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Interaktive Entdeckunsreise

Im Jahr 2005 jährt sich der Todestag des Regisseurs Louis Malle zum 10. Mal. Aus diesem Anlass hat ARTE ihm und seinem cineastischen Meisterwerk, das mit einer (...)

Interaktive Entdeckunsreise

24/07/08

Black Moon

Donnerstag, 07. Juni 2007 um 00.20 Uhr


Dieser Film war in der Reihe ARTE Trash gesendet.
Zur Rubrik ARTE Trash

Auf der Flucht vor einem Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen findet das Mädchen Lily in einem abgelegenen Landhaus Zuflucht. Dessen Bewohner sind höchst seltsam: Da gibt es eine alte Dame, die ihr Bett nie verlässt und sich in einer unverständlichen Sprache mit einer Ratte unterhält, ein Dutzend nackter, spielender Kinder, ein Einhorn. Wie Alice im Wunderland gerät Lily von einer Überraschung in die nächste...

Auf der Flucht vor einem grausamen Krieg zwischen den Geschlechtern, in dem Männer mit Maschinengewehren reihenweise Frauen niedermetzeln, stößt das Mädchen Lily auf ein altes, abgelegenes Landhaus. Das ist von seltsamen Bewohnern bevölkert: Ein Schwein hat es sich ganz selbstverständlich auf einem Holzstuhl am Küchentisch bequem gemacht, im Wohnzimmer scheint eine Katze Klavier zu spielen. Im ersten Stock trifft Lily schließlich auf ein menschliches Wesen: Eine alte Dame liegt in ihrem Bett, spricht abwechselnd in einer fremden Sprache mit einer Ratte und in ein tragbares Radiogerät. Im Garten begegnet Lily einem jungen Mann und seiner Schwester. Nackte Kinder spielen mit einem überlebensgroßen Schwein, ein Einhorn grast den Rasen ab. Zunächst irritiert, gewöhnt sich Lily allmählich an die skurrilen Wesen in Haus und Garten. Doch die merkwürdigen Begegnungen sind noch nicht zu Ende...


Zusatzinformationen
Louis Malle, der sich als Regisseur nie auf einen Erzählstil oder ein Genre festlegen ließ, schuf mit "Black Moon" ein psychedelisches Märchen voller Allegorien. Darin erzählt er mit großem metaphorischem Einfallsreichtum eine kaum zu entschlüsselnde Geschichte, die wie eine apokalyptische Version von Lewis Carolls "Alice im Wunderland" anmutet. Die grausame Realität, vor der Lily flieht, wirkt ebenso unwirklich wie die Erlebnisse in dem Landhaus, auf das sie stößt.
Sven Nykvist, der später für seine Arbeit als Kameramann zwei Mal mit einem Oscar prämiert wurde, erhielt für seine kinematografische Arbeit in "Black Moon" einen César. Auch die Tongestaltung des Films wurde mit einem César ausgezeichnet.
Auf schauspielerischer Ebene ist vor allem die Begegnung mit der deutsch-jüdischen Theater- und Filmschauspielerin Therese Giehse bemerkenswert. Als alte, bettlägerige Dame murmelt sie während des Films in einer wunderbar unverständlichen Sprache wahlweise vor sich hin, gibt Anweisungen oder schimpft. Zunächst Mitglied der Münchner Kammerspiele, emigrierte die Künstlerin 1933 zusammen mit ihren Freunden Erika und Klaus Mann in die Schweiz. Im Jahr 1941 als erste Mutter Courage bei der Uraufführung in Zürich zu sehen, blieb sie auch nach dem Krieg eine gefragte Brecht-Interpretin. Therese Giehse starb 1975, "Black Moon" war ihr letzter Film.
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Black Moon
Spielfilm, Frankreich/Deutschland 1975, 96 Min, Originalfassung mit Untertiteln
Regie: Louis Malle; Buch: Louis Malle, Ghislain Uhry; Produzent: Claude Nejar; Produktion: NEF, Bioskop Film
Mit: Cathryn Harrison - (Lily), Therese Giehse - (Alte Dame), Alexandra Stewart - (Die Schwester), Joe Dallesandro - (Der Bruder)

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Erstellt: Wed May 30 14:59:16 CEST 2007
Letzte Änderung: Thu Jul 24 12:39:53 CEST 2008