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Kino auf ARTE - 29/05/12

Auf der anderen Seite

Spielfilm, Deutschland, Türkei, Italien, 2007, ARTE F, 116 Min.
Regie: Fatih Akin, Drehbuch: Fatih Akin, Kamera: Rainer Klausmann, Musik: Shantel, Schnitt: Andrew Bird, Produktion: Corazón International, Anka Film, Dorje Fil, NDR, Produzent: Andreas Thiel, Klaus Maeck, Fatih Akin, Erhan Özogul, Funda Ödemis, Ali Akdeniz, Alberto Fanni, Flaminio Zadra, Paolo Colombo, Koproduktion: Norddeutscher Rundfunk International Tv-Prod. Gmbh
Mit: Baki Davrak (Nejat Aksu), Nursel Köse (Yeter Öztürk), Hanna Schygulla (Susanne Staub), Tunçel Kurtiz (Ali Aksu), Nurgül Yesilçay (Ayten Öztürk), Patrycia Ziolkowska (Charlotte genannt Lotte Staub)

Der tragische Tod der Prostituierten Yeter führt zum Zerwürfnis zwischen Nejat und seinem Vater Ali, der die Frau bei sich aufgenommen hatte. Nejat fährt nach Istanbul, um Yeters verschwundene Tochter Ayten ausfindig zu machen, nicht wissend, dass diese soeben auf der Flucht vor der Polizei illegal nach Deutschland eingereist ist. Dort von der Polizei aufgegriffen, wird sie sogleich wieder ausgewiesen, direkt in ein türkisches Gefängnis. Die Studentin Lotte, die sich in sie verliebt hat, folgt ihr blauäugig und gerät tiefer in Aytens Angelegenheiten, als ihr lieb ist.



Witwer Ali bietet der in die Jahre gekommenen Prostituierten Yeter an, seinen Haushalt zu führen und seine Geliebte zu werden. Yeter willigt ein. Als es bei einem Streit zu einer Handgreiflichkeit kommt, stirbt Yeter auf tragische Weise.
Alis Sohn Nejat distanziert sich nach diesem Vorkommnis von seinem Vater. Er reist nach Istanbul, wo er in der Heimat seiner Väter einen Neuanfang wagen will. Berührt von Yeters Schicksal macht er sich zunächst auf die Suche nach deren Tochter Ayten, einer politischen Aktivistin im Kampf für mehr Menschenrechte, die seit Jahren im Untergrund lebt.
Doch Ayten ist längst in Deutschland, wo sie die Studentin Lotte kennenlernt; die beiden verlieben sich ineinander, zum Unbehagen von Lottes Mutter Susanne. Als Ayten durch einen dummen Zufall von der Polizei aufgegriffen und in die Türkei abgeschoben wird, folgt Lotte ihr blauäugig und naiv in ihr eigenes Verderben. Auf schicksalhafte Weise verbinden sich die zwei Geschichten miteinander.

"Auf der anderen Seite" ist nach "Gegen die Wand" (2004) Fatih Akins zweiter Film aus der Trilogie über "Liebe, Tod und Teufel". Sechs Hauptfiguren und sechs Handlungsstränge kreuzen sich teilweise, laufen dann wieder parallel und fügen sich am Ende des Films sinngebend zu einem großen Ganzen zusammen. Geschickt verknüpft Akin die Schicksale ganz unterschiedlicher Menschen, die alle durch den Tod und den Zufall bestimmt werden. Doch Akin reduziert die Begegnung mit dem Tod nicht auf bloße Trauer und Verzweiflung, sondern gibt seinen Figuren die Möglichkeit, sich durch einen schmerzhaften Verlust zu verändern und neu anzufangen.
Die Geschichten des Films scheinen dem Leben selbst entnommen zu sein. Akin gelingt eine fesselnde Balance zwischen Realismus und Künstlichkeit. Sein Thema ist der culture clash zwischen Deutschland und der Türkei. Selbst Kind türkischer Einwanderer, entwirft Akin typische Figuren mit "Migrationshintergrund": den nie angekommenen Vater Ali, der die erste Generation von Immigranten darstellt und den assimilierten Nejat, der zwar in Deutschland geboren ist, sich dennoch nach seinem Ursprungsland der Türkei sehnt.
"Auf der anderen Seite" wurde mehrfach ausgezeichnet: In Cannes 2007 für das beste Drehbuch und mit dem Preis der ökumenischen Jury; beim Europäischen Filmpreis 2007 in der Kategorie "Bestes Drehbuch" und beim Deutschen Filmpreis 2008 als bestes Drehbuch, beste Regie, bester Schnitt und bester Spielfilm.

Auf der anderen Seite
Samstag 23. Juni 2012 um 01.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, Türkei, Italien, 2007, 116mn)
ARTE F

Erstellt: 29-05-12
Letzte Änderung: 29-05-12