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DVD-News - 08/10/08

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Bonus-DVD und Filmkritik


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Bonus-DVD


Extras:
- Statements des Regisseurs und der Hauptdarsteller
- Das Schwarze Meer - Ein Kurzfilm von Fatih Akin
- Famous Last Words - Ein Interview mit Andreas Thiel
- Fatih Akin - Tagebuch eines Filmreisenden
- Süper Ist8bul - Ein Super8-Teamfilm von Julia Drache
Sprache: Türkisch, Deutsch mit deutschen Untertiteln

Kritik: Diese Doppel DVD zu AUF DER ANDEREN SEITE überzeugt vor allem dadurch, dass ihre Extras mehr als ungewöhnlich sind, abgesehen von den Statements des Regisseurs und der Schauspieler (Hanna Schygulla, Baki Davrak, Nursel Köse, Nurgül Yesilcay, Tuncel Kurtiz, Patricia Ziolkowska). In Süper Ist8bul hat Julia Drache auf Super 8 diverse Momente des Drehs eingefangen. Kleine Momente beim Reisen, beim Drehen in Istanbul, wortlose Momente versteht sich. Dafür gibt es umso mehr lachende Gesichter zu sehen. Die Musik zu diesem hübschen kleinen Film, der wie ein Musikclip geschnitten ist, stammt vom sonarkollektiv.

13 Minuten lang ist der Kurzfilm DAS SCHWARZE MEER, der komplett aus Material geschnitten worden ist, das eigentlich im Film selbst zu sehen sein sollte, das aber aus dramaturgischen Gründen dann eben doch rausgeflogen ist. Seine Reise führt den Hauptdarsteller Nejat in das Dorf Filyos, in dem seine Mutter geboren wurde. Nejat trifft dort eine Frau, die mit ihm aufgewachsen ist. Die alte Vertrautheit führt die beiden zusammen und sie verbringen eine Nacht miteinander.

Ein sehr besonderer Bonus Track, der Fatih Akin sehr am Herzen liegt, ist der 47-minütige Film FAMOUS LAST WORDS, der Abschied nimmt von einem der besten Freunde und Teilhaber der Filmproduktion von Fatih Akin, Andreas Thiel. Der Film ist eine Hommage anlässlich seines Todes. Zehn Jahre lang waren Fatih Akin und Andreas Thiel beste Freunde. Fatih Akin: "Ich habe soviel von ihm gelernt. Er war auch eine Art Mentor für mich. Ich habe von ihm gelernt mutig zu sein, zu Ende zu denken, Sachen auszuprobieren." Fatih erzählt, dass er eigentlich Andreas Thiel bei GEGEN DIE WAND Regie führen lassen wollte. Doch der meinte, Fatih könne das doch viel besser, weil er sich viel besser mit den türkischen Themen auskennen würde. Damals sollte der Film anders heißen, doch den ursprünglichen Titel schnappte ihnen ein anderer Filmemacher vor der Nase weg. Nach einer gemeinsamen Party pinkelten Andreas und Fatih gegen eine Wand und Fatih meinte auf einmal: "Ich hab's! Der Film heißt "Gegen die Wand".

FATIH AKIN - TAGEBUCH EINES FILMREISENDEN erzählt in 50 Minuten die Entstehungsgeschichte von AUF DER ANDEREN SEITE, mit vielen Interviews und Drehszenen. Es ist ein intimes und dichtes Porträt eines ungewöhnlich lockeren Filmemachers, der nicht nur großen Spaß am Filmemachen, sondern auch am Leben hat. Der Film beginnt mit dem 1. Drehtag am 9. Juli 2006, einer Demo. Fatih und sein Team fassen sich an den Händen, bilden einen Kreis und rufen dreimal: "Bimbam." So etwas soll Glück bringen, in Asien ist es üblich, vor dem Drehen einige Rituale für gutes Gelingen des Films abzuhalten. Fatih Akin erklärt im Off: "Norman Mailer schrieb einst über den legendären Boxkampf zwischen Mohammed Ali und George Foreman: Mit einem großen Seufzer der Erleichterung schlug der Gong zur ersten Runde und Ali stürmte sofort auf Foreman zu." Für Fatih Akin hat das Filmemachen viel mit Boxen oder überhaupt mit Leistungssport zu tun. In beiden Disziplinen geht es um Herausforderung, Kampf, Ausdauer und Intelligenz. Und es geht um Siegen oder Verlieren."

Fatih überlegt sich, wie das war, als er seinen letzten Film gemacht hat, GEGEN DIE WAND, drei Jahre vorher. Er hatte damals noch kein kleines Kind, noch keinen Goldenen Bären. Er war 29 und befand sich an einem ganz anderen Punkt seines Lebens. Doch das Filmemachen verlernt man nicht. Das zeigt der Film von Monique Akin, das zeigt auch AUF DER ANDEREN SEITE. Mehr davon, bitte...

