Anne Euler - "Une Caméra Traditionnelle"
"Une Caméra Traditionnelle" von Anne Euler ist zunächst eine Bilder produzierende körperliche Performance in Marokko. Alles sieht dabei auf den ersten Blick nach einer banalen studentischen Camping-Reise gen Süden aus. Doch der gelbe VW-Bus ‚hat es in sich': Er ist selbst eine übermannsgrosse Camera Obscura mit einer wenige Milimeter grossen Lochöffnung in der Wand. In seinem Inneren wird auf 2 m2 grossen Photopapierbögen das Äussere abgebildet. Zwei Performer sind am photographischen Prozess, der etwa 15 Minuten Belichtungszeit erfordert, beteiligt. Unbeweglich vor dem Bus posiert der eine, wie ein Fremdkörper inmitten der maghrebinischen Szenerie, auf dem entstehenden Bild lange weisse Schatten werfend. Weiss sind auch die Silhouetten, welche die zweite Performerin hinterlässt, die ihrerseits im Camping-Bus direkt vor dem Photopapier sitzt, und auf die Pose ihres Partners draussen antworten kann. So entstehen gleich mehrere Bild- und Bedeutungsebenen. Zwar sind es der Ort des abgestellten Vehikels und die eingefrorene Geste des Performers, welche das Motiv prägen. Doch das letzte Wort hat die im Herzen des Apparates verborgene Protagonistin - so als kommentiere und kontrolliere sie das Aufgenommene. Dies löst angesichts der marokkanischen Motive, in denen wegen der langen Belichtungszeit im Bild letztlich nur die Architektur, nicht aber Bewegungen sichtbar sind, Spekulationen über die intendierte Symbolik und Metaphorik aus. Auch im Digitalkamerazeitalter kann in Marokko nicht überall nach Herzens Lust drauf los geknipst werden, doch in die Geschlechterverhältnisse ist bei allem Anschein des Immergleichen Bewegung gekommen. Digital aufgenommen wird nun die gelbe, durchs Land fahrende Lochkamera zudem stets aus der Distanz mit einer zusätzlichen digitalen Videokamera: deren Bilder erscheinen allerdings als schier unbewegte Farbphotographien und verbergen, dass sie hier eine Bild-Apparatur abbilden, welche ihrer eigenen nicht unähnlich ist. Go Eun Im - "No(w)here"
Mit dem Verschwimmen von Gesehenem und Gesehenwerden spielt auch die Arbeit "No(w)here" des in Amsterdam lebenden südkoreanischen Künstlers Go Eun Im. ‚Nirgends' oder einfach ‚nicht hier'? Die originale, aber spiegelbildlich in einen Bilderrahmen montierte Inskription wird verdoppelt, indem sie von einer Videokamera aufgenommen und mittels Projektor direkt daneben als leicht verkleinertes Double versetzt - aber ins Lesbare verkehrt - an die Wand geworfen wird. Wird die Kopie als das Original empfunden, weil sie nun das Verständnis ermöglicht? Wird die Medialisierung in Echtzeit, die in ihrer potentiellen Umkehrung des real Eingefangenen den Schein zum Sein macht, vorgezogen? Das unlesbare Eigentliche wird im Nirgendwo der Übertragung zur Botschaft.Doch ob beabsichtigt oder nicht - Go Eun Im's konzeptuelle Installation mag in ihrer Wortwahl auf eine ganz andere Umkehrung verweisen: Samuel Butler lässt 1872 seine dystopische Satire auf das viktorianische England in einem Land Namens Erewhon spielen, in dem künstliche Sprachfloskeln die Realität beherrschen und Geldgeschäfte zur Ersatzreligion werden. Nun suggeriert der Aufbau der Arbeit weiterhin eine gewisse Nähe zu den Videoskulpturen von Go Eun Im's Landsmann und Leitfigur der Videokunst Nam June Paik, insbesondere dessen "TV Buddha" und "TV Rodin". In beiden sitzen entweder Buddha oder Rodin's Denker einem Monitor gegenüber. Eine dahinter aufgestellte Videokamera nimmt die Statuen frontal auf und läßt sie wiederum auf dem Monitor erscheinen. Buddha meditiert also vor seinem Abbild statt im Nichts vor einer weissen Wand, während der melancholische Denker wie vom Fernsehmedium betäubt scheint. Kulturunterschiede versickern in den technologischen Universalmedien. Go Eun Im's "No(w)here" dreht diese Spirale eine Umdrehung weiter.
Ausstellung
back2elements22. April bis 10. Mai
im Stadtgalerie-Café - Osnabrück
>> Website
Festival
EMAF 2009Das European Media Art Festival
vom 22. bis 26. April 2009
in Osnabrück
>> Offizielle Website
>> EMAF Media Campus






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