Sehr politisch und sehr realitätsnah sei der diesjährige Wettbewerb der 56. Internationalen Filmfestspiele in Berlin; so Dieter Kosslick auf der Pressekonferenz vor einer Woche, als zum wiederholten Male das Motto eines akualitätsbezogenen, engagierten Festivals ausgegeben wurde. Man will und muss sich abgrenzen zum Festival in Cannes, denn so viele Stars und Hochkaratfilme wie die ‚Croisette’ wird die im Februar mausgraue, saukalte Berlinale mit ihrem Wind zerzausten Potsdamer Platz nie anlocken können. Doch versprechen der Wettbewerb und auch die ‚außer Konkurrenz’ gezeigten Filme in der Tat einiges mehr als der durchwachsene letzte Jahrgang, dessen wirklich innovative Beiträge am Ende auch noch so gut wie leer ausgingen.
Diesmal aber gibt es Filme von Altmeistern wie Robert Altman („A Prairie Home Companion“) mit Woody Harrelson, Tommy Lee Jones, Merly Streep, Lily Tomlin und Kevin Cline, von Sidney Lumet („Find Me Guilty“), von Claude Chabrol („“L’Ivresse du Pouvoir“),von Jasmila Zbancic („Grbavica“), vom Iraner Jafar Panahi („Offside“), dem Briten Michael Winterbottom („The Road to Guantanamo“) und dem Thailänder Pen-ek Ratanaruang („Invisible Waves“ - Kamera: Christopher Doyle), die für brisante Themen und teilweise auch für die dringend benötigten Stars stehen.
Zugesagt haben ihr Kommen bisher Meryl Streep, George Clooney, Claude Chabrol, Heath Ledger, Nick Cave, Isabelle Huppert, Alan Rickman, Sigourney Weaver, Natalie Portman und Philip Seymour Hoffman. Hinzu wartet die Berlinale auch mit einigen Überraschungscoups auf – Terrence Mallick, der den Goldenen Bären 199 mit „The Thin Red Line“ gewann, präsentiert sein sehnlichst erwartetes neues Werk („The New World“) in Berlin, Michel Gondry zeigt „The Science of Sleep“, Stephen Gaghan den nicht mehr ganz taufrischen „Syriana“ mit George Clooney und Chen Kaige „Wu Ji (The Promise)““. Dass die Jury mit ihren
Entscheidungen diesmal unangefochten bleibt, dafür sorgen Präsidentin Charlotte Rampling und Mitstreiter wie Matthew Barney, Janusz Kaminski oder Armin Mueller Stahl.Vergessen oder unterschätzen sollte man auch die vier deutschen Wettbewerbsbeiträge nicht: „Elementarteilchen“ von Oskar Roehler nach dem gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq, „Requiem“ von Hans-Christian Schmid über eine Teufelsaustreibung in Deutschland, „Sehnsucht“ von Valeska Griesebach und „Der Freie Wille“ von Mathias Glasner. Wenn Dieter Kosslick im Vergleich zu seinem Vorgänger Moritz de Hadeln eines gelungen ist, dann das: er hat deutschen
Regisseuren den Mut und die Lust zurückgegeben, ihre Filme im eigenen Land an prominentester Stelle vor einem in der Vergangenheit manchmal überkritischen Publikum zu zeigen. Die „Nouvelle Vague(lette) Allemande“ wird nun auch im Ausland schon seit ein paar Jahren interessiert wahrgenommen. Außer Valeska Griesebach zeigen auch andere Vertreter dieses neuen deutschen Mini-Exportschlagers, Henner Winckler mit „Lucy“ in der Nebenreihe „Forum“ und Ulrich Köhler mit „Montags kommen die Fenster“ (Panorama) ihre neuesten, in der Tradition des französischen Autorenfilms stehenden Filme.
Der „Talent Campus“ und eine Veranstaltungsreihe in der Französischen Botschaft beschäftigen sich in diesem Jahr mit der Kunst des Essens im Film. Unter dem Motto „Hunger, Food and Taste“ diskutieren internationale Regisseure und Foodspezialisten über die kreativen Gemeinsamkeiten zwischen Essen und Filmemachen. Der Europäische Film Mark, gestärkt durch den Wegfall des American Film Market im Februar, eröffnet seine Pforten im Martin-Gropius-Bau. Eröffnet wird die Berlinale mit „Snow Cake“ mit Sigourney Weaver und Alan Rickman, als krönender Abschluss läuft „Pat Garrett & Billy the Kid“ von Sam Peckinpah. Martin Rosefeldt






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