Wenn Franzosen etwas begehren - und das nicht nur geistig im Sinne von "Wünschen" oder "Streben nach", sondern auch körperlich im Sinn von Begierde - sprechen sie von "désir". Wie im damit verwandten Desiderat im Deutschen steckt in "désir" das lateinische Wort "sidus" - der Stern. Durch das vorangestellte "dé" wird klar, dass dieser fehlt, man ihn somit vermisst. Vielleicht möchte man deswegen jemandem, den man sehr begehrt, "die Sterne vom Himmel holen". Diese Redewendung zeigt jedoch, dass das Begehren über das ersehnte Objekt hinausgeht, welches nur vorübergehend befriedigen kann - weil man ja bereit ist, sogar nach den Sternen zu greifen.

Dokumentationsreihe, Frankreich 2010, ARTE F, Synchronfassung, Stereo
Regie: Philippe Truffault

In der Sendung wird das Begehren aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet: Angefangen in der Antike bei Platon, Spinoza und Epikur über Karl Marx bis hin zu Lacan und Freuds Aufsatz "Über das Unbehagen in der Kultur". Der philosophische Exkurs zeigt am Ende, dass man zwischen falschen und wahren Begierden unterscheiden muss. Das wahre Begehren ist das, was uns nicht von uns selbst entfremdet, sondern uns zu dem macht, was wir sind.
David Rabouin ist promovierter Philosoph und Forschungsbeauftragter am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) ; sein Schwerpunkt ist die Beziehung zwischen Philosophie und Mathematik. Seine Anthologie über das Begehren ist unter dem Titel "Le Désir" bei Flammarion erschienen.
In der Sendung zitierte Literatur:
- Le désir
Herausgegeben von par David Rabouin
Flammarion - David Rabouin
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Spinoza, Ethique locale
Presses universitaires de France - Baruch de Spinoza
Die Ethik
Schriften und Briefe
Kröner Verlag - Sigmund Freud
Das Unbehagen in der Kultur
Und andere kulturtheoretische Schriften
Fischer Taschenbuch Verlag





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