Über die Dreharbeiten schreibt Walter Ruttmann 1927:
"Tag für Tag fuhr ich mit meinem Aufnahmewagen durch die Stadt um bald im Westen den verwöhnten Kurfürstendammbewohner zu überlisten, bald im Scheunenviertel ärmstes Berlin einzufangen. Täglich wurden die Aufnahmen entwickelt und ganz ganz langsam, nur für mich sichtbar begann sich der erste Akt zu formen. Nach jedem Schnittversuch sah ich was mir noch fehlte, dort ein Bild für ein zartes Crescendo; hier ein Andante, ein blecherner Klang oder ein Flötenton und danach bestimmte ich immer von neuem, was aufzunehmen und was für Motive zu suchen waren – ich formte mein Manuskript dauernd neu während der Arbeit."(Walter Ruttmann, Licht-Bild-Bühne, 08.10.1927)
Ausschnitte aus dem Film(Windows Media Video, 3'29'')
Eingegangen in die Filmgeschichte ist der Film aufgrund seiner zahlreichen technischen Innovationen, mobile Kleinstkameras kamen ebenso zum Einsatz wie hochempfindliches Filmmaterial, das erstmals neuartige Nachtaufnahmen erlaubte. Ein weiteres Novum war die tragende Rolle der Musik, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Edmund Meisel entstand; Edmund Meisel gilt als der erste genuine Filmkomponist der Filmgeschichte. Seine Musik folgt dem Wirbel des im Film abrollenden Großstadtlebens in einem Tempo, das die Wirkung nicht unwesentlich erhöht. Sie entwirft ein vielschichtiges Klang-Bild der Stadt, umgesetzt und stilisiert in markanten, rhythmischen Leitmotiven wie „…Arbeitsmarsch – Maschinenrhythmus – Kontrapunkt des Potsdamer Platzes – Mittagschoral der Großstadt – Verkehrsfuge - Steigerung aller Großstadtgeräusche in kontrapunktischer Durchführung der Hauptthemen zur Schlußfermate BERLIN.“ (Edmund Meisel zu seiner Musik, 1927)Meisels fünfaktige Großstadt-Sinfonie kam mit einem 75-köpfigen Orchester zur Uraufführung, unter-stützt von einer achtköpfigen Jazz-Combo und Viertelton-Harmonium. Diese Fassung wurde nun rekonstruiert; anlässlich des 80-jährigen Filmjubiläums hat ZDF/ARTE eine neue Orchestrierung der (nur als Klavierauszug überlieferten) Musik in Auftrag gegeben und mit dem RSB neu produziert. Ergänzend dazu wurde der Film im Bundesarchiv Berlin restauriert und liegt nun in einer fotografisch brillanten Bildfassung vor.
Das Projekt ist eine Koproduktion des Bundesarchivs/Filmarchivs, des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE, sowie dem Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin und Deutschlandradio Kultur.






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