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DVD-News - 15/03/05

Böse Zellen

Ein Film von Barbara Albert


Ein schwieriger, kantiger Film, zu dem nicht jeder Zugang finden dürfte

Externe Links

  • Synopsis
 
Die Chaostheorie besagt, dass alles mit allem zusammenhängt. Im exotischen Urwald schlägt ein Schmetterling mit den Flügeln, ein Tornado braut sich zusammen, ein Flugzeug stürzt ab. Nach diesem Ausflug in die große Welt wendet Barbara Albert die Chaostheorie in einer kleinen österreichischen Stadt an. Ausgehend vom Schicksal der 24-jährigen Manu (Kathrin Resetarits) versucht sie ein menschliches System zu etablieren, indem die menschlichen Schicksale miteinander verknüpft sind.
 
Böse Zellen war Offizieller Wettbewerbsbeitrag der Filmfestspiele Locarno 2003
 
  • Der Kommentar zum Film
 
 Barbara Albert hat sich an ein extrem schweres, aber sehr filmisches Thema gewagt. Sie will zeigen, wie menschliche Systeme funktionieren. Wie der einzelne Mensch - ob er nun will oder nicht - automatisch Teil eines Systems ist, das das System beeinflusst, ebenso wie die Toten. Barbara Albert versucht, dieses nicht durch Menschen organisierte System zu verdeutlichen. Sie schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit, in der sich die Menschen bewegen, und beschreibt deren Schicksal durch Glücks- sowie Unglücksfälle. Manus tödlicher Autounfall etwa, und die Querschnittslähmung - die eine Insassin des anderes Fahrzeuges in Folge hat - beschreiben das Schicksal, in das der Mensch nicht eingreifen kann. Visuell verdeutlicht sie dieses spirituelle Dritte, indem sie aus der Vogelperspektive Menschen in ihren Räumen zeigt oder sich mit schneller Geschwindigkeit an Hinterköpfe der Figuren heranpirscht. Abstrakt-elektronische Geräusche unterstreichen diese zusätzliche Ebene.
 
Konsum und Promotionaktionen in Einkaufszentrem beschreiben das scheinbare menschliche Miteinander. Einsam sitzt jeder bei Mc Donalds, und isst Burger. Aus diesem Kreislauf auszubrechen ist schwierig, aber nicht unmöglich. Etwas versöhnlich wird der Film gegen Ende: Zwei dieser einsamen Fast-Food-Menschen lernen sich kennen. Ein junges Mädchen - das sich fast ausschließlich mit dem Tod beschäftigt hat, weil ihr Vater ihre Mutter und dann sich erschossen hat - lernt die Liebe, und damit das Leben kennen. Böse Zellen ist ein schwieriger, kantiger Film, zu dem nicht jeder Zugang finden dürfte.
 
  • Das Bonusmaterial
 
Auch wenn die Bonus Tracks zu dieser DVD nicht grade üppig ausgefallen sind, so findet der Zuschauer doch einige Hintergrundinformationen zur Filmemacherin und ihrer Absicht.
 
„In meinen früheren Filmen haben die Personen oft zum Himmel hinaufgesehen. Jetzt ist es umgekehrt. Sie schauen zu Boden.“
Das drücke ihre Gefangenheit in der Situation aus und auch ihre Angst vor dem Tod. Über den Tod und die Angst davor, über plötzlichen Verlust, und die Gefühle, die man dabei hat, darum geht es in ihrem neuen Film. Eine dunkle, unheimliche, schwer zu fassende Atmosphäre wollte sie wiedergeben – Todesangst eben.
 
Aber für die Filmemacherin hat Böse Zellen auch viel Versöhnliches, denn „am Ende sitzt Yvonne, das kleine Mädchen, am Boden und schaut in die Pfütze.“
„Was ist daran so versöhnlich?“, könnte man sich fragen, aber man müsste es im Kontext des Films tun. Die Pfütze und das Mädchen sind erst ganz am Ende des Films zu sehen, und alles was vorher kam, ist definitiv unversöhnlich. Also hat dieses Bild eben doch etwas Versöhnliches, im Vergleich zum Rest des Films, sozusagen als Kontrast – na ja, lassen wir es einfach mal so stehen.
 
Barbara Albert hat vor einigen Jahren zusammen mit Jessica Hausner, Martin Gschacht und Antonin Svoboda die Produktionsfirma COOP99 gegründet. Seitdem beliefert uns COOP99 mit Filmen die wir wegen ihrer Radikalität in Deutschland für „typisch österreichisch“ halten, etwa Jessica Hausners Lovely Rita, ihr Film Hotel oder Barbara Alberts Nordrand.
Geboren ist Barbara Albert 1970 in Wien, und nach einem Studium der Theaterwissenschaft, des Journalismus und der Germanistik wandte sie sich dem Film zu.
 
Eine Bildergalerie mit zwanzig Standbildern aus Böse Zellen, Links zur Webpage, Credits der DVD, eine Handvoll Zitate, und eine Bio- und Filmografie von Barbara Albert bieten weitere Möglichkeiten zum Stöbern.
Das leider sehr kurze (ca. 3-minütige) Making Of gibt einen unkommentierten Einblick von den Dreharbeiten. Sehr rasch sind hier Momente des Drehs aneinander geschnitten, Anweisungen der Regisseurin, lustige Pannen, ein spielerisch improvisierendes Team. Gerne hätte man davon mehr gesehen.
 
Nana A.T. Rebhan
 
 
  • Ausstattung
DVD 5, PAL, codefree
Bildformat1: 1,85
Ton: Dolby SRD
engl. + frz. UT
Kapiteleinteilung
Making Of
Trailer
Biographie
Interview
Fotos 
 
  • Stab
Regie: + Buch: Barbara Albert
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Monika Willi
Darsteller: Kathrin Resetarits, Ursula Strauss, Georg Friedrich, Marion Mitterhammer
Produktion: A/D/CH 2003 - Antonin Svoboda, Martin Gschlacht, coop 99
DVD, 120 Min. + Extras, Farbe
 
 

Erstellt: 15-03-05
Letzte Änderung: 15-03-05