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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Offizieller Wettbewerb - 21/08/08

Changeling

Ein Film von Clint Eastwood


Los Angeles, 1928: Eine verzweifelte Mutter kämpft im Alleingang um die Suche nach ihrem verschwundenen Sohn gegen die korrupte Polizei - und wird schließlich in die Psychiatrie abgeschoben

Synopsis: Los Angeles, 1928: Als die allein erziehende Mutter Christine Collins von der Arbeit nach Hause kommt, ist ihr 9-jähriger Sohn Walter verschwunden. Nach dreiwöchiger Suche wird schließlich ein Junge gefunden, der behauptet, Walter zu sein. Seine Mutter ist überzeugt davon, dass das ihrem Sohn verblüffend ähnelnde Kind nicht ihr Sohn ist. Doch die Polizei glaubt ihr nicht und stellt die Suche ein. Als Christine Collins drängt, die Suche wieder aufzunehmen, wird sie der Polizei zusehends unbequem. Schließlich wird sie kurzerhand in eine Psychiatrie abgeschoben.

Kritik: Zuletzt kam Altmeister Clint Eastwood mit seinem preisgekrönten Film MYSTIC RIVER vor fünf Jahren an die Croisette. Auch damals ging es um einen Kriminalfall, dessen Opfer Kinder waren. THE EXCHANGE basiert auf einem tatsächlichen Kriminalfall, der sich 1928 in Los Angeles zugetragen hat. Das Script verfasste der vielseitig begabte Drehbuchautor, Journalist und Comicautor J. Michael Straczynski. Stilecht und mit viel Liebe zum Detail hat Kostümbildnerin Deborah Hopper, die bereits für diverse Filme (u.a. MYSTIC RIVER, MILLION DOLLAR BABY) Eastwoods die Kostüme kreiert hat, das Los Angeles der späten 20er Jahre wieder auferstehen lassen. Angelina Jolie versteckt sich als kämpferische Mutter unter einem tief ins Gesicht gezogenen Hut, ihre roten vollen Lippen blitzen darunter verführerisch hervor.

Spannend bis zuletzt erzählt Eastwood die sich über mehrere Jahre erstreckende Geschichte. Bestens getimt bekommt der Zuschauer häppchenweise eine Aufklärung dessen, was Furchtbares geschehen ist. Gleichzeitig analysiert Eastwood die Mechanismen der Macht am Beispiel der korrupten Polizei in Los Angeles, personifiziert durch überzeugende Charaktere.

Auf der Seite von Collins kämpft schließlich noch Pater Gustav Briegleb, der jeden Sonntag im Radio übertragene Predigten hält, in denen er die städtische Polizei anprangert - kraftvoll gespielt von John Malkovich. Er ist der Einzige, der der allein erziehenden Mutter - einer einfachen Frau aus der Mittelschicht - Mut macht im Kampf gegen die Behörden, die sie einschüchtern wollen. Christine Collins ist überzeugt davon, dass der gefundene Junge nicht ihr Sohn ist, doch die Polizei will den Fall ad acta legen und beschuldigt deshalb Christine Collins, sie wolle sich aus der Verantwortung einer allein erziehenden Mutter stehlen. Schließlich behauptet die Polizei einfach, Frau Collins sei verrückt und weist sie kurzerhand in eine geschlossene Anstalt ein. Pater Briegleb unterstützt die Kämpfende mit Worten: "Sie sind nicht verrückt und dies (die Polizei) sind keine guten Menschen; auch wenn sie die Macht haben, heißt das nicht, dass sie ihnen Respekt zollen müssen. Sie sollten sie viel eher in Frage stellen."

THE EXCHANGE ist vor allem ein Portrait einer ganz normalen Mutter, die für die Suche nach ihrem Sohn wie ein wildes Tier zu kämpfen bereit ist. Sie wird der Suche nie müde oder überdrüssig, verliert nie die Hoffnung. Angelina Jolie spielt die tragende Hauptrolle mit großer Kraft und überzeugender Wut. Christine Collins hat ihren Sohn Eines gelehrt: "Fange nie einen Kampf an, aber kämpfe ihn bis zuletzt." Genau das zeigt diese Frau völlig überzeugend, in jeder einzelnen Szene.

Nach MILLION DOLLAR BABY, in dem Hilary Swank als Boxerin sich so überzeugend in einer Männerdomäne behauptete, dass sie dafür einen Oscar verliehen bekam, steigt Angelina Jolie nun in den Ring. Die Szene, in der sie als gepeinigte Mutter dem potentiellen Mörder ihres Sohnes an die Gurgel geht, um zu erfahren, ob er Walter getötet hat, wird in die Filmgeschichte eingehen.

Nana A.T. Rebhan
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Changeling
USA 2008, 141 Min.
Regie: Clint Eastwood
Mit Angelina Jolie, John Malkovich, Jeffrey Donovan, Michael Kelly
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08