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15/01/08

Behandlungsmöglichkeiten

Die Ursachen der Depression und der bipolaren Störung geben bis heute viele Rätsel auf. Sicher weiß man : Die Depression ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine sehr ernst zu nehmende Krankheit.

Bei einem gesunden Gehirn sorgen die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin für die Übertragung von Signalen in den Nervenzellen des Gehirns. Bei depressiven und manischen Patienten ist dieser Botenstoffhaushalt gestört. Bis zu 40 % der Depression sind genetisch bedingt. Auch besonders schwierige Lebensumstände oder Krankheiten können Depressionen (mit) auslösen. Häufig diskutiert wird die Frage, ob der ständig wachsende Leistungs- und Anpassungsdruck dazu führen, dass immer mehr Menschen depressiv werden.
Da das Krankheitsbild bei jedem Patienten unterschiedlich ist, gibt es nicht DIE Therapie bei Depressionen und bipolare Störungen. Im Gespräch mit dem Arzt sollte für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erarbeitet werden, in dessen Zentrum eine möglichst umfassende Aufklärung über die Krankheit selber stehen sollte. Nur so können der Patient und seine Angehörigen bei Anzeichen einer neuen Krankheitsphase entsprechend agieren. Die konkrete Behandlung sollte in einer Kombination der verschiedenen zur Verfügung stehenden Therapien bestehen.

Medikamentöse Behandlung
Obwohl der Medizin heutzutage zahlreiche nebenwirkungsarme Medikamente zur Behandlung von Depressionen und bipolaren Störungen zur Verfügung stehen, werden nach wie vor viele Patienten nicht oder falsch behandelt. Da sich beide Krankheiten in ihrer Therapie grundlegend unterscheiden, sollte vor einer Medikamenteneinnahme eine exakte Diagnose erfolgen und ein individueller Behandlungsplan erstellt werden. Die aktuellen bei Depressionen eingesetzten Wirkstoffe erhöhen auf unterschiedliche Weise die Verfügbarkeit wichtiger Botenstoffe im Gehirn. Sie haben eine hohe Erfolgsquote, ohne den Patienten « abhängig » zu machen. Bis das passende Medikament gefunden und die Dosis richtig « eingestellt » ist, können mehrere Wochen vergehen. In dieser Phase ist eine enge psychologische Betreuung wichtig. Bei Patienten, die auf ein Medikament gut ansprechen, kann der gleiche Wirkstoff in geringerer Dosis später helfen, Rückfälle zu mindern.
Bei bi-polaren Patienten werden stimmungs- stabilisierende Medikamente eingesetzt – hauptsächlich Lithiumsalze, Carbamazepin und Valproinsäure. Da das ideale Medikament für bi-polare Störungen jedoch nicht nicht existiert, ist gerade bei diesen Patienten eine Kombination mit begleitenden Therapien wichtig.

Psychotherapie
Psychotherapeutische Verfahren haben heute ihren festen Platz als Begleittherapie zur medikamentösen Behandlung. Da diese eine aktive Mitarbeit des Patienten erfordern, sollten sie nicht während einer akuten depressiven Phase erfolgen. Während man in Frankreich in erster Linie auf die Psychoanalyse setzt, werden in Deutschland eher kurze psychotherapeutische Verfahren angewandt.

Transcranielle Magnetstimulation (TMS)
Die transkranielle Magnetstimulation wird in der Psychiatrie bereits seit 20 Jahren als mögliche antidepressive Therapie erforscht. Bei der Therapie werden in einer Magnetspule, die an den Schädel gehalten wird, durch Stromstöße sehr starke Magnetfelder erzeugt, die durch die Schädeldecke zur betroffenen Hirnregion vordringen und die dortigen Nervenzellen zu vermehrter Aktivität anregen. Bei dieser Stimulation wird kein Krampf ausgelöst, die Behandlung erfolgt ohne Narkose.

