So radikal ist das Genre des historischen Krimis nie zuvor interpretiert und erneuert worden: In seinem „Red Riding Quartet“ (1999-2002), das in Gestalt der horrenden Romane „1974“, „1977“, „1980“ und „1983“ die reale Mordserie des „Yorkshire Rippers“ fiktional auflädt, hatte sich der Brite David Peace bereits als Meister der Verstörung erwiesen. Der Auftakt seiner neuen, auf drei Bände konzipierten Krimireihe steht der vorgängigen Serie in nichts nach, was Personal und Stil anbelangt: Verwüstete Seelen und lakonische Phrasierung fügen sich darin zu einem postmodernen Schauerroman, dessen abgehackte Erzählweise die Brutalität des Plots doppelt. Auch in „Tokio im Jahr null“, wie die „Red Riding“-Bände kongenial übersetzt, gibt es für den Täter ein historisches Vorbild: den zehnfachen Frauenmörder Kodaira Yoshio, der die Menschen im verheerten Nachkriegs-Tokio glauben lässt, Apokalypse sei auch im Plural zu haben. Sein Widerpart, Inspektor Minami, stützt diese Einschätzung; auch er hat Schuld auf sich geladen. Packender kann ein Krimi-Herbst nicht anheben.
Hendrik Werner/buchjournal, August 2009
KrimiWelt-Bestenliste Oktober 2009







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

