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Venedig 2005 - Außer Konkurrenz - 21/09/05

Backstage

Ein Film von Emmanuelle Bercot


Die hektische Beziehung der jungen Lucie zu ihrem Idol Lauren -
mit Kühnheit und mit angebrachtem Verzicht auf Sarkasmus verfilmt.

(Frankreich, 2005, 115 Min.)
Mit Emmanuelle Seigner, Isild le Besco, Noémie Lvovsky, Samuel Benchetrit

Synopsis : Während einer Fernsehsendung, in der ein Star einen seiner Fans zu Hause überrascht, begegnet die zerbrechlich wirkende Lucie (Isild le Besco) ganz flüchtig ihrem absoluten Idol, der Popsängerin Lauren Marks (Emmanuelle Seigner).

Durch diese Begegnung völlig durcheinandergebracht verlässt sie ihr Haus, um nach ihrem Götzenbild zu suchen. Es gelingt ihr, in das Pariser Hotel einzudringen, in dem Lauren sich von der Welt völlig abgekapselt hat. Durch einige Freunde und Verwandte umgeben scheint die Sängerin wenig dazu geneigt, sich der Aussenwelt zu stellen. Durch ihre Liebe und Zuneigung zu ihr, teilt Lucie allmählig das Privatleben Laurens und ist ausser Lage, auf irgendeine Weise Abstand zu nehmen.


Im Gespräch mit Emmanuelle Bercot
Im Gespräch mit Isild le Besco
Interview : Olivier Bombarda (Real Video)

Kritik: Nach Les Vacances (1997), La Puce (1998) und Clément (2001) setzt Emmanuelle Bercot ihre Untersuchung der verworrenen oder zum Konflikt neigenden Beziehungen zwischen der Gestalt eines Jugendlichen und der eines Erwachsenen fort. Das Postulat der Regisseurin kommt erneut eher durch gefühlvolle Pinselstriche als durch eine direkte Aussage zum Ausdruck. Ihr geht es vor allem darum, soziale oder generationsbedingte Verhaltensregel abzulehnen oder zumindest zu übersehen, um die emotionalen Beziehungen auf eine unerwartete und weniger vernünftige Weise unter die Lupe zu nehmen.


Emmanuelle Bercot hat sich ein dazu passendes Thema ausgesucht, indem sie der fanatischen Existenz Lucies, die aus Verehrung, Leiden und Wahnvostellungen besteht, das Leben ihres Idol entgegensetzt, dessen abgekapselter, statischer, und zwischen Launen und Tatenlosigkeit schwankender Alltag ebenfalls pathetisch und realitätsfern vorkommt. Wer ist die kindlichste von beiden? Bercot gibt keine Antwort darauf: weder Herabschätzung noch Sarkasmus. Leidenschaft und Schmerz führen zu einem vollkommen ungebändigten Benehmen, das auf der Leinwand durch einen bewegten Schnitt wiedergegeben wird: das zyklothyme Verhalten der Sängerin und die an Wahnsinn grenzende Verblendung ihrer Verehrerin ergänzen sich auf eine gefährliche und hektische Weise. Die Glaubwürdigkeit der Sequenzen wird dennoch gewährleistet und sogar durch die Gegenwart Valéry Zeitouns verschärft, eines der Vorstandsmitglieder von 'Az', einer Filiale von 'Universal Music France', die sich für Popsongs und an Jugendliche gerichtete Musik spezialisiert hat.


Diese Reise durch eine neurotische und künstliche Welt verläuft allerdings nicht ganz ohne Haken, wie es die von Samuel Benchetrit verkörperte Gestalt beweist, für die man jegliche Charakterschärfe und Glaubwürdigkeit vermisst. Unübersehbar ist der border-line-Aspekt und die Kühnheit dieses Filmes, der eher durch seine Form und Atmosphäre als durch die Zweideutigkeit des Inhalts unheimliche Gefühle hervorruft. Vor allem wenn Emmanuelle Seigner und Isild le Besco sich einander auf eine so unbehagliche und gleichzeitig atemberaubende Weise annähern.

Julien Welter


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Backstage
Von Emmanuelle Bercot
(Frankreich, 2005, 115 Min.)
Mit Emmanuelle Seigner, Isild le Besco, Noémie Lvovsky, Samuel Benchetrit
Eine Arte-Coproduktion
Vendig 2005 - Außer Konkurrenz

Erstellt: 30-08-05
Letzte Änderung: 21-09-05