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Blow up

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31/01/12

Bertrand Bonello - Blow up: Begegnung

Bertrand Bonello zeigt im offiziellen Wettbewerb L'Apollonide. Wir nutzen die Gelegenheit und legen ihm unseren Blow-Up-Fragebogen vor.



Müsste ich …



1. … eine Eröffnungsszene wählen,
wäre es die aus Der Chef von Jean-Pierre Melville. Doch wie bei allen Fragebögen, hätte ich gestern oder morgen eine andere Antwort gegeben. Die Szene von Melville ist aber …





2. … die Leistung eines Schauspielers bewerten,
würde ich mich sofort an das Filmfestival von Cannes erinnern. Ich glaube es war 1995 als Johnny Depp gleich mit zwei Filmen im Wettbewerb war. Dead Manund Ed Wood. Da ist zwei Mal ein völlig gegensätzlicher Johnny Depp zu sehen und zwei Mal ist er herausragend gut. Ich habe mir oft die Frage gestellt, wie ein und derselbe Mann in so kurzer Zeit zwei so unterschiedliche Leistungen hinbekommen hat.
Beide Filme sind übrigens in schwarz-weiß gedreht und Johnny Depp wirkt in beiden wie eine Hollywoodschauspielerin aus den vierziger Jahren.



3. … die Stimme eines Schauspielers auswählen,
es wäre die von Casey Affleck, die mich einfach jedes Mal berührt, wenn ich sie höre. Ein gebrochenes flüsterndes Murmeln, das mich gefangen nimmt. Ansonsten die von Marlon Brando natürlich.



4. … einen Soundtrack auswählen,
fällt meine Antwort jedes Mal gleich aus. Die Musik von Nino Rota in Der Pate. Meiner Meinung nach darf man einen Film mit einem solchen Soundtrack gar nicht verpassen. Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Da wäre auch noch die Musik für Crashvon Howard Shore. Kammermusik mit Elektrogitarren gespielt, auf so eine geniale Idee muss man erst mal kommen.



5. … einen Tanz wählen,
es wäre jeder einzelne von Christopher Walken.





6. … eine gelungene Antwort nennen:
„Wer zuletzt ankommt ist Fan von Phil Collins“. Darüber kann ich wirklich lachen. Schauen Sie mal, ob Sie den Film dazu finden.



7. … einen Vorspann nennen,
es wäre natürlich einer von Saul (und Elaine) Bass.
Mir fällt unter anderem der von Casinoein. Eine unglaubliche Mischung aus der Matthäuspassion, einer Hommage an Scorsese und Pasolini, und diesen Flammen und dem Körper der im Raum schwebt.


CASINO par GENERIKE



8 … ein Filmplakat bestimmen,
wäre es Blow up. Eine Phantasiereise jagt die nächste.





9. … eine erste erotische Wallung nennen,
würde ich die erste nehmen, an die ich mich erinnere. Vielleicht war es gar nicht die erste. Es ist jedenfalss die Szene mit der Salatgurke aus Unmoralische Geschichtenvon Walerian Borowczyk.
Wenn ich ans Fernsehen denke, fällt mir dabei Diana Rigg als Emma Peel ein. Ich träume noch heute von ihren tollen Outfits.



10. … einen Lachanfall nennen,
fällt mir spontan keiner ein. Ich lache leider wenig im Kino.
Dummheit ist natürlich immer belustigend. Vor dem Fernseher habe ich einmal leicht betrunken einen Lachanfall bekommen, als ich The Big Lebowskizum zweiten Mal sah. Das erste Mal musste ich gar nicht so sehr lachen.



11. … mich an einen großen Schrecken erinnern,
wäre es der bei Shining. Der Film kam in den achtziger Jahren ins Kino und war freigegeben ab 13. Ich war erst 12 und bin trotzdem ins Kino reingekommen. Das habe ich bereut. Die Zwillingsmädchen im Flur, die verwesende Alte im Spiegel ….





12. … mich an eine Träne erinnern...
es gab so viele Tränen ...



13. … ein Detail aus einem Film nennen,
könnte ich das nicht. Es gibt keine Details in Filmen, und wenn es sie geben sollte, sehe ich sie nicht.



14. … eine Kamerafahrt auswählen,
käme mir eine ganz vage Erinnerung. Es ist so lange her, so ewig lange her. In Godards Rette sich wer kann, fährt die Kamera nach dem Unfall von Jacques Dutronc auf ein Streichquartett zu, das auf der Straße spielt. Völlig verrückt, aber vielleicht habe ich es auch nur geträumt.



15. … eine Nahaufnahme bestimmen,
würde ich sämtliche Nahaufnahmen ohne Gesichter von Robert Bresson nennen.
Bei Nahaufnahmen von Gesichtern kommt mir sofort Al Pacino in den Sinn. Es ist der Ausdruck in Der Pate II, als er begreift, dass sein Bruder ihn verraten hat.



16. … einen todlangweiligen Kinoklassiker nennen,
wäre es Kinder des Olymp. Obwohl. Eigentlich habe ich nur die erste Viertelstunde gesehen ...



17. … eine tolle Szene aus einem ansonsten unsäglichen Film nennen,
wäre es die Szene mit dem Mann und dem Kind. Phantastisch. Umwerfend. Den Rest des Films kann ich nicht ausstehen, er ist viel zu konstruiert. Den Titel lasse ich weg, da ich den Regisseur kenne.



18. … eine unsägliche Szene aus einem ansonsten tollen Film nennen,
wären es die Rückblenden in Eyes Wide Shut. Ich kann diese Schwarz-Weiß-Bilder mit Nicole Kidmans erotischen Träumen nicht ausstehen.
Lange dachte ich, dass Kubrick sie herausgeschnitten hätte, wenn er nicht vor Beendigung des Films gestorben wäre. Dann habe ich sie akzeptiert. Ich weiß zudem nicht, wie er sie hätte weglassen können.





19. … eine Schlussszene wählen,
käme ich ins Zögern. Entweder die von Pickpocket oder die von Der Pate I. Schlussendlich nehme ich die Tür, die sich hinter Al Pacino schließt, während Diane Keaton ihm nachschaut. Damit ist alles gesagt.





20. … abschließend die schwierigste Auswahl überhaupt treffen,
wäre das die einer einzigen Einstellung. Da die Frage unmöglich zu beantworten ist, mache ich es mir leicht: Die Tür, die sich hinter Al Pacino schließt, während Diane Keaton ihm nachschaut.



Bertrand Bonello




































































































Erstellt: 17-11-10
Letzte Änderung: 31-01-12