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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 30. März 2006 - 12/08/08

Bye bye Berlusconi!

Ein Film von Jan Henrik Stahlberg


Satire um die Verquickung von Realität und Fiktion,
die Silvio Berlusconi zum Bürgermeister von Entenhausen erklärt

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Externe Links

(Deutschland 2006, 86 Minuten)
Mit Maurizio Antonini, Lucia Chiarla, Franco Leo, Pietro Contempo, Jan Henrik Stahlberg u.a.
Berlinale 2006 - Panorama Special

Synopsis: Eine ambitionierte italienische Filmcrew beginnt mit den Dreharbeiten zu einem Spielfilm, in dem Silvio Berlusconi durch eine Entführung der gerechten Strafe für seine allseits bekannten, aber nie gerichtlich geahndeten schmutzigen Geschäfte überführt werden soll. Die direkte Benennung des „Angeklagten“ droht die Realisierung des Projekts zu verhindern, und so wird das filmische Alter ego des Ministerpräsidenten kurzerhand in „Mickey Louse“ umbenannt und die gesamte Handlung nach Entenhausen verlegt, um die Geschichte eindeutig als Satire zu kennzeichnen. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen werden der Gruppe weitere Steine in den Weg gelegt, die eine Fertigstellung des Films immer unwahrscheinlicher machen.

Kritik: Nach seiner Eröffnung durch „Brothers in the Head“ präsentiert das diesjährige Berlinale-Panorama mit „Bye bye Berlusconi!“ gleich einen weiteren Film, der das Vexierspiel um Fiktion und Realität neu für sich entdeckt hat. Während aber Fulton und Pepe die unterschiedlichen narrativen Ebenen zumindest visuell klar voneinander abgrenzen, sind in dem Regiedebüt des „Muxmäuschenstill“-Autors Jan Henrik Stahlberg fast alle Bilder stilistisch gleich gehalten und heben so die Grenze zwischen den verschiedenen medialen Gattungen auf.

Dabei ist allein schon die Handlungsstruktur äußerst kompliziert, denn es geht um eine fiktive Filmcrew, die ihrerseits eine Fiktion verfilmen will über eine Person, die nicht nur im Film tatsächlich existiert, sondern auch in unserer außerfilmischen Realität. Und als wäre dies noch nicht genug, wird zusätzlich noch eine pseudo-dokumentarische Ebene etabliert, welche die Filmemacher in eingeschobenen Interviews als vermeintlich reale Personen vorstellt und ihre Dreharbeiten mit investigativem Habitus rekonstruiert. Hier nun entsteht (spätestens) das Verständnisproblem des Zuschauers, denn der dokumentarische Blick auf die Crew wird von derselben technischen Quelle erzeugt wie die fiktiven Filmbilder, oftmals gar ohne einen das eine vom anderen trennenden Schnitt. Die Kamera bildet so das Bindeglied zwischen den beiden Hauptebenen, die in „Bye bye Berlusconi!“ fließend ineinandergreifen und irgendwann kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind. Das Spiel mit den Wahrnehmungsgewohnheiten des Zuschauers wird so weit getrieben, dass dieser am Ende einzig die in dem Entführungsfilm eingesetzten (ebenfalls fiktiven) Fernsehbilder – schließlich besitzt auch Mickey Louse seinen eigenen Sender – als solche zuordnen und interpretieren kann.

Seine selbstreflexive Struktur macht den Film zu einem innovativen Beitrag im Diskurs um das Verhältnis von Wirklichkeit und ihrer medialen Abbildbarkeit. Leider nur geht, ganz ähnlich wie in „Brothers of the Head“, auch hier die Freude an der Vermischung der narrativen Ebenen zulasten der Erzählung selbst. Lange Zeit will die Handlung nicht so recht in Fahrt kommen, darüber können auch die wild durcheinanderplappernden Figuren nicht hinwegtäuschen. Und was die bissige Grundidee des Films an satirischem Potential verspricht, können die eher albern wirkenden Entenhausen-Scherze und die Piepser, die jedesmal ertönen, wenn der Name des Feindes fällt, allein nicht halten. Ein inhaltliches Problem des Films ist, dass das Schmierentheater, das Berlusconi mit seiner selbstgeschaffenen juristischen Unantastbarkeit aufführt, längst bekannt ist. Ein mit Blick auf die Aufmerksamkeit des Zuschauers dankbares Schockmoment vermag die Aufzählung der vom Ministerpräsidenten begangenen Straftaten also nicht mehr zu bieten. Und so bleibt „Bye bye Berlusconi!“ nur in dem am Ende entworfenen Szenario wirklich brisant, in dem das Erheben einer kritischen Stimme selbst in einer Demokratie tatsächlich zur Bedrohung für das eigene Leben wird.

Jutta Klocke

Erstellt: 28-03-06
Letzte Änderung: 12-08-08