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Donnerstag, den 19. Februar 2004 um 23.05 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 21.02 um 17.45 Uhr
Redaktion: SWR, Kobalt
Backstage - Claps

Es ist der einzige wirklich universelle Sound: das Klatschen. Jeder kann es. Selbst rhythmische Grobmotoriker schaffen es. Applaus, Anfeuerung, Rhythmus - der Clap ist alles zugleich und vielleicht deshalb gerade hip wie nie.
Die aktuelle Clapinvasion im Pop startete Busta Rhymes mit seinem Track "Make a Clap". Zu den fordernden Claps inszenierte er für den Clip einen ganzen Gottesdienst und erinnert damit an die Klatsch-Tradition in Gospelchören. Auch Meisterregisseur Quentin Tarantino vertraute für sein Kill-Bill-Gemetzel auf den Clap der alten Schule. Für den Soundtrack holte er das One-Hit-Wonder Santa Esmeralda aus der Versenkung - und plötzlich klang das Flamenco-Disco-Stück "Don´t let me be misunderstood" von 1977 mit seinen vielen Klatsch-Passagen wieder hochaktuell.
Jetzt können auch die Pariser Schmusepopper Air ihre Finger nicht vom Clap lassen. Allerdings: sie klatschen eher schüchtern. Ganz anders Missy Elliott: In ihrem aktuellen Clip "Pass the Dutch" versuchen sogar die Vogelscheuchen zu klatschen - kein Wunder, denn der Clap war die Mutter der Idee.
Der Clap ist das beste Mittel, um die Tanzenden aus der Reserve zu locken. Ein weiteres aktuelles Beispiel: Der Track "The Clapper" von den Detroit Grand Pubahs.
Weil das Klatschen so gut funktioniert, taucht es in der Musikgeschichte Genre-übergreifend auf: Als Anfeuerung im Jazz bei Nina Simone. Oder beim französischen Freestyle-Chansonnier Claude Nougaro und seiner "Locomotive d´Or". Niemand setzte so prägnant auf den Klatsch-Sound wie Queen. Neue Bedeutung erlangte der Clap durch Disco. In der künstlicher werdenden Musik war das Geräusch eine menschliche Note. Mit "The Breaks" setzte Kurtis Blow dem Sound auch im Hip Hop ein Denkmal.
Aus dem Klatsch-Schatz der Musikgeschichte schöpft zum Beispiel das Berliner House-Duo Tiefschwarz. Die Brüder sind für ihre scharf geschnittenen Knallklatscher weltweit bekannt. Für Ali Schwarz ist der Clap das Urgeräusch. Live geklatscht wird heute im Studio nicht mehr. Tiefschwarz und ihr Sound-Designer Jochen Schmalbach nutzen Clapvorlagen aus Soundbibliotheken. Die werden dann so lange mit Effekten versehen, bis sie in die Soundästhetik des Tracks passen. Und ein Clap passt eigentlich immer.
Links
>> Tiefschwarz
>> Busta Rhymes "Make a clap"
>> La bande-annonce de Kill Bill
>> Santa Esmeralda - "Don't let me be misunderstood"
>> AIR - Talkie Walkie
>> Missy Elliott "Pass that dutch"
>> Detroit Grand Pubahs "The clapper"
>> Kurtis Blow "The Breaks"
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 17-02-04