Von Dr. Markus Pöhlmann
Aus: Damals, Magazin für Geschichte und Kultur, 5/2004, S.28 ff
1914
28. Juni 1914
In Sarajevo werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau von serbischen Nationalisten ermordet. Im Verlauf der folgenden Wochen („Juli-Krise“) verschärft sich der regionale Konflikt zur europäischen Krise.
28. Juli 1914
Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Es folgen die Erklärungen Deutschlands an Rußland (1. August) und an Frankreich (3. August). Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien tritt Großbritannien dem Krieg auf seiten der russisch-französischen Entente bei (4. August). Im Verlauf des Weltkrieges bleiben nur 17 Staaten auf Dauer neutral, darunter die Niederlande, Spanien, Mexiko und die Schweiz. Insgesamt werden zwischen 1914 und 1918 bei allen kriegführenden Staaten etwa 70 Millionen Männer mobil gemacht.
12. September 1914
Das Gros der deutschen Armeen stößt über Belgien nach Nordfrankreich vor. Am 12. September findet die Offensive in der Schlacht an der Marne ihr Ende. Bis Anfang November verlagern sich die Kämpfe bis an die Kanalküste. Die Armeen gehen zum Stellungskrieg über.
29. Oktober 1914
Das Osmanische Reich tritt auf seiten der Mittelmächte in den Krieg ein. Bis zum Eintritt des Winters liefern sich Österreicher und Russen schwere Kämpfe in Galizien.
1915
22. Februar 1915
Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges der deutschen Kriegsmarine. Diese Maßnahme provoziert die Gegnerschaft der neutralen USA, die hierdurch ihre Schiffahrt bedroht sehen.
25. April 1915
Beginn eines britisch-französischen Landungsunternehmens in Kleinasien (Halbinsel Gallipoli), das bis August unter Verlust von 180000 Mann scheitert.
2. Mai 1915
Durchbruch deutscher und k. u. k. Truppen bei Gorlice, wodurch die Russen zum Rückzug aus Galizien gezwungen werden.
9. Mai 1915
Beginn der französischen Frühjahrsoffensive im Artois. Wie alle weiteren Angriffe des Jahres scheitert diese jedoch an der Überlegenheit der Verteidigung im Stellungskrieg (nicht zuletzt durch den Einsatz des Maschinengewehrs).
23. Mai 1915
Italien, bislang (neutrales) Mitglied des Dreibundes, erklärt nach langem
diplomatischem Ringen Österreich-Ungarn den Krieg. Beginn des Krieges in den Alpen. Bis Ende 1917 folgen elf italienische Offensiven am Isonzo mit Richtung auf Kärnten und Slowenien. Anfang Juli 1915
Beginn des deutschen Angriffs auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führt.
22. September 1915
Beginn der französischen Herbstoffensive in der Champagne und im Artois.
6. Oktober 1915
Deutsch-österreichischer Angriff auf Serbien. Bis November ist das Land besetzt und besiegt.
1916
27. Januar 1916
Im Vereinigten Königreich wird die allgemeine Wehrpflicht eingeführt (das politisch unruhige Irland bleibt davon ausgenommen).
21. Februar 1916
Beginn des deutschen Angriffs auf die Festung Verdun (bis Juni). Die Schlacht wird zum Inbegriff des Materialkrieges an der Westfront und fordert auf beiden Seiten rund eine halbe Million Tote und Verwundete.
31. Mai 1916
Seeschlacht am Skagerrak, die einzige große Seeschlacht des Weltkrieges (bis 1. Juni).
4. Juni 1916
An der Ostfront (Wolhynien) beginnt die russische Brussilow-Offensive.
1. Juli 1916
In Frankreich beginnt nach einer Woche Trommelfeuer an der Somme der Angriff britischer und französischer Truppen gegen die deutsche Front. Die Angriffe halten bis November an und fordern über 620000 Mann Verluste auf seiten der Entente, fast 500000 auf deutscher Seite. Im Verlauf dieser größten Schlacht des Weltkrieges kommt es erstmals zum Einsatz von Panzerkampfwagen (Tanks).
17. August 1916
Rumänien tritt der Entente bei und wird bis Dezember von den Mittelmächten erobert.
1. November 1916
Errichtung des Kriegsamtes zur Zentralisierung aller kriegswirtschaftlichen Maßnahmen im Deutschen Reich. Die sich verschlechternde Ernährungssituation mündet in den „Steckrübenwinter“ 1916/17.
