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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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13.- 24. Januar 2005 - 25/01/05

Bangkok International Film Festival

oder: Smile all the time


Eines ist klar: In Bangkok gibt es das freundlichste Filmfestival der Welt

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Dutzende thailändischer Filmfestivalmitarbeiter mit weißen „Volunteer“-Ausweisen begrüßen einen mit einem breiten Lächeln. Als europäischer Gast fühlt man sich hier sofort willkommen und gut aufgehoben.

Doch das labyrinthische Moment dieser Stadt überträgt sich auch auf die Kinos des Festivals: Es ist alles andere als einfach, das EGV MET 10 in der achten Etage einer riesigen Shopping Mall zu finden, noch zumal sich die Namen der Kinos verdammt ähneln. Da gibt es etwa das EGV GRAND und das EGV MET, die man besser nicht verwechseln sollte, denn sie befinden sich nicht im gleichen Gebäudekomplex. Ganz zu schweigen von den SF CINEMAS und dem SFX EMP. Es dauert genau 40 Minuten um von einem zum anderen zu kommen, ich habe es ausprobiert. Sympathischerweise ist es jedoch auch für zu spät kommende möglich, den Film noch zu sehen. Jederzeit. Mit persönlicher Begleitung wird der Gast zu seinem nummerierten Platz geführt, nachdem die Eintrittskarte aus Plastik im Scheckkartenformat mit einem Locher entwertet wurde.

Highlight vor jedem Screening ist nicht - wie sonst bei Festivals üblich - der Festivaltrailer. Den gibt es zwar auch, aber das schöne Ritual des „Königfilms“ stellt den Trailer in den Schatten. Respektvoll erheben sich alle im Saal anwesenden Personen, wenn der „Königsfilm“ beginnt. Es gibt mindestens fünf Variationen des ca. 3-minütigen Events. In einem fallen Fotos des thailändischen Königs in Form von Regentropfen, im Hintergrund sieht man thailändischen Urwald aus der Vogelperspektive während der Regenzeit. Der König ist extrem beliebt bei seinem Volk. Gerne lässt er sich mit einer Kamera um den Hals fotografieren. Ein anderer Königsfilm baut mit digitaler Raffinesse aus tausenden unterschiedlicher Königfotos ein riesiges Königsporträt.

Das Programm des Festivals besteht aus über 180 Filmen. Es gibt eine Kunavudhi Retrospektive, einen Tribute für Joel Schumacher, Oliver Stone und Olivier Assayas, einen Internationalen, einen Asiatischen und einen Dokumentarfilmwettbewerb, ein Panorama für thailändische Filme und Kurzfilme und die Sektion „Window to the World“. In dem aus 13 Beiträgen bestehenden Wettbewerb laufen zumeist Filme, die ihr Preis-Rennen bereits auf anderen Internationalen Film Festivals bestritten haben, etwa in Cannes und Venedig, wie etwa Olivier Assayas Clean, mit Maggie Cheung als Ex-Junkie, Park Chan Wooks provozierendes Werk Old Boy, Alejandro Amenabar bewegendes Drama Mar Adentro oder Mike Leighs preisgekröntes Werk Vera Drake.

Nur einen Film vermisst man sehr. Er lief als einziger thailändischer Wettbewerbsbeitrag auf dem Filmfest in Cannes und gewann dort den Grossen Preis der Jury: Apichatpong Weerasethakuls meisterhaftes Werk Sud Pralad/ Tropical Malady. Warum er nicht in seinem Heimatland in der Auswahl der besten thailändischen Filme des letzten Jahres zu sehen ist konnte oder wollte mir niemand so recht erklären. Immerhin liefert die Dokumentation MALADY DIARY - der die Dreharbeiten zu TROPICAL MALADY von Anfang bis Ende begleitete - einen spannenden Einblick hinter die Kulissen thailändischer Filmproduktionen.

