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01.02.2008 - 22.30 / 02.02.08 - 03.00 : Tracks - 28/01/08

Backstage - Tod der Musikindustrie

Seit Jahren klagt die Musikindustrie, dass ihnen durch illegale Downloads von Musik Millionen-Verluste beschert werden. Bis jetzt sahen Lösungsversuche so aus, dass viel Geld in alberne Kampagnen gegen Raubkopierer gesteckt wurde. Jetzt geistert ein neues Zauberwort durch die Etagen der gebeutelten Majors - der „360 Grad Vertrag“ soll das Geschäft nun richten. Tracks wirft einen Blick auf die Zukunft des Musikgeschäfts.

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Vorbei sind die Zeiten als mit CDs soviel Umsatz gemacht wurde, dass große Konzerne mit Tausenden von Mitarbeitern prima Profit machten. Inzwischen, 10 Jahre nach dem Start der ersten Tauschbörsen im Internet, fangen die Plattenfirmen notgedrungen an, sich nach neuen Geschäfts-Modellen umzusehen.
Das neue Zauberwort heißt „360 Grad Vertrag“: Die Plattenfirmen wollen in Zukunft nicht mehr nur CDs verkaufen, sondern in allen Bereichen mitverdienen, also auch am Merchandising und an den Konzerteinnahmen beteiligt werden. Das stößt auf wenig Gegenliebe bei den Bands...

Devon Clifford: "Das ist eine Super-Idee für die Plattenfirmen, aber ich würde nie im Leben so einen Vertrag unterschreiben, das ist lächerlich. Unser Konzert gehört uns, die aufgenommene Platte kann man von uns kaufen und sie veröffentlichen, aber unsere Konzerte gehören uns allein, genau wie unser Merchandising - wir entwerfen das alles selbst und lassen es herstellen. Dass Plattenfirmen daran mitverdienen wollen - absurd, das wird nicht passieren!"

Kein Wunder, dass selbst so kleine Bands wie die kanadischen Dance-Punks von „You say Party! We say Die!“ sich nichts vom Ticket-Geld wegnehmen lassen wollen - nur mit live spielen lässt sich heute überhaupt noch Geld verdienen: 10 Prozent ihrer Einnahmen kommen aus dem Verkauf der Musik, der Rest stammt aus Livekonzerten. Selbst Die Fantastischen Vier, die in Deutschland regelmäßig die Verkaufscharts anführen, verdienen mittlerweile mit ihrer Konzerttour mehr als mit dem Verkauf von CDs. Bands müssen also viel live spielen - und neue Wege gehen.

Die Einstürzenden Neubauten, Deutschlands alternde Punk-Avantgardisten, sind digitale Vorreiter. Sie arbeiten längst ohne Plattenfirma, ihre Studioaufnahmen lassen sie sich direkt von den Fans bezahlen. Als so genannter „supporter“ überweist man der Band 35 Euro, dafür darf man ihnen bei der Studioarbeit per Webcam zuschauen; und erhält dann eine spezielle Luxus-Edition des jeweils neuen Albums. Gut Hundert der Supporter durften sogar live mit den Neubauten als Chor auftreten. Die Art, wie Musik gemacht wird, ändert sich radikal: Alben, wie wir sie seit den 60er Jahren kennen, landen vielleicht bald auf dem Müllhaufen der Geschichte. Während die Musikkonzerne stöhnen, haben sich die Musiker längst an die neue Zeit gewöhnt. Bei wenig Profit trennt sich die Spreu vom Weizen: Die, die es wirklich wollen, touren unermüdlich, haben persönlichen Kontakt mit ihren Fans - und werden sicher nicht aufhören, Musik zu machen, nur weil ein paar große Konzerne pleite gehen.

Blixa Bargeld: "Wenn man mit Musik kein Geld mehr verdienen kann, dann ist es ganz offensichtlich dass nur noch die Musik machen werden die das machen müssen,...wie war das mit Schönberg: „Kunst kommt nicht von Können, kommt von Müssen“"

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TRACKS
Freitag, den 02. Februar 2007 um 22.30 Uhr
Wiederholung am 02. Februar 2008 um 03.00 Uhr
Redaktion: WDR, Kobalt
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Erstellt: 28-01-08
Letzte Änderung: 28-01-08


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