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ARTE Journal - 26/04/12

Blutiger Kampf ums Öl

Offiziell herrscht Frieden zwischen Nord- und Südsudan, tatsächlich bekämpfen sich die Nachbarn in einem erbitterten Krieg. Ein Kampf um Öl.

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Nun schaltet sich auch US-Präsident Barack Obama in den Konflikt zwischen Sudan und Südsudan ein: Die beiden Länder sollten sich gemeinsam auf eine friedliche Lösung einigen. Obama sagte, das Volk solle sich bewusst machen, wie in den vergangenen Jahren «allen Widrigkeiten zum Trotz» große Fortschritte gemacht wurden, die Spirale der Gewalt zu beenden und eine friedliche Zukunft aufzubauen. «Dieser Fortschritt ist nun in Gefahr», warnte er. «Das muss nicht so sein.

Es ist das schwarze Gold, dass die beiden Staaten, die 22 Jahre blutigen Bürgerkrieg geführt hatten, wieder entzweit: Vor zwei Wochen hatte die südsudanesische Armee gemeldet, sie habe einen Angriff des Nordens auf die Ölanlagen bei Heglig zurückgeschlagen. Sein Staat halte seinen Anspruch auf die erdölreiche Region aufrecht, betonte Präsident Salva Kiir. Das Land hatte sich erst im Sommer 2011 vom Sudan abgespalten. Juba, die Hauptstadt im Süden, kontrolliert nun 75 Prozent der Ölvorkommen - muss allerdings für den Export das Öl durch das Gebiet des Sudans leiten. Ein Streit über die Transitkosten hat den Konflikt noch einmal verschärft.

Doch wo genau liegen die Landes- und Ölgrenzen?


Das Ölfeld Heglig, in dem täglich knapp 60.000 Fass Rohöl gefördert werden, liegt nach Auffassung Khartums auf nordsudanesischem Gebiet. Das bestreitet die südsudanesischen Regierung. Nach dem Friedensvertrag von 2005 soll als Grenze eine koloniale Demarkationslinie von 1956 gelten. Wo sie verlief, weiss aber niemand genau. Unabhängige Beobachter machen für die festgefahrenen Gespräche eher Khartum verantwortlich.

Nächster Knackpunkt ist die Frage, welchen Preis der Südsudan für den Transport seines Rohöls durch die Pipeline zum nordsudanesischen Hafen Port Sudan entrichten muss. Khartum hatte Ende 2011 bereits einfach Teile des südsudanesischen Exports, der mit 350.000 Fässern pro Tag drei Mal so hoch ist wie die nordsudanesische Ausfuhr, vereinnahmt. Daraufhin stoppte Südsudan im Januar seine gesamte Produktion. Da der junge Staat sein Budget zu 98 Prozent aus Erdöl-Verkauf finanziert, muss er nun drastisch sparen.

Immer wieder ist das schwarze Gold Streitauslöser


Es klingt fast paradox: Während die Entdeckung von Erdöl 1979 den innersudanesischen Konflikt schürte, bildet die gegenseitige Abhängigkeit bei der Ausbeutung heute die beste Garantie gegen den Ausbruch eines neuen Kriege.

Während sich Nordsudanesen auf einen wirtschaftlichen Schock gefasst machen, sollten die Erdöleinnahmen einbrechen, wird auch der Südsudans Wirtschaft aus gleichen Gründen langfristig einbrechen. Gegenwärtig liegt deren Anteil bei 98% der Staatseinnahmen (im Norden bei rund 40%). Im Südsudan werden so gut wie keine Steuern erhoben. Eine Weltbankstudie von 2009 bemängelt, dass die Umsatzsteuern innerhalb der zehn Gliedstaaten des Südens noch immer nach unterschiedlichen Ansätzen erhoben werden. Ein berechenbares und effizientes Steuersystem müsse dringend aufgebaut werden.
Jana Schulze, ARTE Journal


ARTE Reportage 2011

Sudan: Ein Land zerbricht ...

Samstag, 15.1. um 06.00 Uhr

« Der Südsudan – das neue Land. Ein freies Land », rufen die Menschen in den Straßen der Hauptstadt seit Wochen ...


ARTE Journal 2010



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Erstellt: 21-04-12
Letzte Änderung: 26-04-12