5. November 1916
Proklamation eines Königreichs Polen durch die Mittelmächte. Die hierdurch erhoffte Unterstützung im Kampf gegen Rußland bleibt allerdings aus.
12. Dezember 1916
Friedensangebot der Mittelmächte an den US-Präsidenten Woodrow Wilson. Die Reaktion der Entente ist ablehnend.
1917
8. März 1917 In Rußland bricht die Revolution aus, Zar Nikolaus dankt ab. Eine Provisorische Regierung (Kerenski) wird gebildet. Diese ist entschlossen, den Krieg weiterzuführen.
6. April 1917 Nachdem das Deutsche Reich am 1. Februar den zwischenzeitlich abgebrochenen uneingeschränkten U-Boot-Krieg wiederaufgenommen hatte, erklären die USA Deutschland den Krieg.
7. April 1917
In seiner „Osterbotschaft“ kündigt Kaiser Wilhelm II. Wahlrechtsreformen für die Zeit nach dem Krieg an.
11. April 1917
Als revolutionäre und kriegsgegnerische Abspaltung von der SPD gründet sich in Gotha die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). Im Reich gewinnen die Proteste gegen den Krieg an politischem Charakter.
16. April 1917
Französische Offensive am Chemin des Dames (Nivelle-Offensive), die nach ihrem Zusammenbruch zu Meutereien in der französischen Armee führt.
7. Juni 1917
Beginn der britischen Angriffe in Flandern, die bis November andauern.
6. Juli 1917
Bildung des Interfraktionellen Ausschusses im Reichstag, der den Beginn der Parlamentarisierung darstellt.
Am 14. Juli tritt Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg zurück.
1. August 1917Friedensnote Papst Benedikts XV., der den Krieg schon zuvor als „unnötiges Massaker“ bezeichnet hat. Sein diplomatischer Vorstoß stößt jedoch bei allen Kriegsbeteiligten auf Ablehnung.
24. Oktober 1917
Ein Durchbruch deutscher und österreichischer Truppen am Isonzo (Caporetto) bringt Italien an den Rand der Niederlage.
7. November 1917
In Rußland bricht die Oktober-Revolution aus. Die Bolschewiki treten mit den Mittelmächten in Waffenstillstandsverhandlungen.
1918
8. Januar 1918
Präsident Wilson präsentiert mit „Vierzehn Punkten“ die Friedensbedingungen der USA. Im selben Monat kommt es in Österreich-Ungarn und Deutschland zu Streiks und Demonstrationen.
3. März 1918
Die Bolschewiki unterzeichnen den Frieden von Brest-Litowsk. Die Mittelmächte gewinnen hierdurch Territorium im Osten und militärische Handlungsfreiheit im Westen.
21. März 1918
Beginn der deutschen Frühjahrsoffensive in Frankreich. Die Angriffe werden bis Juli fortgesetzt, bringen aber nicht den erhofften Erfolg.
Ende Juni 1918
Am Piave scheitert die letzte Offensive der Habsburger-Monarchie gegen Italien, das nun seinerseits zum Angriff antritt.
29. September 1918
Die deutsche Oberste Heeresleitung fordert die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen. Nach dem Antritt Max von Badens als Reichskanzler am 3. Oktober entsteht erstmals im Kaiserreich eine Regierung auf parlamentarischer Basis.
28. Oktober 1918
Ausrufung der Republik Tschechoslowakei. In allen Teilen der Donaumonarchie kommt es zu politischen Unruhen.
29. Oktober 1918
Teile der deutschen Hochseeflotte verweigern den Befehl zum Auslaufen. Über die Marinestandorte brei-tet sich vom 3. November an die Revolution aus.
9. November 1918
Mit seinem Hofzug verläßt Kaiser Wilhelm II. das Hauptquartier in Spa. Sein Ziel sind die neutralen Niederlande. Erst am 28. November unterzeichnet er dort die Abdankungserklärung. In Berlin ruft der SPD-Politiker Philipp Scheidemann (1865–1939) vom Balkon des Reichstags die Republik aus. 11. November 1918.
Bildnachweis 01:
Die Ruinen von Verdun im Jahr 1916. Bei der Schlacht um die französische Stadt (Februar bis Dezember 1916) sind rund 700.000 Menschen umgekommen.
Bildrechte: WDR / (c) dpa
Bildnachweis 02:
Feldpostkarte (in Privatbesitz)






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