Elektrische Durchflutungstherapie
Wenn alle anderen Therapieversuche scheitern, kann bei schwer depressiven suizidgefährdeten Patienten die Elektrokrampftherapie helfen. Dabei werden am Kopf des Patienten Elektroden befestigt, durch die ein minimaler elektrischer Strom in das Gehirn geschickt wird, wodurch ein epileptischer Krampf ausgelöst wird. Die Behandlung erfolgt unter Narkose und der zusätzlichen Gabe eines muskelentspannenden Medikamentes. Eine Behandlung muss etwa dreimal in der Woche durchgeführt werden, die Erfolgsquote liegt bei etwa 80 %. Die Nebenwirkungen und Risiken konnten durch neue Techniken deutlich gesenkt werden. Leider hat diese Methode nach wie vor einen schlechten Ruf und steht in vielen deutschen Fachkliniken nicht zur Verfügung.

Magnetkrampftherapie
Bei der Magnetkrampftherapie wird die transkranielle Magnetstimulation (TMS) zur Auslösung von Krampfanfällen eingesetzt. Dieses neue Verfahren ist eine Weiterentwicklung sowohl der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation als auch der Elektrokrampftherapie und wird momentan unter anderem an der Uniklinik Bonn erprobt. Sie ist sanfter als die Elektromethode, wirkt bei 70% der Patienten und hat deutlich weniger Nebenwirkungen.

Tiefe Hirnstimulation
Auch für schwerst depressive Patienten gibt es vielleicht demnächst Hoffnung : Die tiefe Hirnstimulation. Hierbei werden zwei Elektroden dauerhaft in das Gehirn der Patientin eingepflanzt. Per Computer wird zunächst der optimale Weg für die Sonde festgelegt, mit der die Elektroden eingeführt werden. Der Patient ist während der mehrstündigen Behandlung meist bei Bewusstsein. Nach der OP werden die Sonden an eine Art Herzschrittmacher angeschlossen, der das Gehirn im Belohnungszentrum mit elektrischen Impulsen stimuliert. Von allen Hirnstimulationsmethoden gilt diese Methode als die vielversprechendste, da mit ihr auch tieferliegende Netzwerke erreicht werden können. Noch ist das Verfahren weltweit in der Erprobungsphase.

Schlafentzug, Lichttherapie und andere Verfahren
Dass Depression und Schlaf zusammenhängen, haben Ärzte schon sehr früh erkannt, das genaue Zusammenspiel ist jedoch nach wie vor unbekannt. Schlaf und Wachheitsregulation könnte aber einer der Schlüssel zum besseren Verständnis der Krankheit sein. Bekannt ist etwa, dass bei Patienten mit Manien diese oft durch Schlafmangel ausgelöst werden. Umgekehrt wirkt Schlafentzug antidepressiv bei Menschen mit Depressionen. Der Patient geht hierbei zur normalen Zeit zu Bett, wird aber um etwa 1 Uhr geweckt und durch Beschäftigung am Einschlafen gehindert. Mit drei Schlafentzügen in der Woche lassen sich gute Erfolge erzielen. Da die Wirkung nur etwa 1-2 Tage anhält, handelt es sich hierbei um ein Verfahren, das in Kombination mit Pharmako- und Psychotherapie zum Einsatz kommt. Bei depressiven Menschen haben sich zudem Ausdauertraining und Lichttherapie als hilfreich erwiesen, bei bi-polaren Patienten werden chronobiologische Therapien erfolgreich eingesetzt.

Pflanzliche Wirkstoffe
Ergänzend zu den beschriebenen Therapien können auch pflanzliche Wirkstoffe in Form von Kapseln oder Tees angewendet werden. Da es auch bei ihnen zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen kommen kann, sollten sie nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Johanniskraut ist das momentan am meisten verordnete pflanzliche Antidepressivum in Deutsch land. Auch Baldrian, Hopfen und Melisse wirken beruhigend und können bei Schlaflosigkeit und Verspannungszuständen helfen.

Erstellt: 09-01-08
Letzte Änderung: 15-01-08