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Abschlussfilm des Festivals - 23/05/05

Chromophobia

Ein Film von Martha Fiennes


Drama aus der
englischen Upper Class

Großbritannien 2005, 133 Min.
Mit Penélope Cruz, Rhys Ifans, Damian Lewis, Kristin Scott Thomas, Ralph Fiennes

Synopsis: Obwohl Marcus (Damian Lewis) und Iona Aylesbury (Kristin Scott Thomas) auf den ersten Blick alles haben, was zu einem glücklichen Upper-Class-Leben gehört, scheinen sie doch nicht glücklich zu sein. Als der beste Freund der Familie zusammengeschlagen wird und im Koma liegt und ein anderer Freund – ein Journalist - aus Karrieregründen seine Loyalität zu Marcus aufgibt, gerät das scheinbar perfekte Leben des Ehepaares auf den Prüfstand.

Kritik: „Ambitioniert“ ist das Adjektiv, das diesen Film am Besten beschreibt. Es ist kein Zufall, dass sich der Zuschauer permanent an Magnolia von Paul Thomas Anderson oder SHORT CUTS von Robert Altman erinnert fühlt. Die amerikanischen Independentregisseure haben die britische Regisseurin Martha Fiennes bei ihrem zweiten Spielfilmprojekt stark beeinflusst. Wie auch ihren Kollegen aus Amerika ist es ihr gelungen, ein erstaunliches Schauspielerensemble zusammenzubringen, das sehr gute Arbeit leistet. Penélope Cruz, Rhys Ifans, Damian Lewis, Kristin Scott Thomas, Ian Holm und Ben Chaplin spielen die Hauptrollen. Und natürlich auch Marthas Bruder Ralph Fiennes, der bereits im Debütfilm seiner Schwester - ONEGIN (1999) – zu sehen war, und der wohl nicht wenig zu dem aktuellen Staraufgebot beigetragen hat.

Marthas anderer Bruder Magnus zeichnet für die Musik verantwortlich und ihr Ehemann, George Tiffin führt die Kamera. Man merkt ihm an, dass er aus der Werbung kommt, so sauber und aseptisch wirkte London schon lange nicht mehr. Das Anliegen der Regisseurin ist es, „einen Film über das Klassensystem in England zu drehen, das so etwas wie ein Tabuthema ist.“ Sie will den „sozialen Abstieg von Menschen zeigen, während andere die Leiter hinaufklettern“. Martha Fiennes – die auch selbst das Drehbuch geschrieben hat – lässt die Werte der amerikanischen Gesellschaft – Geld, Schönheit und Karriere – auf alte britische Wertvorstellungen von Loyalität und Ehrlichkeit prallen – mit dem Ergebnis, dass die modernen Werte siegen. In einer Welt, in der jeder nur mit der eigenen Entdeckung beschäftigt ist, kann dies eigentlich nur in einer Katastrophe oder der totalen Isolation enden.

Eigentlich hat dieser Film die besten Voraussetzungen, doch sein Thema wird ihm selbst zum Verhängnis. Um jeden Preis bemüht sich Chromophobia in seiner Ästhetik, in der Wahl der schicken modernen Drehorte, dem Casting der vielen aufregenden Schauspieler und den zurechtgestutzten Dialogen auffällig zu sein, etwas Besonderes zu sein. Hier sind die neuesten Computer zu sehen, die ältesten Originalzeichnungen Rembrandts, die schicksten Shops und die hippsten Galerien. Die Aylesburys wohnen in einem „fancy“ Designerhaus mit japanisch anmutendendem Interieur, vor der Verandatür befindet sich ein kleiner See und Iona praktiziert hier täglich ihre Tai-Chi-Übungen.

Doch wo es in Magnolia berührende menschliche Momente gab, gibt es in CHROMOPHOBIA nur symbolisch überfrachtete Handlungen. Dies gipfelt in einem aufgesetzten Höhepunkt, wenn der beste Freund von Marcus diesen der Journalistenmeute ans Messer liefert, weil er selbst dadurch seine Journalistenkarriere beschleunigen kann. Er ist mit Marcus beim Jagen, und schießt sein erstes Tier, obwohl er beteuert „niemals töten zu können.“ Für seinen „First Kill“ bekommt er das Blut des toten Tieres ins Gesicht gestrichen. Als er sich daraufhin im Spiegel betrachtet, weiß er dass er eigentlich der Mörder seine besten Freundes ist – und sei es nur ein Rufmörder.

Am Ende versucht der Film ein Happy End in letzter Minute, indem er die Handlung herumreißt und unglaubwürdige Entwicklungen präsentiert. Diese aufgesetzte Heile Welt entspricht ganz den Charakteren, denen man ohnehin nicht viel geglaubt hat.

Nana A.T. Rebhan

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Chromophobia
Ein Film von Martha Fiennes
Großbritannien 2005, 133 Min.
Mit Penélope Cruz, Rhys Ifans, Damian Lewis, Kristin Scott Thomas, Ralph Fiennes
Clôture / Abschlussfilm des Festivals

Erstellt: 21-05-05
Letzte Änderung: 23-05-05