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ARTE Journal - 10/04/12

Bewaffnete Männer statt Touristen

Mali ist geteilt in Nord und Süd. Während im Süden eine Übergangsregierung damit beschäftigt ist, Wahlen vorzubereiten und die Ordnung wieder herzustellen, herrscht im Norden Chaos. Denn Tuareg-Rebellen und Islamisten von Al-Kaida im Islamischen Maghreb halten die Region besetzt. Die Tuareg haben diesen Teil Malis für unabhängig erklärt und ihren eigenen Staat "Azawad" ausgerufen. Mopti liegt an der Grenze zwischen Nord und Süd. Unsere ARTE-Sonderkorrespondentin Sophie Rosenzweig berichtet über die Stimmung in der Stadt.

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Sieben Stunden dauert die Fahrt von Bamako nach Mopti. Um die Stadt zu betreten, muss man bestimmte Regeln einhalten: Das Tuch, das einen vor der Hitze schützt, muss abgelegt werden. Das soll zeigen, dass man weder den Tuareg, noch den radikalen Islamisten angehört. Vorausgesetzt, man trägt keinen Bart. Die Angst des Militärs sind bewaffnete Überfälle der Rebellen. Denn auf diese Weise haben die Islamisten, die sich zu Al-Kaida des Islamischen Maghreb zählen, und die Tuareg-Rebellen der Befreiungsbewegung MNLA, nacheinander die drei wichtigsten Städten im Norden Malis eingenommen.

An jeder Ecke stehen Soldaten
Mopti, das einst das „Venedig des Mali“ genannt wurde, durchkreuzt vom Fluss Niger, hat mit einer Touristenstadt nicht mehr viel gemeinsam. An jeder Straßenecke stehen Soldaten, Panzer an den großen Kreuzungen. Seitdem Mopti Grenzstadt zwischen dem Süden und dem neuen, von niemandem anerkannten Staat Azawad ist, haben die Menschen hier Angst vor Angriffen durch die Rebellen. Aber noch größere Angst schürt die Gewalt der islamistischen Gotteskrieger.

Vergewaltigungen und Plünderungen
Die Berichte von Flüchtlingen aus Gao, Timbuktu und Kidal sind schrecklich. Vergewaltigungen, Plünderungen und Terror. Übergriffe, die Abou Bia scharf verurteilt. Der Muslim lebt seit 20 Jahren in Mopti. Seine Frau gehört zur Gruppe der Ansar Dine, eine islamistische Gemeinschaft, der Verbindungen zu Al-Kaida im Islamischen Maghreb angelastet werden. Hier in Mopti wie auch im übrigen Mali kennt man sie. Aber die Gruppe sieht sich nicht als Teil dieser „Invasion“, die sie als „barbarisch“ erklären.

Banditen profitieren vom Chaos in Bamako
Für Abou Bia handelt es sich um bewaffnete Banditen, die von dem Macht-Chaos in Bamako profitieren, um ihren Einfluss im Bereich des Schmuggels auszuweiten. „Ein guter Muslim vergewaltigt keine jungen Mädchen, die noch nicht geschlechtsreif sind. Und er plündert auch keine Banken aus. Das sind Banditen, die, nachdem sie für Gaddafi gekämpft haben, nach Mali gekommen sind. Sie versuchen, den Einfluss von Al-Kaida im Islamischen Maghreb in Mali auszuweiten. Wir sind dagegen.“

Kein Tourismus mehr
Eine Meinung, die vom Großteil der Bevölkerung Moptis offenbar geteilt wird. Hier ist man verärgert über diese Islamisten, denn sie kappt die lukrativste Einnahmequelle in der Region: den Tourismus. Seit Beginn der Woche sind Banken und Ämter geschlossen. Die Menschen leben mit dem, was ihnen bleibt, den Großteil des Tages gibt es keinen Strom.

Warten auf Verstärkung
Seit dem 8. April kommen malische Truppen aus dem ganzen Land. Nicht enden wollende Konvois mit Soldaten, schwarz vermummt, mit der Kalaschnikow über der Schulter. Die Ankündigung ihrer Ankunft hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Endlich ein klein wenig Hoffnung für die Bevölkerung, die in die Militärs kaum Vertrauen hatte. Denn sie wirft ihnen vor, nicht gegen die Ansar-Dine-Rebellen eingeschritten zu sein, als diese die drei Städte Kidal, Timbuktu und Gao eingenommen haben. Die malische Armee erwartet nun ungeduldig die versprochene Unterstützung durch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS. Denn diese hatte versprochen, 2000 Soldaten nach Mali zu entsenden, um die Separatisten im Norden anzugreifen.

Die tägliche Angst
25.000 Menschen haben den Norden des Landes schon verlassen. Sie sind in die Nachbarländer geflüchtet, wie etwa den Niger. Amnesty International schlägt bereits Alarm vor einer humanitären Katastrophe. In der Hauptstadt Bamako werden unterdessen interne Angelegenheiten erledigt, nachdem der am 22. März gestürzte Präsident Amadou Toumani Touré nun offiziell seinen Rücktritt angekündigt hatte. Bis zu den offiziellen Wahlen soll eine Übergangsregierung die Geschäfte in der Hauptstadt leiten. Eine ihrer ersten Aufgaben wird wohl sein, dafür zu sorgen, dass im Norden Malis endlich wieder Ruhe einkehrt.

Sophie Rosenzweig, ARTE-Sonderkorrespondentin in Mali

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Erstellt: 08-04-12
Letzte Änderung: 10-04-12