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Kino auf ARTE - 23/12/11

Being John Malkovich

Spielfilm, USA 1999, ZDF
Regie: Spike Jonze; Buch: Charlie Kaufman; Kamera: Lance Acord; Schnitt: Eric Zumbrunnen; Musik: Carter Burwell; Produzent: Steve Golin, Vincent Landay, Sandy Stern, Michael Stipe, Charlie Kaufman; Produktion: Gramercy Pictures, Single Cell Pictures, Propaganda Films
Mit: John Cusack - (Craig Schwartz), Cameron Diaz - (Lotte Schwartz), Catherine Keener - (Maxine Lund), John Malkovich - (John Horatio Malkovich), Orson Bean - (Dr. Lester), Charlie Sheen - (Charlie)

Dem erfolglosen Puppenspieler Craig gelingt das Unfassbare: Er dringt über ein Portal im siebeneinhalbten Stock eines Bürohauses in den Kopf des Schauspielers John Malkovich ein. Diese auf 15 Minuten beschränkten Kurztrips beginnt er mit seiner reizenden Kollegin Maxine zu vermarkten. Doch bald schon befinden sich die beiden in einem erbitterten Kampf mit einer Reihe Interessenten um die Vorherrschaft im Kopf des Schauspielers.



Craig Schwartz ist ein erfolgloser Puppenspieler, der mit seinen Marionetten durch die New Yorker Straßen tingelt. Kaum jemand interessiert sich für die düsteren, leidenschaftlichen Geschichten, die er auf seine kleine Bühne bringt. Auch die Aufmerksamkeit seiner Frau Lotte gehört nicht wirklich ihm, sondern den ungezählten Tieren, darunter ein Affe, denen sie in ihrer Wohnung Asyl gewährt.
Nach längerem Drängen Lottes entschließt sich Craig endlich, eine geregelte Arbeit zu suchen. Er erhält im siebeneinhalbten Stock eines Hochhauses von einem gewissen Doktor Lester einen Bürojob, der allerdings dadurch erschwert ist, dass hier wegen der niedrigen Decken niemand aufrecht gehen kann. Der angeblich 105-jährige Lester trinkt nur Karottensaft und hat ansonsten nichts als Sex im Kopf. Craig lernt seine Kollegin Maxine kennen, mit der er erfolglos flirtet, bis er zufällig hinter einem Schrank eine geheimnisvolle Tür entdeckt. Der dahinterliegende dunkle Gang erweist sich als Portal ins Bewusstsein des Schauspielers John Malkovich. Er schaut durch dessen Augen und erlebt dessen gerade gelebte Gegenwart mit.
Nach einer Viertelstunde allerdings wird Craig unvermittelt aus dem Kopf geschmissen und landet im Nirgendwo an einer Autobahn in New Jersey. Als Craig dies Maxine erzählt, bringt sie ihn dazu, aus der mysteriösen Angelegenheit ein Geschäft zu machen: Für 200 Dollar bieten sie Einlass in den Kopf von John Malkovich. Wie sich bald erweist, hat das Geschäft allerdings mehrere, gewichtige Haken. Da ist zum einen Doktor Lester, der mit dem Portal in John Malkovichs Kopf ganz eigene Pläne hat. Und dann ist da John Malkovich selbst, der sich auch gerne einmal selbst "über die Schulter" schauen würde. Spätestens da wird es kompliziert, zumal beide, Craig und seine Frau Lotte, hoffnungslos in Maxine verliebt sind und diese Liebe auch erwidert wird - aber nur wenn die beiden im Körper von John Malkovich stecken ...

"Being John Malkovich" bedeutete für die kreativen Köpfe hinter dem Film - den Autor Charlie Kaufman und den Regisseur Spike Jonze - den internationalen Durchbruch. Ihre Art, Filme zu machen, war auf einen Schlag nicht nur "en vogue" sondern auch kommerziell ein Erfolg. Der Film war für drei Oscars nominiert und gewann mehr als 40 internationale Preise.
"Being John Malkovich" ist nur auf den ersten Blick eine verschrobene Komödie. Wie in allen Charlie-Kaufman-Stücken geht es auch hier um Identitätskrisen, um die Frage nach dem persönlichen Wesenskern in Zeiten permanenter medialer Bespiegelung und auf dem Einzelnen lastenden kommerziellen Drucks. Charlie Kaufman und Spike Jonze erweisen sich dabei als Meister in der Kunst, eine im wahrsten Sinne des Wortes "verkopfte" Geschichte völlig natürlich und unterhaltsam zu präsentieren.
Intellektuelle Erzählverfahren wie die berüchtigte "Mise-en-abyme" und gelehrte Referenzen wie zu Kleists Betrachtungen "Über das Marionettentheater" stehen sorglos neben absoluten Albernheiten wie den zu niedrigen Decken im siebeneinhalbten Stock des Bürohauses. Die Kunst der beiden besteht hier, wie auch in dem späteren "Adaptation" (2002), in dem klugen und zugleich zügellosen Spiel mit dem Geschichtenerzählen selbst.

Being John Malkovich
Donnerstag 19. Januar 2012 um 00.05 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1999, 108mn)
ZDF

Erstellt: 23-12-11
Letzte Änderung: 23-12-11