Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Chris Cooper, Clifton Collins Jr.
Berlinale 2006 - Offizieller Wettbewerb
Synopsis: Der Film konzentriert sich auf die Schaffensjahre Truman Capotes zwischen 1959 und 1965 – 6 lange Jahre, in denen er an seinem bahnbrechenden Buch KALTBLÜTIG arbeitet. Der exzentrische Autor plant einen Non-Fiktion Roman – ein literarisches Novum - zu schreiben, über einen realen Mord an einer Farmer-Familie in Kansas. Dazu baut er eine Freundschaft zu Perry Smith – dem einen der mutmaßlichen Mörder auf. Dieser Schaffensprozess dauert zermürbend lange – Capote verliert dabei die Kontrolle über sein eigenes Leben.
Biografie: Geboren 1967. Besuchte die Mamaroneck High School, New York, auf der bis zu seinem Abschluss 1985 der Drehbuchautor von CAPOTE, Dan Futterman, sein Mitschüler war. Neben Werbefilmen hat Bennett Miller den Dokumentarfilm THE CRUISE gedreht: Das Porträt eines NewYorker Fremdenführers gewann beim Internationalen Forum des jungen Films(Berlinale 1999) den Wolfgang-Staudte-Preis. Gegenwärtig befindet sich sein zweiter Dokumentarfilm in der Postproduktion.Kritik: Capote fokussiert natürlicherweise auf Capote, der von Philipp Seymour Hoffman geradezu genial gespielt wird. Hoffmann gilt zu Recht als Oscar-Favorit für diese Rolle. Der Schauspieler hörte sich stundenlange Tonbandaufnahmen des Schriftstellers an, sah sich Fernsehautritte an – und wurde fast schon beängstigend echt Capote. Die kleinste Bewegung stimmt, lässt das jungenhafte Genie der amerikanischen Literatur wieder aufleben. Wie er mit seitlich abgespreizten Händen diese beim Zuhören an seine Schläfen lehnt. Der wache Blick aus blauen Augen, die doch stets bei sich selbst zu sein scheinen, und sich nie ganz in anderen verlieren. Eleganz in jeder Bewegung, wie er stolz seinen Schal wehen lässt, und sich wendig im Kaschmirmantel dreht. Immer ein wenig affektiert, manchmal wirkt es auch naiv – seiner Zeit war der bekennend schwul lebende Autor damit weit voraus.
In Kansas ist und bleibt Capote ein Fremdkörper – dort weht ein harter Wind. Doch er wird zum schillernden Paradiesvogel, der im Mordfall ermittelt. Der Film stützt sich auf die gut recherchierte, solide Biografie von Gerald Clarke. Capote schildert, wie es schwerer und schwerer für den exzentrischen Autor wird, zu warten, bis er alle die nötigen Informationen für seinen zukünftigen Bestseller zusammen bekommt. Er freundet sich an mit Perry Smith, dem einen der beiden im Mordfall Angeklagten. Capote entdeckt Parallelen zu dessen Jugend in seiner eigenen Biografie: Beide sind sie etwa ohne die Liebe der Mutter in Heimen oder Internaten aufgewachsen. Doch Capote weiß auch, dass er Perry Smith eigentlich nur benutzt, seine Freundschaft für seinen literarischen Erfolg missbraucht. Die furchtbare Wahrheit: Er wartet auf dessen Hinrichtung – sehnsüchtig. Truman Capote opfert Perry Smiths Leben für seine Kunst. Danach wird Capote kein einziges großes Werk mehr fertig stellen.
Millers Film konzentriert sich auf den inneren Verfall Capotes, der in den Jahren zwischen 1959 und 1965 stattfindet. Die langwierige Arbeit am neuen Buch ist so schwer, wie es Capote nie für möglich gefunden hätte. Er beginnt zu trinken und Tabletten zu nehmen. Dem Schauspieler Philip Seymour Hofmann kam dabei die schwierige Aufgabe zu, diesen inneren Prozess auf der Leinwand sichtbar zu machen. Regisseur Bennett Miller: „Er (Philip Seymour Hofmann) musste die Komplexitäten und verschiedenen Ebenen kommunizieren, deren Behandlung das Drehbuch klugerweise mit großer Zurückhaltung verweigert. Der Stil des Films diente dazu, Phil wie unter ein Mikroskop zu legen. – er war es, dem dann die schwierigen Aufgaben zufielen. Für ihn gab es kein Netz oder doppelten Boden.“ Philip Seymour Hoffman und Regisseur Bennett Miller ist es sehr beeindruckend gelungen, dieses moralische Dilemma herauszuarbeiten – Capote ist ein hervorragender Film geworden - einer der besten Biografieverfilmungen der letzten Jahre.Nana A.T. Rebhan






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