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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

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Buch- und KrimiWelt. Das Literaturmagazin bei ARTE Online - 31/05/11

Bestenliste "Weltempfänger"

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Unbekannte Stimmen hörbar zu machen und Nebenwege durch die Überfülle der Neuerscheinungen zu erschließen, hat sich „Weltempfänger“ zur Aufgabe gesetzt. Auf der Grundlage der Arbeit der Litprom (Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V.) nimmt diese alternative Bestenliste all jenes wahr, was nicht im eigenen Garten wächst und geläufig ist.

Die Jury
What's new? Ilja Trojanow stellt die neue Bestenliste vor

Rang
_____
Titel
______________________________________________________________

1

Yu Hua. Brüder (China)

Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz. S. Fischer Verlag

Glatzkopf-Li ist ein geschäftstüchtiges Großmaul, sein Bruder Song Gang ein nachdenklicher Brillenträger. Die beiden Brüder erleben als Kinder die Kulturrevolution und als Erwachsene den unerhörten wirtschaftlichen Aufschwung Chinas. Ein hochpolitischer Roman im Schelmengewand. Selten so gelacht, selten so geweint. (Katharina Borchardt)

2

Boualem Sansal. Das Dorf des Deutschen (Algerien)

Aus dem Französischen von Ulrich Zieger. Merlin Verlag

Ein dichtes, den Leser in Bann schlagendes Meisterwerk eines der mutigsten Autoren des Maghreb - zwischen einem Dorf in Algerien, einer Pariser Banlieue und einer deutschen Herkunft spiegelt sich gegenwärtige Gewalt in einer gewaltigen Vergangenheit. (Ilija Trojanow)

3

Uday Prakash. Dr. Wakankar (Indien)

Aus dem Hindi von André Penz. Draupadi Verlag

Süffisant, ironisch und von heiterer Melancholie ist die Geschichte von Dr. Wakankar, der immer wieder strafversetzt wird und dennoch unbeirrt versucht, als Arzt und Bürger eine Nische zu finden, abseits von Korruption, Vetternwirtschaft, bestechlichen Ärzten und gepanschten Infusionen, die Patienten das Leben kosten. (Als ein junger Familienvater und Friedensaktivist bei einer Demonstration von der Polizei erschossen wird, eskaliert die Situation. Dr. Wakankar gerät erneut in die Fänge des politischen Machtapparates und der Provinzregierung und findet einen überraschenden Ausweg.) Ein kleines, wunderbares Buch über schwierige Themen im heutigen Indien, abseits von Tempelglöckchen und raschelnder Seide. (Cornelia Zetzsche)

4

Antonio di Benedetto. Zama wartet (Argentinien)

Aus dem Spanischen von Maria Bamberg. Manesse

50 Jahre nach seinem Erscheinen führt uns der Roman in die koloniale Vergangenheit Argentiniens im 18. Jahrhundert und macht uns bekannt mit einem der wichtigsten Erneuerer der lateinamerikanischen Literatur der Moderne. (Anita Djafari)

5

Ma Jian. Red Dust (China)

Aus dem Englischen von Barbara Heller. SchirmerGraf Verlag

Ma Jian unterwirft in seinem Reisebericht die eigene Befindlichkeit, gleichzeitig aber auch die der ganzen Nation einer tiefgehenden Analyse. Mit jeder Vorwärtsbewegung auf der Straße - die ihn bis in die entlegensten Winkel Chinas führt - wird diese emotionale und gesellschaftliche "Tiefenbohrung" vorangetrieben. Mit einer knappen dokumentarischen, manchmal fast protokollhaften Sprache gelingt ihm dabei ein pathosfreier und zugleich lyrischer Zugang. (Kristina Pfoser)

6

Aravind Adiga. Zwischen den Attentaten (Indien)

Aus dem Englischen von Klaus Modick. C.H. Beck

Xerox, der Unberührbare verkauft Bücher als Raubkopien, so oft ihn die Polizei auch verhaftet. Yayamma, die brahmanische Köchin schläft lieber im Abstellraum als im Zimmer mit einem Dienstmädchen niederer Kaste. Keshava, der Landjunge mit der Energie eines Kolibris, gerät in der Stadt unter die Räder. Die eigentliche Heldin in den Geschichten „zwischen den Attentaten“ auf Indira und Rajiv Gandhi aber ist Kittur, eine Provinzstadt in Südindien, die sich in den Biografien der Menschen spiegelt.( Betrug, Korruption, Alkoholismus, religiöse Konflikte und Ausbeutung bestimmen das Leben.) Ganz und gar illusionslos, aber keinesfalls düster; schmerzhaft realistisch, aber voller Zärtlichkeit und Wissen um die Mechanismen des Zusammenlebens. (Cornelia Zetzsche)

7

Feng Li. Ein vermeintlicher Herr (China)

Aus dem Chinesischen und mit einem Nachwort von Ulrich Kautz. Ostasien Verlag

Feng Li ist eine wunderbar spöttische Satirikerin, die ihre Figuren dennoch nicht dem Gespött preisgibt. Ein alternder Bürokrat, im Amt vollkommen überflüssig, in der Ehe unglücklich, wird von der Zugluft des Lebens gestreift und tut das Unerwartete: Er wagt den Ausbruch aus den Konventionen und den Aufbruch in eine Welt, in der vielleicht auch ihm so etwas wie Glück beschieden sein könnte. Hochkomisch, tieftraurig, eine chinesische Satire von universeller Dimension. (Karl-Markus Gauß)

Lesen Sie hier ein Porträt der Schriftstellerin Feng Li: Der Mut zum Unpolitischen



Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Karl-Markus Gauß, Kristina Pfoser, Arno Widmann, Thomas Wörtche und Cornelia Zetzsche.

In Kooperation mit litprom - Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Erstellt: 03-08-09
Letzte Änderung: 31-05-11