Nana A.T. Rebhan


Filmkritik


Synopsis: Nejat, ein deutscher Germanistikprofessor mit dem, was man wohl einen türkischen Migrationshintergrund nennt, kümmert sich liebevoll um seinen in Bremen lebenden alten Vater Ali, bei dem er nach dem frühen Tod der Mutter allein aufgewachsen ist. Ali will noch einmal mit einer Frau leben und lädt die türkische Prostituierte Yeter ein, bei ihm zu wohnen. Als er betrunken ist und sie sich ihm verweigert, schlägt er zu, Yeter stürzt unglücklich und stirbt. Nejats Vater Ali kommt in Haft und wird später in die Türkei abgeschoben, Nejat – der Yeter sehr mochte – macht sich in Istanbul auf die Suche nach ihrer Tochter Ayten. Die gehört jedoch zu einer politischen Widerstandsgruppe, flieht vor der Polizei nach Deutschland und verliebt sich dort in Lotte, eine bei ihrer Mutter Susanne lebende, bürgerliche Studentin, die sich für Menschenrechte engagiert. Als Ayten abgeschoben wird und in einem türkischen Frauengefängnis landet, folgt Lotte ihr Hals über Kopf nach und wird dort von einem Kind mit genau der Waffe erschossen, die sie an Aytens Untergrundgruppe übergeben sollte. Immer enger verknüpfen sich die Handlungsfäden, laufen die Geschichten der einzelnen Figuren aufeinander zu...

Kritik: Nach seinem mehrfach preisgekrönten Film „Gegen die Wand“ (Berlinale-Gewinner 2004), war der Erwartungsdruck an Fatih Akin sehr hoch, wie er in der Pressekonferenz in Cannes auch betonte. Offensichtlich hat ihm der Druck jedoch nicht geschadet, denn er hat einen mindestens ebenso guten, wenn auch ganz anderen Film gemacht. Die wieder von Akin selbst geschriebene Geschichte erscheint beim Lesen zunächst etwas kompliziert, da die Einzelgeschichten erst nach und nach miteinander verbunden werden, der Film entwickelt die ganze Handlung jedoch so klar strukturiert, stimmig und mit sicherem Gespür für Timing, dass man nirgends die Orientierung verliert und immer ganz nah an den verschiedenen Figuren bleibt.

Es ist schon bewundernswert, wie die Regie diese komplexe Geschichte, in der so viele Zufälle und Begegnungen sich gegenseitig beeinflussen und bedingen, zusammen führt und den Spannungsbogen aufrecht hält.

„Auf der anderen Seite“ ist wesentlich ruhiger und unspektakulärer erzählt als „Gegen die Wand“, die atemlose, emotionale Wucht hat jetzt einem fast gelassenen Rhythmus Platz gemacht, der die Bilder atmen lässt und den schicksalhaften Verkettungen neugierig, aber unaufgeregt folgt, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Das ist großes Erzählkino, das nicht an seinem eigenen Kunstanspruch scheitert, wie es bei manchen Wettbewerbsfilmen zu beobachten ist, zuletzt gerade wieder bei „The man from London“ von Béla Tarr.

Fatih Akin ist ein Regisseur, dem seine Geschichte wichtig ist, er erzählt sie gut und er glaubt offensichtlich daran, dass gute Geschichten Menschen bewegen und verändern können. Deshalb spielt im Film auch der schön, klar und bewegend erzählte türkische Roman „Die Tochter des Schmieds“ von Selim Özdogan, den der Sohn dem Vater noch vor dem fatalen Streit mit Yeter schenkt, eine gewisse metaphorische Rolle. Als der Vater das Buch endlich liest, leider viel zu spät, kommen ihm die Tränen, auf die sein Sohn wahrscheinlich schon lange gehofft hat.

Natürlich lassen sich auch Schwächen benennen: Warum der anfangs so sympathisch und locker gezeigte Vater sich plötzlich in einen prügelnden türkischen Macho verwandelt, wirkt zumindest irritierend, Lottes heftiges Engagement und ihr plötzliches Aufbegehren gegen die von Hanna Schygulla berührend verkörperte Mutter hat etwas Klischeehaft-Naives, und die leidenschaftliche Liebe zwischen Ayten und Lotte entwickelt sich vielleicht etwas plötzlich. Es sind aber dennoch sehr glaubwürdige Figuren, denn Akin versteht nicht nur, eine Geschichte mitreißend zu erzählen, er hat auch ein gutes Gefühl dafür, wie sich Menschen selbst in Ausnahmesituationen einfach normal menschlich verhalten können. Der positive Wärmestrom, der von dem Film ausgeht, muss keine Abwehrreflexe auslösen, man kann das Leben auch mal von dieser Seite zeigen.

Thomas Neuhauser
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Auf der anderen Seite
Deutschland/ Türkei
Mit: Baki Davrak (Nejat Aksu), Tuncel Kurtiz (Ali Aksu), Patrycia Ziolkowska (Lotte Staub), Hanna Schygulla (Susanne Staub)
Cannes 2007 - Offizieller Wettbewerb
Goldene Palme für bestes Drehbuch

Erstellt: 30-09-08
Letzte Änderung: 08-10-08