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DVD-News - 27/08/05

Pauline am Strand

Ein Film von Eric Rohmer


Wer zuviel redet
verliert sich selbst.

Externe Links

  • Synopsis

Die 15-jährige Pauline (Amanda Langlet) fährt mit ihrer älteren Cousine Marion (Arielle Dombasie) an die französische Atlantikküste. Schnell werden die beiden ungleichen Mädchen zum Anziehungspunkt für Männer. Während Pauline sich gerne zum ersten Mal verlieben würde, versucht sich die grade geschiedene Marion erneut in Sachen Liebe.

  • Der Kommentar zum Film

Pauline am Strand ist wie ein Konzentrat eines französischen Liebesfilms. Es wird wortwitzig und –gewaltig viel geredet und das – permanent über die Liebe. „Ich will voll und ganz entflammt sein vor Liebe“ schwärmt die ein wenig einfältig wirkende Marion. Kurz darauf sagt sie über Henri:„Er mag gefährlich sein, aber ich liebte schon immer die Gefahr.“ Henri betrügt sie mit der aufgetakelten Bonbonverkäuferin des Ortes. Weil Marion ihn dabei fast in flagranti erwischt, schiebt er in machiavellistischer Manier die Schuld auf den jungen Mann, den Pauline ins Auge gefasst hat. Pierres Herz schlägt leidenschaftlich für Marion. Er kann es kaum erwarten, Henri Marion als Lügner zu präsentieren, auch weil Pauline und somit „ die Falsche weint.“ :

Pauline am Strand ist Teil Rohmers zweiter thematischer Filmsammlung zum Thema „Sprichwörter und Komödien.“ Das Sprichwort das seinem Film wie ein Motto voangestellt ist lautet: „Wer zuviel redet verliert sich selbst.“ Dies gilt bisweilen auch für den Film, der leider nur mit einer Mono-Tonspur ausgestattet ist, was das Zuhören manchmal etwas anstrengend werden lässt. Zu den Stärken Rohmers gehört es, dass er extrem präzise psychologische Mechanismen in Beziehungsstrukturen herauszuarbeiten vermag. Wie ein Detektiv beobachtet der Regisseur der einstigen Nouvelle-Vague-Bewegung den Alltag, um viele Details in seine Filme mit einzubauen. Durch die Vielfältigkeit seiner Charaktere gelingt es ihm, ein breites Spektrum zwischenmenschlicher Gefühle zu beschreiben. Bisweilen geht er dabei auch ganz schön schnell zur Sache: So landen Pauline und ihre gleichaltriger Verehrer nach nur wenigen Minuten im Haus von Henri. Dort tanzen sie gleich ganz eng – nur mit Bikini/Badehose bekleidet, um dann kurz drauf in Henris Bett zu wechseln ... ganz so rasch geht’s nicht, Herr Rohmer, denn schließlich ist Pauline 15 und war noch nie verliebt ...

Die ausgeglichene und ruhige Kamera des langjährigen Rohmer-Mitarbeiters Nestor Almendros fängt die Schönheit des Sommers an der Atlantikküste ebenso wie die dialogreichen Begegnungen der Protagonisten ein. 1983 gewann der Filmemacher für Pauline am Strand den Silbernen Bären, den Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI und den der Französischen Filmkritik.


  • Das Bonusmaterial

Obwohl die Bonus Tracks zu Pauline am Strand recht bescheiden ausfallen, erfährt man im 20-minütigen Interview mit dem Regisseur Eric Rohmer doch jede Menge interessanter Hintergrundinformationen, etwa zur Entstehungsgeschichte des Films und zur Arbeitsweise eines der wichtigsten zeitgenössischen französischen Regisseure. So bezieht sich die Idee des Films auf ein Theaterstück, das wiederum auf dem Roman „Der Egoist“ von George Meredith beruht. Bereits Ende der 50er Jahre machte sich Rohmer diverse Notizen in ein Heft, wie er den Film angehen würde – sein Arbeitstitel dazu war damals „Ein süßer Fratz aus Porzellan.“ Es sollte mehr als zwanzig Jahre dauern, bis er schließlich den Film Pauline am Strand drehen sollte. „Der Dialog hat mich damals sehr beeinflusst,“ erinnert sich Rohmer - Das ist dem Film bei seiner extremen Dialoglastigkeit auch anzumerken.

Rohmer hält ein Foto der damals 14-jährigen Amanda Langlet in die Kamera. „Das ist ein sehr schönes Foto von ihr. Ich war nicht enttäuscht als ich sie sah.“ Der französische Regisseur gehört nicht zu den Menschen, die Tausende Mädchen für eine Hauptrolle vorsprechen lassen. Er sah ein Foto von Amanda Langlet, es gefiel ihm, er traf sie in einer Alltagssituation, besetzte sie und wurde nicht von ihr enttäuscht. Er ließ damals eine Testaufnahme von ihr und Pascal Gregory machen, die er stolz zeigt – Rohmer bewahrt alles auf.

„Sie ist natürlicher als der Film, aber nicht so ergreifend,“ kommentiert er die Szene. In dem angenehm ruhigen Interview, das Rohmer mit Jean Douchet für La Sept/Arte 1993 führte redet er auch über das Matisse Bild, das im Schlafzimmer Paulines hängt, und erklärt das visuelle Konzept seines Films: Blau und Weiß, klare Farben. Da sich das Team nicht traute, den Heizkörper der gemieteten Villa für den Film weiß zu streichen wurde er kurzerhand getarnt: mit einem Handtuch und einem Rettungsreifen. Dem Originalplakat, auf dem Pauline auf ihrem Bett mit dem Matisse Bild und getarnten Heizkörper zu sehen ist, verlieh genau dieses Ambiente einen unvergesslichen Charme. Die Biografie Rohmers gibt eine Übersicht über sein jahrzehntelanges Filmschaffen und seine Vergangenheit als Journalist. Der französische Originaltrailer und eine Trailershow mit immerhin zehn Titeln ergänzen die magere Bonus Track Ausstattung dieser DVD.

Nana A.T. Rebhan


  • Pauline am Strand
Originaltitel: Pauline à la plage
Label: Arthaus
Genre: Komödie
Produktionsjahr: 1982
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 12 Jahren
Lauflänge: ca. 91 Minuten

Darsteller
Amanda Langlet (Sommer, Die Jagd nach dem tanzenden Gott)
Arielle Dombasle (Die Frau vom Boss, Trau keinem Schurken)
Pascal Greggory (Die Bartholomäusnacht, Johanna von Orleans)
Féodor Atkine (High Heels, Semana Santa, Die Waffen einer Frau)

Stab
Regie: Eric Rohmer
Drehbuch: Eric Rohmer
Kamera: Nestor Almendros
Produktion: Margaret Ménégoz

Technische Angaben
DVD Bild: 1,66:1 (anamorph)
DVD Sprachen/Ton: Deutsch, Französisch (Mono Dolby Digital)
DVD Untertitel: Deutsch
DVD Extras: Interview mit Eric Rohmer, Biografie Eric Rohmer, Trailer

Erstellt: 26-08-05
Letzte Änderung: 27-08-05