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Mit offenen Karten

Mit offenen Karten wird jeden Samstag um 19.15 Uhr auf ARTE ausgestrahlt, ebenso wie am Mittwoch um 00.50 Uhr und am Samstag um 11.45 Uhr. Die Sendung wird (...)

Mit offenen Karten

23/05/06

BELUTSCHISTAN


Ein erneuter Bürgerkrieg?



Krieg oder Frieden
Eine vergleichende Untersuchung kulturspezifischer Ideale - Der Bürgerkrieg in Belutschistan/Pakistan


von Erwin Orywal
Reimer Verlag, Berlin - 2002

Die Vertreter der materialistisch argumentierenden Erklärungsmodelle sehen u. a. in politischen und wirtschaftlichen Strukturen, wie beispielsweise dem Kampf um knappe Ressourcen, die Hauptursachen für den Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen. Im Gegensatz dazu entwickelt Erwin Orywal seine Studie aus der Perspektive der kognitiven Anthropologie: Die Bereitschaft, für die Durchsetzung der eigenen Ziele zu den Waffen zu greifen, ist im hohen Maße abhängig von beispielsweise Männlichkeits- und Überlegenheitsidealen, Ehre und Schande-Konzeptionen, Feindbildern oder Vergeltungs- und Racheidealen, die in den kulturellen Traditionen der Kontrahenten verwurzelt sind. Die Bedeutung solcher kulturspezifischer Ideale und emotionaler Reaktionen als Handlungsmaximen wird an dem in den 70er Jahren des 20. Jh. geführten Bürgerkrieg in Belutschistan (Pakistan) beispielhaft erläutert. In mehreren langen Feldaufenthalten zwischen 1986 und 1991 sammelte der Autor umfangreiches Datenmaterial. Die ermittelten Einzelbefunde werden hinsichtlich ihrer möglichen universellen Bedeutung anhand von einhundert weiteren Konfliktfällen statistisch geprüft. (Quelle: Verlag)



Nationalstaat wider Willen
Politisierung von Ethnien und Ethnisierung der Politik: Bosnien, Indien, Pakistan


von Carsten Wieland
Campus, Frankfurt/M. - 2002

Ethnische Etiketten durchdringen sowohl auf dem indischen Subkontinent als auch im Jugoslawienkonflikt die politische Debatte. Carsten Wieland liefert für die Verbindung von Ethnie und Nationalstaat verblüffende Einsichten in Mythenbildungen, politische Führungscliquen und dogmatische Widersprüche der Religionsgruppen. Damit dekonstruiert er die "ethno-nationalen" Projekte. (Quelle: Verlag)



Schöner neuer Orient
Berichte von Städten und Kriegen


von Navid Kermani
C. H. Beck, München - 2003

Erhellend, ernüchternd, irritierend: Navid Kermanis brillante Reportagen machen das scheinbar Irrationale des Orients verständlich, das Fremde beängstigend vertraut. Sie führen uns zwischen Ägypten und Indonesien in all jene Regionen der islamischen Welt, die heute im Brennpunkt stehen: der Nahe Osten ebenso wie Zentralasien, Iran ebenso wie Pakistan. So präzise er einzelne Situationen und Menschen schildert, so weisen doch die Schlüsse, die er zieht, immer über den Gegenstand seiner Reportage hinaus. Es sind Analysen auch unserer Welt, die aus der konkreten Erfahrung erwachsen.
Der Krieg als Wirtschaftsunternehmen, Städte, die ihren Zerfall organisieren, die Hauptstadt des größten muslimischen Landes als Tempel des Konsums, der religiöse Extremismus als die perfideste Form der Globalisierung – der Orient, den Navid Kermani bereist, hat mit den hübschen Märchen aus tausendundeiner Nacht so wenig zu tun wie mit den finsteren Klischees von Allahs bärtigen Kriegern. Die Welt, die sich in seinen Reportagen auftut, ist modern, erschreckend modern sogar: In vielen Aspekten nimmt sie vorweg, was auch unseren Wohlstandsgesellschaften droht, wenn ihre Fliehkräfte übermächtig werden sollten. Immer umfassendere Ordnungsstrukturen regulieren unser Leben wirtschaftlich, technologisch und politisch und führen zu einer Angleichung der Lebensverhältnisse und Werte. Zugleich wächst die Kluft zu jenen Ländern, Regionen oder Stadtvierteln, die mit der Entwicklung nicht mehr mithalten, bis sie gänzlich von unserer Realität abgekoppelt sind – um am Ende um so gewaltsamer in unser Bewußtsein zurückzukehren. (Quelle: Verlag)




Erstellt: 23-05-06
Letzte Änderung: 23-05-06