Die „Festa de Cinema di Roma“ zeigte sich von der internationalen Wirtschaftkrise ebenso unbeeindruckt wie von den zweieinhalb Millionen Menschen, die dem Aufruf Walter Veltronis folgten, um im Circus Massimo (der dem Festivalpalast gegenüber liegt) gegen die Politik Berlusconis zu demonstrieren, und wagt sich mutig an ein mit überbordenden Ideen und guten Absichten gespicktes Programm, selbst wenn sie sich zuweilen kompromisslos am selbst geschaffenen, schwer verdaulichen Patchwork zu übernehmen droht.
Ein Ereignis zeigt in besonderem Maße die neue Richtung an: die Jury aus hundert Römern, denen in den vorangegangen Jahren die Ehre zufiel, unter den gezeigten Beiträgen die besten Filme zu prämieren, wurde abgeschafft. Stattdessen befanden sich überall im Auditorium Abstimmungscomputer, über die das Publikum selbst entscheiden konnte, welchen Film es für würdig befand, die 75.000 Euro Preisgeld zu kassieren. Zugleich beriefen die fünf (!) Festivalleiter und ihr Präsident Gian Luigi Rondi eine fünfköpfige Expertenjury, um den zur Krönung des Festivals neu geschaffen, mit 75.000 Euro dotierten Goldenen Marc-Aurel-Preis für den besten Film zu vergeben und die beste Schauspielerin sowie den besten Schauspieler mit dem Silbernen Marc-Aurel-Preis auszuzeichnen. Auch wenn ihre Aufgabe den auserkorenen Jurymitgliedern - Edoardo Bruno, Emmanuel Levy, Tahar Ben Jelloun, Roman Gutek und dem allgegenwärtigen Michel Ciment – kaum Kopfschmerzen verursacht haben dürfte, so hatten sie doch genug damit zu tun, 21 Wettbewerbsbeiträge zu sichten – so viele waren es in diesem Jahr - und daraus den Gewinner zu ermitteln.
Wie üblich hatte das Festival auch in diesem Jahr viel Spektakuläres zu bieten: Al Pacino war nach Rom gekommen, um den Goldenen Marc-Aurel-Preis für seine Karriere entgegen zu nehmen, David Cronenberg zur Eröffnung seiner Fotoausstellung „Chromosomes“, die Bilder aus seinen Filmen zeigt, und Michael Cimino und Olivier Assayas hielten Vorträge über Kinokunst. Unvergessen bleibt der Ansturm der Autogrammjäger auf Olivier Assayas im Anschluss an seine pointierte Rede mit Zitaten aus Isidore Isous Film "Traité de bave et d'éternité". Die Festa di Cinema di Roma war wieder einmal ein Ereignis der Kontraste.
Olivier Bombarda
„8/Huit/Eight“
Was passiert im italienischen Film?
„Un Barrage contre le Pacifique“
Die Preisträger 2008





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