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22/09/06

Blutegeltherapie

Kleine Blutsauger mit heilender Wirkung


Schon in der Antike war die Blutegeltherapie eine häufig angewandte Methode in der Medizin. In den 60er Jahren erlebte sie eine Renaissance. Durch seine blutverdünnende, gerinnungshemmende und gefäßerweiternde Wirkung ist der Blutegel ein idealer Therapeut vor allem für lokale Durchblutungsstörungen.

Aufgrund der starken Gewässerverschmutzung sind Blutegel heute nicht mehr häufig zu finden. Die meisten Tiere, die z.B. in Deutschland für therapeutische Zwecke benutzt werden, stammen aus Importen, z.B. aus der Türkei oder Kroatien. Dort leben sie in Gewässern, die in großen Naturschutzgebieten liegen. Sie sind entweder speziell gezüchtet oder werden, nachdem sie eingefangen wurden, zunächst einer wochenlangen Quarantäne unterzogen.
Blutegel ernähren sich ausschließlich von Blut. Auf der Haut sucht der Blutegel nach einer geeigneten Stelle zum Beißen. Der Biss ist vergleichbar mit einem kleinen Nadelstich, also kaum spürbar. Für eine Grundbehandlung werden durchschnittlich etwa zehn Blutegel an die zu behandelnde Stelle angesetzt. Die Nahrungsaufnahme des Blutegels dauert zwischen 20 Minuten und zwei Stunden. Er saugt dabei zwischen drei und sechs Milliliter Blut. Nachdem die Blutegel von alleine abgefallen sind, kommt es zu einer Nachblutung. Diese sollte nicht unterbrochen werden, da sie ein Teil der Therapie und ein wichtiger Mechanismus der Wundreinigung ist. Durch die Nachblutung verliert der Patient in der Regel nochmals zwischen 20 und 30 Milliliter. Durch den Blutverlust wird nur eine gewisse therapeutische Wirkung erzielt. Die Hauptwirkung wird durch das Sekret hervorgerufen, das der Blutegel während des Saugvorgangs in die Wunde abgibt. Es enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die jedoch nur zum Teil in ihrer Zusammensetzung und Wirkungsweise bekannt sind. Ein wichtiger Bestandteil ist das Hirudin mit seinem lokal gerinnungs- und entzündungshemmenden Effekt. Es verdünnt das Blut, wirkt entkrampfend und fördert die Durchblutung. Seine Wirkzeit ist auf wenige Stunden begrenzt. Eine weitere Substanz des Sekretes ist Calin, das ebenfalls die Blutgerinnung hemmt und im Gegensatz zu Hirudin eine wesentlich längere Wirkzeit besitzt.

Durch seine blutverdünnende, gerinnungshemmende und gefäßerweiternde Wirkung ist der Blutegel ein idealer Therapeut vor allem für lokale Durchblutungsstörungen. Unter diesem Aspekt wird die Blutegeltherapie vor allem bei Krankheiten angewendet, bei denen es zu Durchblutungsstörungen auch im weitesten Sinne kommt. Zudem kann sie durch Anregung der Durchblutung zu einer schnelleren Heilung beitragen.

Anwendungsgebiete:
Zu den Anwendungsgebieten zählen vor allem Gefäßerkrankungen wie Krampfadern, Gefäßverschlüsse, Venenentzündungen und Krankheiten, die mit Schmerzen und Verspannungen einhergehen wie Spannungskopfschmerzen, Migräne, Wadenkrämpfe, schmerzhafte Monatsblutungen, Rheuma, Gelenkverschleiß (Arthrose), Nerven- und Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, aber auch Verstauchungen, Zerrungen und Prellungen. Vor einer Behandlung sollte ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch stattfinden. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen lokale Reaktionen an der Bissstelle, Kreislaufprobleme und kleine Narbenbildungen. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel gut behandelbar. Nicht angewandt werden darf die Blutegeltherapie bei Immungeschwächten, Patienten mit Blutgerinnungsstörung und Blutarmut und bei bekannter Allergie gegen Inhaltsstoffe des Blutegelsekretes.
Aus hygienischen Gründen darf ein Blutegel nur einmal an einem Patienten eingesetzt werden.

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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Mittwoch, 27. September um 12.05 Uhr
Wiederholung vom 25. Oktober 2005
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 21-10-05
Letzte Änderung: 22-09-06