Austin. Daniel drückt sich solange beim Filmteam rum, bis er irgendwann auf der Bühne landet. Ein Aufttritt, der ihn auf einen Schlag zum Lokalhelden macht. Die texanische Presse widmet sich daraufhin dem Phänomen Johnston, das tagsüber im Schnellimbiss Tische abräumt und nachts durch die Clubs tingelt.
Die alternative Rock-Szene von Austin nimmt ihn unter ihre Fittiche, allen voran die Butthole Surfers. Und Johnston gibt Vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste. Für seine Kollegen ist er einfach ein kauziger Künstler, doch Johnston gerät immer tiefer in die manische Depression. Als er 1986 zum ersten Mal Acid nimmt, gleitet er endgültig in den Wahnsin ab. Nachdem er seinen Manager mit einer Eisenstange verprügelt hat, lebt Johnston zurückgezogen und von Psychopharmaka umnebelt.

Sein Zustand scheint sich zu bessern, und Sonic Youth bieten Johnston an, in New York ein echtes Album aufzunehmen, in einem echten Studio, mit echten Musikern. Leider erweist sich der schräge Texaner als unkontrollierbar. Johnston wird festgenommen, weil er die Freiheitsstatue getagt hat und führt bei Auftritten seinen persönlichen Kreuzzug gegen den Teufel.
Als Sonic Youth ihn nach Hause schicken, übernimmt Jad Fair von Half Japanese, der Lo-Fi-Ikone aus Austin. Doch der Absturz lässt nicht lange auf sich warten. Nach einer Probe bricht Johnston bricht bei einer vermeintlich teuflischen alten Dame ein, die vor Angst aus dem Fenster springt und sich beide Beine bricht. Auch die Rückkehr in den Schoß der Familie bringt keinen Frieden: Bei einem Flug mit seinem Vater hält sich Daniel für Casper und zieht kurzerhand den Zündschlüssel. Den Großteil der 90er verbringt er in der Psychiatrie, hört aber nie auf, zu komponieren und zu zeichnen.

Daniel Johnston: "Es gab viele Rückschläge und jede Menge Ärger. Aber ich mache nichts lieber, als Songs zu schreiben. Damit verdiene ich mein Geld, ich habe sogar ein eigenes Zuhause. Ich will nur schreiben und ein besserer Songwriter werden. Und ich hoffe, ich lande eines Tage seinen Hit. "

Links


Alben

"Lost and Found" von Daniel Johnston
bei Coppertree Records

"Fear Yourself" von Daniel Johnston
bei Coppertree Records


Dokumentarfilm

"The Devil and Daniel Johnston"
von Jeff Feuerzeig - DVD Sony Pictures 2006


Video - Ausschnitte des Dokumentarfilms







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Samstag 14. März 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 12-03-09
Letzte Änderung: 19-03-09