- Synopsis
Jedes Jahr zu ihrem Geburtstag bemalt ihr Vater – ein Kalligraph - Nagiko auf Gesicht und Nacken mit Schriftzeichen, während ihre Tante aus dem tausend Jahre alten erotischen Werk einer Hofdame, dem „Kopfkissenbuch der Sei Shonagon“ vorliest. Dieses Ritual wird für die junge Japanerin, die bald schon als Model arbeitet, zur erotischen Obsession, nach der sie ihr ganzes Leben ausrichtet.
- Der Kommentar zum Film
Wie kein anderer der Filme des britischen Künstlers und Filmemachers Peter Greenaway verbindet Die Bettlektüre ästhetische Ansprüche mit erotischen Absichten. Nagiko sagt einmal: „Die Freuden des Fleisches und der Literatur – ich hatte das Glück beides zu genießen.“ Der Hedonist Peter Greenaway stimmt in dieses Loblied ein und schöpft aus dabei aus dem Vollen. Dadurch, dass er neue Bildästhetiken ausprobiert, viel mit Splitscreen und Bild im Bild arbeitet bekommt seine Erzählung eine ganz eigene Dynamik, die ihr gut tut. Die üppigen Tableaus, die man aus seinen früheren Filmen kennt, sind so gut wie verschwunden. Heute legt der Künstler mehrere Layouts übereinander, spielt mit diversen Hintergründen. Projeziert etwa Zeichen an die Wand oder lässt auf unterschiedlichen Ebenen des Bildes verschiedene Geschichten stattfinden.
Kunstvoll fügt er die farblich voneinander abgesetzten Zeitebenen der Geschichte zusammen. Da gibt es die schwarz/weiße Kindheit Nagikos, die in Rückblenden immer wieder auftaucht, und deren erotische Obsession erklärt. Diese kontrastiert mit den grellbunten Neonreklamen Hongkongs und den farblich milden Interieurs von Restaurants oder der extrem gestylten Wohnung Nagikos. Auf der musikalischen Ebene wechseln sich liebliche chinesische Melodien mit zeitgenössischer Musik (u.a. U2) ab. Greenaway hat diesmal ganz auf die Klänge des Komponisten Michael Nyman verzichtet, für die Thematik des Films eine weise Entscheidung. In einigen Szenen könnte man sogar vermuten, man habe einen asiatischen Regisseur vor sich. Als etwa Nagiko ihr altes Leben hinter sich lässt und nach Hongkong flüchtet arbeitet sie in einer Küche. In einigen kurzen Momenten stellt sich hier eine Nähe zur Protagonistin ein, die für Greenawayfilme sehr selten ist, und die man gerne öfter so sehen würde. Doch kurz darauf überlagern die visuell-ästhetischen Experimente des Meisters wieder den Bildschirm, Gefühle für die Figuren mögen sich da nicht so recht einstellen – man bleibt Voyeur.
Ein Lob an Ewan McGregor (Trainspotting), der seine Rolle an der Seite von Vivian Wu (Der letzte Kaiser) hervorragend spielt. Was gar nicht so einfach ist, denn des öfteren muss er nackt posieren, während sein Körper bemalt wird. Zwanzig Jahre nach Nagisa Oshimas Skandalfilm Im Reich der Sinne drehte der Peter Greenaway einen Film über erotische Obsessionen. Das Ergebnis ist eine gelungene Melange aus intellektuellem Anspruch und erotischer Unterhaltung.
Nana A.T. Rebhan
Die Bettlektüre
Regie und Buch: Peter Greenaway, Sei Shonagon
Kamera: Sacha Virtny
Musik: Michael Nyman
Darsteller: Ewan McGregor, Vivian Wu, Yoshi Oida, Ken Ogata, Hideko Yoshida
Bildformat: 4:3
Ton: Dolby Stereo 2.0
Lauflänge: 106 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview mit Ewan Mc Gregor, Trailershow, Booklet, DVD Tipp
FSK: freigegeben ab 12 Jahre






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