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Kino auf ARTE - 19/10/11

Boxhagener Platz

Spielfilm, Deutschland 2008, WDR
Regie: Matti Geschonneck; Buch: Torsten Schulz (nach seinem gleichnamigen Roman); Kamera: Martin Langer; Schnitt: Dirk Grau; Musik: Florian Tessloff; Produzent: Jakob Claussen, Uli Putz, Nicole Swidler; Produktion: Claussen+Wöbke+Putz
Mit: Gudrun Ritter - (Oma Otti), Samuel Schneider - (Holger), Horst Krause - (Fisch-Winkler), Michael Gwisdek - (Karl Wegner), Jürgen Vogel - (Klaus Dieter, der "Abschnittsbevollmächtigte"), Meret Becker - (Holgers Mutter Renate)

1968, in Ostberlin: Studentenunruhen und sexuelle Revolution im Westen, Panzer in Prag. Und auf dem Ostberliner Boxhagener Platz erleben Oma Otti und ihr zwölfjähriger Enkel Holger ihre ganz eigenen Abenteuer. Otti hat schon fünf Ehemänner ins Grab gebracht und dem sechsten geht es auch nicht mehr so gut, als sie Avancen von Altnazi Fisch-Winkler und dem ehemaligen Spartakuskämpfer Karl Wegner erhält. Otti verliebt sich in Karl, und plötzlich ist Fisch-Winkler tot. Holger avanciert zum Hobbydetektiv - bis er einen Fehler begeht, der ausgerechnet Karl in Gefahr bringt ...



1968, in Ostberlin: Ein ungeklärter Nachbarschaftsmord bringt die verlässliche Ruhe auf dem Ostberliner Boxhagener Platz in Aufruhr. Oma Ottis Verehrer und Altnazi Fisch-Winkler ist tot. Ottis Enkel, der zwölfjährige schüchterne Holger, nutzt die Chance, um als Hobbydetektiv auf Mördersuche sein schlechtes Image als Sohn des linientreuen "Abschnittsbevollmächtigten" bei seinen Bolzkumpeln aufzupolieren. Er erhofft sich - sollte er den Fall lösen - endlich den langersehnten ersten Kuss seines heimlichen Schwarms.
Karl Wegner, der neue Liebhaber von Holgers umschwärmter Oma Otti, entpuppt sich für Holger als Quell der Erkenntnis in Sachen Liebes- und Lebensfragen. Vor allem jedoch kennt der 80-jährige Ex-Spartakus-Kämpfer Karl eine Menge spannender politischer Geheimnisse. Natürlich macht sich der naive Holger vor seinen Kumpels damit wichtig, was die Polizei auf den Plan ruft: Karl wird festgenommen. Als er in U-Haft an Herzversagen stirbt, schwört Holger sich tiefgetroffen, nie wieder andere für den eigenen Vorteil in Gefahr zu bringen.
Denn in dem menschenverachtenden System, in dem er lebt, kann solch ein Spiel fatale Folgen haben. Er entschließt sich, wenn er erwachsen ist, in Karls Fußstapfen zu treten und irgendwann wenigstens eine "tiefrevolutionäre Rede zu halten, die den Mächtigen da oben Angst und Bange macht" und auf die sein Opa in spe stolz gewesen wäre.

Im Ostberlin des Jahres 1968 erzählt "Boxhagener Platz" von den Bewohnern dieses Platzes und zeichnet liebevoll deren Mikrokosmos im "real existierenden Sozialismus", während im Westen die wilden Studentenrevolten und sexuelle Freizügigkeit die Jugend in Aufbruchstimmung versetzen.
Im Vordergrund steht die tragikomische Geschichte des schüchternen zwölfjährigen Holgers, der verzweifelt versucht, die Einöde seiner DDR-Kindheit zu überstehen, eingeklemmt zwischen der zerrütteten Ehe seiner Eltern und der Sehnsucht, endlich erwachsen zu werden. Und die Geschichte seiner dynamischen Oma Otti, die selbst nach der sechsten Ehe noch für die Avancen des ebenso lebenslustigen Karl Wegner offen ist, einem weltgewandten Pendler zwischen Ost und West.
Der vielfach preisgekrönte und am Boxhagener Platz aufgewachsene Berliner Regisseur Matti Geschonneck - siehe beispielsweise "Die Nachrichten" von 2005 oder "Entführt" von 2009 - inszenierte den Film nach dem gleichnamigen Romandebüt von Torsten Schulz, der auch das Drehbuch verfasste. Trockener Humor, Melancholie und Berliner Charme - mit diesen Zutaten wirft "Boxhagener Platz" einen Blick zurück auf die 60er Jahre. Und auf eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer friedhofs- und kochbegeisterten älteren Dame und einem eleganten Ex-Spartakisten.
Der Film ist eine Liebeserklärung an die Stadt Berlin, an den kleinen Kosmos Boxhagener Platz und seine liebenswerten Bewohner und gleichzeitig eine Hommage an fantastische Schauspielgrößen aus Ost und West. "Boxhagener Platz" feierte am 3. März 2010 seine Premiere im Kino International in Berlin, wo er mit Platz 2 in den allgemeinen sowie den Arthouse-Charts einen sensationellen Start hinlegte. "Boxhagener Platz" ist ein Berliner Heimatfilm im besten Sinne.

Boxhagener Platz
Montag 7. November 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2008, 98mn)
WDR

Erstellt: 19-10-11
Letzte Änderung: 19-10-11