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Stummfilm

Mit dem expressionistischen Stummfilm-Klassiker DAS CABINET DES DR. CALIGARI setzt ZDF/ARTE seine Reihe der Filmkonzerte auf der Berlinale fort.

Stummfilm

Stummfilm auf ARTE - Freitag, 30.November 2007 um 00.20 Uhr - 13/04/12

Berlin. Die Sinfonie der Großstadt

Ein Stummfilm von Walter Ruttmann


BERLIN. DIE SINFONIE DER GROßSTADT entstand 1927 unter der Regie von Walter Ruttmann. Der Film ist mit seinen dokumentarischen Aufnahmen und rhythmischen Montagen eine Hommage an die Metropole Berlin, an den Puls des modernen Lebens und an die Stadt als großem sozialem Organismus – gesehen im Tagesablauf von 24 Stunden.
Im Anschluss zeigt ARTE ebenfalls als Erstausstrahlung der restaurierten Fassungen drei abstrakte Kurzfilme von Walter Ruttmann (OPUS II, III, IV).

„Morgen, Mittag und Abend, Arbeit und Maschinen, Straße, Restaurant, Varieté und Revue, Sechstagerennen, Boxen - dramatisch durch die Bewegung, fabelhaft geschnitten, fabelhaft anschwellend, fabelhaft in die Ruhe des Mittags zurückgleitend, fabelhaft in die Nachtbilder gesteigert. Ein musikalischer Film.“ (Herbert Ihering im Berliner Börsen Courier, 1927)


Über die Dreharbeiten schreibt Walter Ruttmann 1927:
"Tag für Tag fuhr ich mit meinem Aufnahmewagen durch die Stadt um bald im Westen den verwöhnten Kurfürstendammbewohner zu überlisten, bald im Scheunenviertel ärmstes Berlin einzufangen. Täglich wurden die Aufnahmen entwickelt und ganz ganz langsam, nur für mich sichtbar begann sich der erste Akt zu formen. Nach jedem Schnittversuch sah ich was mir noch fehlte, dort ein Bild für ein zartes Crescendo; hier ein Andante, ein blecherner Klang oder ein Flötenton und danach bestimmte ich immer von neuem, was aufzunehmen und was für Motive zu suchen waren – ich formte mein Manuskript dauernd neu während der Arbeit."
(Walter Ruttmann, Licht-Bild-Bühne, 08.10.1927)


Ausschnitte aus dem Film
(Windows Media Video, 3'29'')


Eingegangen in die Filmgeschichte ist der Film aufgrund seiner zahlreichen technischen Innovationen, mobile Kleinstkameras kamen ebenso zum Einsatz wie hochempfindliches Filmmaterial, das erstmals neuartige Nachtaufnahmen erlaubte. Ein weiteres Novum war die tragende Rolle der Musik, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Edmund Meisel entstand; Edmund Meisel gilt als der erste genuine Filmkomponist der Filmgeschichte. Seine Musik folgt dem Wirbel des im Film abrollenden Großstadtlebens in einem Tempo, das die Wirkung nicht unwesentlich erhöht. Sie entwirft ein vielschichtiges Klang-Bild der Stadt, umgesetzt und stilisiert in markanten, rhythmischen Leitmotiven wie „…Arbeitsmarsch – Maschinenrhythmus – Kontrapunkt des Potsdamer Platzes – Mittagschoral der Großstadt – Verkehrsfuge - Steigerung aller Großstadtgeräusche in kontrapunktischer Durchführung der Hauptthemen zur Schlußfermate BERLIN.“ (Edmund Meisel zu seiner Musik, 1927)

Meisels fünfaktige Großstadt-Sinfonie kam mit einem 75-köpfigen Orchester zur Uraufführung, unter-stützt von einer achtköpfigen Jazz-Combo und Viertelton-Harmonium. Diese Fassung wurde nun rekonstruiert; anlässlich des 80-jährigen Filmjubiläums hat ZDF/ARTE eine neue Orchestrierung der (nur als Klavierauszug überlieferten) Musik in Auftrag gegeben und mit dem RSB neu produziert. Ergänzend dazu wurde der Film im Bundesarchiv Berlin restauriert und liegt nun in einer fotografisch brillanten Bildfassung vor.

Das Projekt ist eine Koproduktion des Bundesarchivs/Filmarchivs, des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE, sowie dem Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin und Deutschlandradio Kultur.

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Berlin, die Sinfonie der Großstadt
Deutschland, 1927, s/w, 63mn, ZDF/ARTE, Erstausstrahlung
Restaurierter Stummfilm mit der Originalmusik von Edmund Meisel; Orchesterfassung: Bernd Thewes

Regie: Walter Ruttmann
Buch: Karl Freund, Walter Ruttmann nach einer Idee von Carl Mayer
Musik: Edmund Meisel
Kamera: Robert Baberske, László Schäffer, Reimar Kuntze
Schnitt: Walter Ruttmann
Produktionsfirma: Fox-Europa-Produktion (Berlin)
Herstellungsleitung: Karl Freund
Länge: 5 Akte, 1466m
Uraufführung: 23.09.1927, Berlin, Tauentzien-Palast
Filmrestaurierung Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin
Länge: 1446 m = 63 Minuten bei 20 Bilder/Sec
Musik-Bearbeitung: Bernd Thewes (i.A. des ZDF)
Dirigent: Frank Strobel
Einspielung: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Produktion: Christian Schwalbe
Redaktion: Nina Goslar, Stefan Lang (Deutschlandradio Kultur)
Wiederaufführung: 24.09.2007, Friedrichstadtpalast, Berlin
Koproduktion von ZDF/ARTE mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv,
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Deutschlandradio Kultur


Erstellt: 27-11-07
Letzte Änderung: 13-04-12