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11/09/07

Clotilde Hesme

Fragen an die Schauspielerin Clotilde Hesme


Eine strahlende Schönheit im Wechselspiel von Licht und Schatten, eine Ikone, auf die schwarz-weiße Leinwand gebannt: So präsentiert sich Philippe Garrels neue Muse, die 26-jährige Clotilde Hesme, die die betörende, freiheitsliebende, schwer zu fassende und immer wieder entgleitende Lilie in „Unruhestifter“ spielt.

Wann sind Sie Philippe Garrel zum ersten Mal begegnet?
Ich war Studentin am Konservatorium für Schauspielkunst in Paris. Philippe leitete dort eine Gemeinschaftswerkstatt von Regisseuren der Pariser Filmhochschule FEMIS und Studenten des Konservatoriums. Wir drehten dort kleine Kurzfilme. Am Ende der Veranstaltung schlug mir Philippe vor, mir die Rolle der Lilie anzuschauen, um zu sehen, ob mir das gefallen würde.

Was für einen Eindruck hatten Sie beim Lesen des Drehbuchs, und wie haben Sie an der Rolle gearbeitet?
Das Drehbuch war keines im üblichen Sinne. Es fehlten beispielsweise die Angaben „Tag/Nacht“. Der Stil war sehr poetisch und sparsam, ein sehr schöner Text. Ein Jahr lang haben sich die Darsteller jede Woche getroffen. Philippe hatte uns gebeten, über Sexualität und Politik zu reden. Er hielt unsere Formulierungen und Satzstrukturen fest. Wir kamen fast alle vom Theater, und selbst im Theater hat man immer weniger Zeit, so zu proben. Das war der absolute Luxus!

Was für Erinnerungen haben Sie an die Dreharbeiten?
Die Barrikadenszene am Anfang des Films ist mir deutlich in Erinnerung. Wir waren auf der Startbahn eines stillgelegten Flugplatzes. Das Dekor waren umgestürzte, brennende Autos. Es war kalt und regnerisch. Uns gegenüber standen zweihundert bewaffnete Polizisten. Dieses Heer an Uniformierten, da wurde einem plötzlich ganz anders, auch wenn die im Übrigen sehr nett waren.

Wie haben Sie sich der Rolle der Lilie genähert?
Die Figur war nicht klar umrissen. Deshalb habe ich einfach mit vollem Einsatz gespielt. Ich habe nicht versucht, mein Gesicht und meine Stimme unter Kontrolle zu halten. Philippe hat uns immer wieder eingetrichtert: „Ihr steht nicht auf der Bühne!“ Wenn er das Gefühl hatte, dass Louis (1) und ich nicht mehr richtig gefordert waren und anfingen, spitzfindig zu werden, hörte er auf zu filmen.

Hatten Sie das Gefühl, dass Sie und Louis Garrel ein leidenschaftliches Liebespaar spielten?
Ich dachte, dass das Publikum uns das niemals abnehmen würde. Wir waren heilfroh, dass wir keine Aktszene drehen mussten, denn wir hätten uns nicht wohl dabei gefühlt, zumal Louis von seinem Vater gefilmt wurde. Im Übrigen hatte mir Philippe von Anfang an klipp und klar gesagt: „Du spielst Louis’ Verlobte, aber ihr werdet euch nie berühren.” Ich dachte also, dass wir eher eine freundschaftliche Liebesbeziehung spielen würden, wo man sich manchmal mit den Händen berührt oder einander einen Kuss auf die Wange gibt. Aber Philippe wusste genau, was er tat.

Finden Sie jetzt im Nachhinein, dass sich die Figuren vor allem durch ihre Jugend auszeichnen?
Wenn man den Film sieht, spürt man, wie die Zeit vergeht. Ich meine nicht die Dauer des Films, sondern das Leben der Figuren. Beim Dreh sagte Philippe immer: „Lasst die Sekunden verstreichen. Ich filme eure Seele.” oder: „Ich mache einen Dokumentarfilm über eure Zwanziger” Und meine Zwanziger, die stecken in dem Film.

Das Gespräch führte Donald James.

(1) Louis Garrel, Sohn von Philippe Garrel. Er spielt Lilies Geliebten François.

Erstellt: 24-10-05
Letzte Änderung: 11-09-07