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Kulinarisches Kino

Im März gibt sich ARTE den Gaumenfreuden auf der Leinwand hin. Seit den Anfängen des Kinos mit den Gebrüdern Lumière spielt Essen im Film eine essentielle (...)

Kulinarisches Kino

Montag, 20.03.06 um 20.45 Uhr - 17/03/06

Bella Martha

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In der Küche des Hamburger Edel-Restaurants Lido ist Martha der Chef, das Kochen betreibt sie exzessiv und obsessiv. Wehe dem Gast, der es wagen sollte, eine ihrer Kreationen zu bemängeln! Martha steht fest im Leben - zumindest glaubt sie das. Sogar die von der Restaurantbesitzerin verordneten Therapiesitzungen beim Psychologen können Marthas Selbstbild nicht trüben - solange sie die edlen Speisen kreieren kann, gibt es keinen Anlass zur Sorge. Denn andere Dinge haben in ihrem zwanghaft ausbalancierten Leben ohnehin keinen Platz. Diese Routine wird gründlich aus dem Lot gebracht, als Marthas Schwester plötzlich bei einem Autounfall ums Leben kommt und eine achtjährige Tochter zurücklässt, die versorgt werden muss. Martha nimmt die verstörte Lina bei sich auf und beschließt, den Vater des Kindes ausfindig zu machen, der, von der Existenz seiner Tochter nichts ahnend, in Italien lebt. Martha ist überfordert, und zum ersten Mal versagen ihre Kochkünste: Lina will von Martha nichts wissen und isst auch vor Kummer nichts. Währenddessen gibt es auch im Restaurant eine einschneidende Veränderung: Die Besitzerin des Lido stellt in Marthas Abwesenheit kurzerhand einen zweiten Chefkoch ein - den lebensfrohen Italiener Mario, ein Meister seines Fachs. Martha fühlt sich übergangen und will dem Nebenbuhler die Suppe gründlich versalzen. Doch dann kommt alles ganz anders.

"Bella Martha" ist eine melancholische Komödie über die verschlossene Köchin Martha, die durch plötzliche Veränderungen in ihrem Leben zu neuer menschlicher Nähe findet - woran der warmherzige Italiener Mario, dem sie an ihrem Herd Platz machen muss, nicht ganz unbeteiligt ist. Dabei ist "Bella Martha" selbst eine Delikatesse auf dem Filmmarkt - Komödie und Drama gehen eine leicht bekömmliche, dabei gehaltvolle Melange ein, bei der die Prise Romantik nicht fehlt. Nach "Lola rennt" ist er der erfolgreichste deutsche Film in den Vereinigten Staaten und fand auch in Deutschland ein begeistertes Publikum aller Altersklassen. "Bella Martha" gewann den Deutschen Filmpreis 2002 und wurde für den Europäischen Filmpreis nominiert. Ein fulminanter Erfolg für das Erstlingswerk der Hamburger Regisseurin und Autorin Sandra Nettelbeck. Sie besuchte von 1987 bis 1992 die Filmhochschule in San Francisco. 2004 drehte sie den Kinderfilm "Sergeant Pepper" mit Barbara Auer und Martina Gedeck.

Martina Gedeck ist bekannt aus "Stadtgespräch" und "Das Leben ist eine Baustelle". Die Figur der Martha spielt sie mit sensibler Kraft und einer schauspielerischen Intensität, die berührt. Sie gewann für ihre Performance in "Bella Martha" den Deutschen Filmpreis und erhielt eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis. In diesem Jahr wird sie in Stefan Krohmers "Sommer 01 an der Schlei" (2006), der Houellebecq-Verfilmung "Elementarteilchen" (2006) von Oskar Roehler und in "Das Leben der Anderen" (2006) von Florian Henckel von Donnersmarck zu sehen sein.

Sergio Castellitto ist in Italien ein großer Film- und Fernsehschauspieler, bekannt vor allem für "Der Schrei der Seide" (1996) von Yvon Marciano, und erhielt mit "Bella Martha" den Europäischen Filmpreis.

August Zirner spielte mit Martina Gedeck schon in "Stadtgespräch" und ist in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen wie "Das Sams" (2001) und "Taking Sides" (2001) von István Szabó zu sehen. Sibylle Canonica ist bekannt aus "Jenseits der Stille" (1996) und "Fette Welt" (1998), Katja Studt aus "Die tödliche Maria" (1993) und "Blueprint" (2003).



Bella Martha
Regie: Sandra Nettelbeck
Drehbuch: Sandra Nettelbeck
Kamera: Michael Bertl
Musik: Keith Jarrett, Arvo Pärt, David Darling
Schnitt: Mona Bräuer
Ausstattung: Sigrid Schroeder
Ton: Luc Yersin
Produktion: Pandora Film
Produzent: Karl Baumgartner, Christoph Friedel
Mit: Martina Gedeck (Martha), Sergio Castellitto (Mario), Maxime Foerste (Lina), Sibylle Canonica (Frida), Katja Studt (Lea), Idil Üner (Bernadette)
Spielfilm, Deutschland / Österreich / Schweiz 2001, 99 Min.
ARTE strahlt diesen Film auch in einer untertitelten Fassung für Hörgeschädigte aus.
ARTE/SWR
Wiederholung am 26. März um 0.25 Uhr und am 2. April um 15.50 Uhr

Erstellt: 17-03-06
Letzte Änderung: 17-03-06