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Cannes 2005 - Außer Konkurrenz - 23/05/05

C’est pas tout à fait la vie dont j’avais rêvé

Ein Film von Michel Piccoli


Eine Ode an
den Ungehorsam

(Frankreich, 2005, 1’15)
mit Roger Jendly, Michèle Gleizer, Elisabeth Margoni, Monique Eberle, Nicole Barbot…

Synopsis: In einer altmodischen, mit unterschiedlichsten Gegenständen vollgestopften Wohnung lebt ein merkwürdiger Dreierhaushalt: der elegante, auf Kartenspiele versessene Ehemann, seine ergraute und ob ihrer zunehmenden Zurückweisung besorgte Frau sowie seine höchst sinnenfreudige Geliebte. Außerdem ist da noch die Haushälterin, und gelegentlich kommt der rothaarige Enkel zum Essen. Guter Wein, Spiele, Spaziergänge und der normale alltägliche Wahnsinn bilden das Universum dieser kleinen exzentrischen und ulkigen Gemeinde, denen die böse Welt draußen scheinbar nichts anhaben kann.

Kritik: Der dritte Kinofilm von Michel Piccoli, der sich eine Schauspielpause zugunsten seiner Regiearbeit gegönnt hat, ist erneut eine Ode an den Ungehorsam. Dies galt auch schon für seine beiden ersten Werke „Voilà – Eine schöne Familie“ (1997), ein Film über eine lebhafte Großfamilie in einem vollgepfropften Haus, und „Der schwarze Strand“ (2001), die Adaptation einer Erzählung von François Maspero über einen politischen Deserteur.

Diesmal hat Michel Piccoli mit dem Cinemascope-Verfahren gearbeitet, das er zur detaillierten Darstellung der großen Pariser Wohnung in der Nähe des Montsouris-Parks mit ihren altmodischen oder vielleicht nur zeitlosen Möbeln nutzte. Die exzentrischen Figuren dieses Films leben ebenso völlig unabhängig von Moden und Zeitgeist in ihrer ganz eigenen Welt. Im Alter von 80 Jahren (de)konstruiert Piccoli in „C’est pas tout à fait la vie dont j’avais rêvé“ mit Schwung das freche, unbekümmerte und lebendige Kino der jugendlichen Vertreter seiner Sparte. Im Gegensatz zu seinem ersten Film, der wie aus einem Versteck heraus gedreht zu sein scheint, legt er hier viel Wert auf die Kameraführung und die Komposition der Einstellungen. Die statischen Orte und nüchternen Außenaufnahmen verstärken den Eindruck der Isolation der drei eigenwilligen Gestalten, was dem Film letztendlich eine zutiefst melancholische Färbung gibt. Fragt man nach der Intention des Regisseurs, so mag einem zunächst die Symbolisierung der lateinischen Maxime „intelligenti pauca“ einfallen. Die wirkliche Antwort aber gibt die Szene, in der sich der Ehemann mit einem Tierfell vergnügt und dabei im seinem häuslichen Käfig so hoffnungslos wie ein Löwe in Gefangenschaft wirkt. Sie ist die perfekte Synthese dessen, was dem menschenliebenden Agitator Piccoli an seinem Lebensabend am Herzen liegt.

Julien Welter

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C’est pas tout à fait la vie dont j’avais rêvé
Ein Film von Michel Piccoli
(Frankreich, 2005, 1’15)
mit Roger Jendly, Michèle Gleizer, Elisabeth Margoni, Monique Eberle, Nicole Barbot…
Koproduktion mit Arte-France
Cannes 2005 - Außer Konkurrenz

Erstellt: 20-05-05
Letzte Änderung: 23-05-05