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Cannes 2008

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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Im Wettbewerb - 29/08/08

Blindness

Ein Film von Fernando Meirelles


Fernando Meirelles lässt in seinem Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Cannes die Menschheit erblinden - Julianne Moore darf als einzige Sehende den Blindenhund in diesem existentiellen Drama spielen

Gael Garcia Bernal
Synopsis: Eine neue Epidemie befällt die Menschen einer nicht näher benannten Stadt. Hunderte erblinden, werden vom Staat weggesperrt, aus Angst vor einer möglichen Ansteckungsgefahr. In den Barracken, in denen sie gefangen gehalten werden, bilden sich Gruppen. Die einen unterdrücken die anderen, ein Krieg bricht aus.

Kritik: Schon vor zehn Jahren wollte Fernando Meirelles die Rechte an dem gleichnamigen Buch des portugiesischen Nobelpreisträgers erwerben, doch dieser wollte sie nicht verkaufen. Schließlich gelang es dem kanadischen Schauspieler und Drehbuchautor Don McKellar, José Saramago doch noch zu überreden.

Julianne Moore
Ein Film über das Nicht-Sehen eröffnete Cannes, das wichtigste und (immer noch) glamouröseste Festival der Welt. Leider fehlt BLINDNESS die Körperlichkeit und Direktheit, die Meirelles früherer Film CITY OF GOD (2002) in jeder Einstellung besaß und die den Zuschauer sofort packte. Dies ist seltsam, tendieren doch die Erblindeten des Films dazu, sich möglichst häufig aneinander festzuhalten, die Nähe des anderen zu spüren, jetzt wo einer ihrer wichtigsten Sinne versagt. Der Film jedoch ermöglicht dem Zuschauer nicht genug Nähe.

Das Problem liegt darin begründet, dass BLINDNESS einerseits Allegorie sein, gleichzeitig aber auch durch Naturalismus überzeugen will. Doch da drängen sich sofort viele Fragen der Logik auf, die in BLINDNESS nicht schlüssig beantwortet werden. Warum etwa haben die gefangenen Blinden zwar kein Wasser, aber Licht brennt Tag und Nacht bei ihnen? Warum beginnt die einzig Sehende (Julianne Moore) erst viel zu spät mit ihrer Gegenwehr, wo ihre Motivation doch viel stärker wäre in dem Moment, in dem sie vergewaltigt wird?

BLINDNESS ist kein schlechter Film. Aber Fernando Meirelles hat mit seinen beiden letzten Werken, CITY OF GOD und dem ebenfalls sehr gelungenen DER EWIGE GÄRTNER (2005) mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle seine eigene Latte sehr hoch gehängt. BLINDNESS ist in vielerlei Hinsicht nicht konsequent genug. So zerstört etwa der analytische Off-Kommentar die letzten Bilder, in denen Juliane Moore sich wünscht, blind zu sein, weil sie zu viel gesehen hat, was sie nicht sehen wollte, und dies ihr Leben unwiderruflich verändert hat. Der Kommentar erzählt genau dies, aber warum nur, wir sehen es doch. So hat man das Gefühl, als vertraue Fernando Meirelles bisweilen selbst nicht seinen Bildern, die ja auch nur bedingt Sinn ergeben.

Julianne Moore und Mark Ruffalo
Der Film behauptet, die Blinden sehen nichts mehr, nur noch gleißendes Weiß. Also taucht Kameramann Cesar Charlone so oft er kann alles in gleißendes Weiß. Oft spielt die visuelle Ebene auch mit schemenhaften Figuren, mit angeschnittenen Bildern. Doch warum? Die Blinden sehen doch nur reines Weiß. Auch die Verwendung der Musik ist weniger geglückt als in seinen anderen Filmen, in denen diese stets perfekt eingesetzt wurde.

Das Thema des Romans selbst ist höchst interessant, die Erfahrungen für die Schauspieler waren es nach ihren Angaben auch. Der Roman übt Kritik an einer Gesellschaft, die die Armen und Unterdrückten in ihrer Mitte ignoriert. Sie will sie nicht sehen, nur das eigene Spiegelbild scheint wichtig zu sein. Die Schauspieler probten ihre Blindheit und machten dabei existentielle Erfahrungen. Als Team kamen sie einander näher - sie wurden eine Gruppe. Sie merkten auch, wie wichtig das Fühlen und das Hören wird und wie die anderen Sinne durch den fehlenden Sinn geschärft werden. All diese Erfahrungen sind leider nicht in BLINDNESS eingeflossen. Auch der Humor, den Meirelles beim wiederholten Lesen der Vorlage gefunden haben will bleibt außen vor, davon ist nur eine kleine Szene übrig: Danny Glover bittet darin die anderen Erblindeten um eine Abstimmung. Wer dafür ist, soll die Hand heben...

Nana A.T. Rebhan
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Blindness
Brasilien/Kanada/Japan 2008, 118 Min.
Regie: Fernando Meirelles
Mit Julianne Moore, Mark Ruffalo, Gael Garcia Bernal, Danny Glover, Alice Braga
Eröffnungsfilm/ Offizieller Wettbewerbsbeitrag



Erstellt: 15-05-08
Letzte Änderung: 29-08-08