Catherine Breillat ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie war u.a. Koautorin von Maurice Pialat (Bulle von Paris, 1985), Pierre Beuchot (Aventure de Catherine C, 1989) und Xavier Beauvois (Selon Mathieu, 2000). 1987 sorgte sie mit ihrem Film Lolita 90 durch eine ungeschminkte, realistische Darstellungsweise für Aufsehen. Eine perfekte Liebe wurde mit Begeisterung aufgenommen, während Romance 1998 in der Presse unterschiedliche Reaktionen hervorrief. Ihr letztes Werk, A ma soeur! (2000) sorgte 2001 auf der Berlinale für Diskussionen.
Im Gespräch mit Catherine Breillat (Real Video)ADSL / Modem
Wodurch entstand Ihr Wunsch, sich mit der Thematik „Männlich/Weiblich“ zu beschäftigen?
Ich wollte sehr gerne mit Pierre Chevalier arbeiten, und man kann sagen, das Thema „Männlich/Weiblich“ ist quasi wie für mich gemacht! Ich hatte zunächst für die Reihe ein Drehbuch geschrieben, aus dem dann aber Sex is comedy wurde. Ich dachte, dass eine Art „Making of“ für eine kleine Kamera ideal wäre ... Mir wurde aber schnell klar, dass ein „Making of“ sehr teuer werden und das Budget der Reihe übersteigen würde. Deshalb kam ich auf ein Drehbuch zurück, das ich einige Zeit zuvor geschrieben hatte: Brève traversée.
Was war die Grundidee für diesen Film?
Er sollte auf einem Schiff spielen, einem Ort ohne feste Bezugspunkte: Die Gesetze scheinen außer Kraft gesetzt zu sein, und man befindet sich fast außerhalb des Lebens. Man kann das eigene Leben für eine gewisse Zeit ausblenden. Was mir auch gefiel, war dieser Gegensatz zwischen südländischer und angelsächsischer Natur: er, der trotz seiner Unerfahrenheit sinnlicher und bereiter für die Liebe ist als sie, die trotz ihrer Erfahrung sehr gehemmt ist.
Warum haben Sie Brève traversée nicht in digitalem Videoformat gedreht?
DV wäre sicher gut mit dieser Art von persönlicher Erzählung zu vereinbaren gewesen. Doch ich liebe die Farbe des Teints, das Weiß der Haut, das man auf Film bekommt, und im Gespräch mit dem Chefkameramann Eric Gautier merkten wir, dass eine 16-mm-Kamera auf der Schulter nicht schwerer wäre als eine kleine Digitalkamera. Es ist also eigentlich eine Frage des Stils und hängt davon ab, worauf man seinen Blick richtet. Ich vergleiche Film oft mit Malerei: Für mich ist Film wie das Malen mit Ölfarben, während die Digitalkamera eher dem Malen mit Acrylfarben gleichkommt. Was nicht bedeutet, dass das eine schlechter ist als das andere. Es ist schlicht eine Wahl des Materials und der Farben, das hat nichts mit Bewertung zu tun. Ich achte sehr auf die Farben. Ich liebe Farben, die hässlich oder schockierend erscheinen können, es aber gar nicht mehr sind, sobald man sie in die Ausstattung und die Inszenierung einbindet.
Ist Brève traversée eine Anspielung auf Begegnung von David Lean?
Auf jeden Fall. Es gibt auch einen Bezug zu einem Buch, dessen Titel mir sehr gut gefällt: Traversée du désir. Der Film handelt auch von dem Übergang vom Jungen zum Mann. Erstmals interessiert mich am Thema „Das erste Mal“ die Seite des Jungen: Er braucht zwar mehr Mut, es gibt für ihn jedoch auch weniger Anlass zur Scham. Es ist leichter für einen Jungen, sein sexuelles Verlangen zu akzeptieren. Er hat nicht all diese Schwierigkeiten, die bei Mädchen aufgrund ihrer Schuldgefühle entstehen.
Der Film basiert auf einer Umkehrung der für die Geschlechter üblichen Verhaltensweisen ...
Das ist richtig, selbst wenn der weibliche Charakter in gewisser Weise das kleine Mädchen spielt, obwohl sie eigentlich grausam, verschlagen und ziemlich verzweifelt ist. Was sie über die Männer und die Ehe sagt, ist zugleich eine Lüge - am Ende des Films begreift man das – und die Wahrheit. Die Fakten sind gelogen, doch im Kern der Dinge liegt Wahrheit. Ich mag die Vorstellung, dass eine Frau ihre Verführungskunst testet, indem sie genau das Gegenteil dessen tut, was man tun müsste, um jemanden zu verführen ... Das ist sehr weiblich und zugleich






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