Neben dem Filmprogramm wurden diverse Workshops angeboten. Ich entschied mich auf Grund des gelungenen Titels für „Making Love to the Lens“, und sollte es nicht bereuen. Kameramann Chris Doyle - der so gut wie sämtliche Filme Wong Kar Wais (In the mood for love, 2046, CHUNKING EXPRESS, FALLEN ANGELS) fotografiert hat, moderierte das Seminar. Eine witzige Idee, einem exzentrischen Australier der seit gut zwanzig Jahren in Asien lebt, solch eine Aufgabe anzuvertrauen - er meisterte sie auf seine Weise. Seine Gäste waren Eric Gautier (der Kameramann von Olivier Assayas Filmen wie CLEAN oder Irma VEP und von INTIMICY), Robert Fraisse der die Marguerite Duras „Der Liebhaber“-Verfilmung aus dem Saigon der 30er Jahre ins rechte Licht setzte und Rodriego Prieto der Filme wie Amores Perros und 8 MILE mit provokativer Handkamera fotografierte. Diskutiert wurde u.a. wie man eine intime Situation zwischen Schauspielern und der Kamera erzeugt. Einige sehr erotische Film-Szenen brachten das asiatische Publikum an die Grenze ihrer Toleranz.

Denn in diesem Punkt gibt es durchaus extrem unterschiedliche Sehgewohnheiten. Bei dem Film ANTARES von Götz Spielmann etwa, der als österreichischer Oscar-Beitrag ins Rennen geht steht im Katalog des Festivals unter der kurzen Inhaltsangabe eine Warnung: Dieser Film enthält sehr explizite Sexszenen. Mag sein, dass einige der anwesenden Thais ihr Programm nicht gut genug studiert haben. Nach dem Film durfte ich jedenfalls miterleben, wie sich ein Thai gegenüber seinen Freundinnen entschuldigte sie in diesen furchtbar verdorbenen Film mitgenommen zu haben.

Jede Nacht wurde der Festivalgast mit einer Party belohnt, und die zahlreichen Spirituosensponsoren taten ihr übriges, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Zu Thai-Pop und seltsamen asiatischen Variationen europäischer und amerikanischer Chart-Hits der 90er tanzten hübsche Thaigirls und Boys und die versammelten Farangs (= Ausländische Gäste) bis in die frühen Morgenstunden. Was kein Problem war, begannen doch die Screenings der Filme klugerweise täglich erst ab 12 Uhr mittags.

Der Filmmarkt – der erst seit einem Jahr existiert – hat sich bereits zu einem wirtschaftlich höchst interessanten Event für den südostasiatischen Raum entwickelt. Die Veranstalter luden die 300 akkreditierten Marktbesucher und Journalisten zu einer Pool-Party im schicken Shangri-La Hotel. Dort boten sie leckere thailändische Küche und zeigten auf einer über den Swimmingpool gespannten Leinwand Trailer von aufgeräumten und sauberen Sandstränden Phukets. Vor wenigen Wochen noch lagerten dort zu Hunderten die Leichen der Tsunami-Opfer. Jetzt erstrahlt der Strand in neuer Blüte.

Vor dem World Trade Center Bangkoks (in dem eines der Festivalkinos untergebracht ist) hat die TAT (Tourism Authority of Thailand) Dutzende von Ständen aufbauen lassen. Sie sollen die vom Tsunami gebeutelten Regionen wieder stärken und den Touristen die Angst nehmen in betroffene Gebiete zu fahren. Ein Teil der Einnahmen aus den Tickets, von speziellen Screenings und Galaveranstaltungen des Festivals geht außerdem in einen Fond, der für die Tsunami Opfer gegründet wurde.

Eines sei noch angemerkt, denn bei aller Gastfreundlichkeit sollten die Organisatoren des Festivals ein wenig mehr an ihre eigenen Landsleute denken. Kein einziger Film hat thailändische Untertitel. Jedes Internationale Filmfest bietet Untertitel für die Bevölkerung in der jeweiligen Landessprache, auch viel kleinere Festivals tun dies. Bei einem großzügigen Gesamtbudget des Festivals von fast 200 Millionen Baht, ungefähr vier Millionen Euro, sollten thailändische Untertitel bei allen Filmen eine Selbstverständlichkeit sein. Sonst könnte man noch auf die Idee kommen, dass den Organisatoren – ebenfalls die TAT – der Tourismus-Effekt wichtiger ist als die Filme ihres Festivals.

Nana A.T. Rebhan


Erstellt: 25-01-05
Letzte Änderung: 25-01-05